Uvils Erinnerungen 18
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Ein tiefes Grollen.
Ich schrecke aus dem Schlaf auf.
Der Horizont pink und violett.
Die Farben der Dämmerung. Seltsame Mischung aus orange und gelben Sonnenstrahlen und kaltblauen Schatten
Noch paar Sterne am Himmel.
Mond.
Die Morgendämmerung ruhig.
Paar Vögel zwitschern.
Schwarz und Silber schimmert die Landschaft.
Wieder das Grollen.
Kann die scheiß Bestie nicht einfach mal Ruhe geben. Ich will schlafen.
Da bewegt sich was, sagt Bullwai.
Ich schaue über die Hügel. Tatsächlich. Etliche Meilen entfernt bewegen sich paar Gestalten über einen Hügel. Aufrecht. Zweibeiner.
Davor krabbeln paar kleine Dinger. Vierbeiner.
Verschwinden im Tal. Aber in unsere Richtung.
Ramir sagt, ich sehe zehn bis fünfzehn. Seine Haare stehen wild vom Kopf ab.
Er steht auf. Rollt seine Decke zusammen. Sie sind also wirklich unserer Spur gefolgt.
He. Ramir ruft in den Wald. He Monster! Da kommen die von Rost und Häma. Die mit den Kindern. He. Die von Rost und Häma kommen.
Dumpfe Aufschläge im Wald. Knackende Äste. Etwas Gewaltiges bricht durchs Unterholz.
Der Dämon.
Sie wollen die Kinder abrichten. Aber wir Mantikoren vermehren uns nicht auf diese Weise, sagt er.
Wir im Wald hier nicht.
Wir helfen dir, sagt Ramir.
Genau, sagt Bullwai. Dafür sind wir ja schließlich hier.
Gut, sagt der Dämon. Sehr gut. Wir werden das klären. Lockt ihr sie da drüben in die Halle.
Wir folgen seinem Blick.
Im Halbdunkel des Waldes. Die Ruine einer ehemals gewaltigen Halle. Paar kleine Stufen davor. Unzählige umgefallene Säulen kreuz und quer. Paar Baumriesen drumrum.
Alles klar, sagen wir. Der Plan steht. Du kannst dich auf uns verlassen.
Ein Grollen wie aus den Eingeweiden der Erde. Der Dämon wendet sich ab. Verschwindet überraschend behände im Wald.
Quro packt seinen Bogen. Will gehen.
Moment, sage ich. Wühle in meiner Tasche. Hier. Vier Portionen. Gift. Stärke Zwölf. Wirst du brauchen.
Quro nimmt das Gift. Nickt. Verschwindet im Wald.
Wir sehen ihn über ein Knäuel umgestürzter und in sich verkanteter Säulen aufwärts huschen. Er findet das perfekte Schützennest. Weit oben. Zwischen den mit steinernem Kräuterkram verzierten Kapitellen. Gute Schussposition. Gute Deckung. Unauffällig. Verborgen in Blättern, Ranken und Blüten aus Stein.
Bullwai sagt, wir sollten uns paar Gedanken über eine Strategie machen. Ich denke nämlich, wir werden …
Ramir verschwindet ein paar Schritt hinter uns ins Gebüsch. Wird plötzlich vollständig unsichtbar.
Ich denke, vielleicht klappt der Hinterhältige Angriff diesmal ja wirklich. Muss beim Gedanken an seine früheren Versuche grinsen.
Aber wer weiß. Vielleicht geht er ja auch nur pinkeln. Käm aufs Gleiche raus.
Bullwai schaut sich verwundert nach Ramir um. Der ist wie vom Erdboden verschluckt. Der Zwerg zuckt mit den Schultern. Schüttelt den Kopf. Stellt sich aufrecht hinter eine umgekippte Säule im vorderen Bereich.
Ich werde mich nicht verstecken, sagt er. Ich werde mich tapfer meinen Feinden stellen. Ihnen aufrecht in die Augen schauen. Von Mann zu Mann. So läuft das nämlich bei uns Zwergen.
Aus Sicht der Angreifer dürfte es dagegen gar nicht so einfach sein, Bullwai überhaupt zu entdecken. Sein Kopf ragt gerade eben zur Hälfte über den Rumpf der liegenden Säule hinaus – und dann auch noch gegen das morgendliche Halbdunkel des Waldes.
Ich denke, es ist gut, in Bullwais Nähe zu bleiben. Viele Gegner. Im Team arbeiten. Ist nie falsch.
Ich verstecke mich nicht weit entfernt hinter derselben Säule. Überraschungsmoment ausnutzen.
Jetzt geht´s los, sagt Bullwai. Da kommen sie über den Hügel. Die Schweinehunde zuerst. Sie haben uns gewittert.
Sie kommen direkt auf uns zu.
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Arren sagt, was ist mit den anderen aus Hohlheim.
Die holen wir auch raus, sagt Handon. Ich kümmere mich drum.
Das werde ich schon selbst erledigen, sagt Arren. Ich geh da jetzt hoch. Hau denen meine Forderungen um die Ohren.
Sicher, sagt Handon. Aber vielleicht wäre es langfristig kein Fehler, das Verhältnis zwischen Turm Olse und der Knochenmühle eher ein bisschen zu kitten, als es weiter zu strapazieren.
Und da ich habe den Eindruck, Ihr seid dafür gerade nicht so recht in der Stimmung.
Arren mustert Handon verblüfft.
Meinetwegen. Mach du es eben.
Er wendet sich an Kratullos.
Die Kinder da. Gehören zu Olse. Folglich zu mir. Rausholen.
Na los, Mann. Worauf wartest du.
Mit zitternden Fingern fummelt Kratullos den Schlüssel hervor.
Die Matrone da, Arren zeigt in die Richtung. Auch Turm Olse.
Kratullos völlig eingeschüchtert.
Handon manipuliert. Strapaziert.
Ist doch selbstverständlich, sagt Kratullos. Selbstverständlich bekommt Ihr die Kinder.
Seine Hände zittern. Kriegt den Schlüssel nicht ins Schloss.
Schlüssel fällt zu Boden.
Kratullos bückt sich.
Hebt ihn auf. Schaut verängstigt zu Arren hoch.
Die Gittertür öffnet sich. Die Kinder fallen erschöpft und verängstigt raus. In Handons und Arrens Arme.
Kratullos führt sie alle zurück in die Erlenheimtaverne.
Handon schaut sich auf dem Hof um.
Immer noch Knochenmühle, denkt er. Das Tor geschlossen.
Die Situation könnte schnell kippen.
Undar begrüßt Arren betont höflich. Entschuldigt sich unzählige Male. Viele Erklärungen.
Ein Soldat sei schon unterwegs. Beschafft Arrens eingezogenen Besitz.
Als der Soldat kommt, stellt sich heraus, dass Arrens Schwert fehlt. Nirgends auffindbar.
Arren ist verärgert.
Wir sind fertig hier, sagt Arren. Wir brechen sofort auf.
Hab hier noch was zu erledigen, sagt Handon. Ich werde nachkommen. Wir treffen uns unterwegs. Außer, Ihr wünscht dass ich euch jetzt sofort begleite.
Schon in Ordnung, sagt Arren.
Aber bitte nehmt doch meinen Karren, sagt Handon. Besser für die Kinder.
Wir treffen uns spätestens bei Olse, sagt Arren.
Handon legt noch seinen Kurzbogen in den Wagen. Wer weiß, vielleicht könnt ihr ihn unterwegs brauchen.
Arren verlässt mit den Kindern, der Matrone und Handons Wagen die Burg.
Als er durch das Tor fährt, nimmt Arren einem der Wachmänner den Speer und eine Laterne aus der Hand.
Kratullos gibt dem verdutzten Mann Zeichen, nicht zu reagieren.
Dann rumpelt der Wagen aus dem Torweg.
Die Wachleute schließen das Tor.
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Ramir ist in den Schatten der Büsche verschwunden. Wir werden sehen, ob sein Hinterhältiger Angriff diesmal funktioniert.
Ich kauere hinter der liegenden Säule. Bisschen mehr als Armeslänge Entfernung von Bullwai.
Ich luge über den Schaft.
Insgesamt sechs Schweinehunde.
Dahinter fünfzehn Mann. Waffen gezogen. Pfeile in Bögen gelegt. Rennen. Schreien rum.
Die Scheißviecher vorneweg.
Ein einzelner Schweinehund ganz vorne.
Ich sage, der da ganz vorne. Das ist sicher der Härteste von allen.
Über uns zischt ein Pfeil.
Quro aus seinem Schützennest. Oben in den Säulen.
Mit einem schlürfenden Geräusch klatscht der Pfeil in den Nacken des einzelnen Schweinehunds ganz vorne.
Aber er ist ja der Härteste von Allen. Und dem Härtesten von Allen ist so ein Pfeil im Nacken natürlich komplett scheißegal. Hoppelt einfach weiter, als wär nichts.
Ein zweiter Pfeil fliegt über unsere Köpfe
Paar Rasenstücke spritzen auf, als er sich kurz hinter dem Arsch des Härtesten von Allen in den Boden schraubt.
Bullwai fuchtelt rum. Brüllt Kommandos.
Ich frage mich, wozu. Interessiert sowieso keine Sau. Ist ja jeder längst auf Position.
Wahrscheinlich Stressabbau.
Der Härteste von Allen springt – mitsamt Pfeil im Nacken links von mir über die Säule. Viel zu weit entfernt. Ich kann ihn nicht erreichen.
Ist ihm aber auch scheißegal.
Er rast brüllend, quiekend und bellend direkt auf das Gebüsch zu. In dem Ramir sitzt.
Ah. Ich muss grinsen. Ramirs Hinterhältiger Angriff mal wieder.
Aus Ramirs Busch zischt ein Pfeil.
Kracht in den Schädel des Scheißviechs. Genau zwischen Auge und Jochbein.
Ist dem Härtesten von Allen aber auch scheißegal.
Rennt einfach weiter.
Drei Schritt jedenfalls.
Dann Rechtsdrall.
Der Härteste von Allen kippt plötzlich auf die Seite.
Bleibt liegen.
Schade drum.
War irgendwie ein cooler Typ.
Die anderen Schweinehunde hetzen mit kratzenden Pfoten durch die Ruinen auf uns zu.
Dahinter unsere Angreifer. Ihre Nachhut vier Bogenschützen.
Aber unsere Bogenschützen eröffnen zuerst das Feuer.
Quro halt. Und Ramir mit dem Kurzbogen.
Quros Pfeil fliegt über uns hinweg.
Trifft einen der gegnerischen Bogenschützen in die Seite.
Der ächzt. Taumelt kurz.
Zieht den Pfeil raus. Läuft weiter.
Quros zweiter Pfeil geht auf den zweiten Bogenschützen nieder.
Klatscht ins Bein. Das unterdrückte Stöhnen ist weit zu vernehmen.
Aber auch der bricht den Pfeil ab.
Humpelt weiter.
Ramir schießt aus dem Hinterhalt auf einen der rennenden Schweinehunde.
Der Pfeil erwischt das Tier im richtigen Moment von unten an der Kehle.
Das Tier rammt sich schnörkellos in den nächsten Wurzelstock und bleibt liegen.
Quros nächster Pfeil geht wieder auf die Bogenschützen.
Der Mann sieht den Pfeil kommen.
Versucht, auszuweichen.
Aber zu spät. Der Pfeil erwischt ihn gerade noch an der Schulter.
Der Mann taumelt.
Kann sich auf den Beinen halten.
Läuft auch weiter.
Der vierte Bogenschütze beobachtet die Szenerie. Hat wohl die Bahn der Pfeile verfolgt.
Schaut nach oben. Sieht Quros Pfeil kommen.
Zieht die Augenbrauen hoch. Tritt einen Schritt zur Seite.
Schaut dem Pfeil nach, der hinter ihm im Unterholz verschwindet.
Er lächelt zu Quro hinauf.
Legt seinen eigenen Pfeil auf die Sehne. Schickt ihn Richtung Quro.
Ein Schrei aus Quros Schützennest.
Quros Gesicht schmerzverzerrt.
Der Pfeil steckt in seiner Schulter.
Aber mittlerweile verdichten sich auch die Ereignisse am Boden.
Die übrigen Schweinehunde sind da.
Ein besonders wuchtiger setzt mit einem gewaltigen Sprung über die Säule. Das Maul weit geöffnet. Gewaltige Reißzähne. Wie dolchartige Nadeln. Stinkender Speichel.
Mit aufgerissenem Maul direkt auf Bullwai zu.
Ich packe Sturmhauch. Katapultiere mich in die Senkrechte. Nehme den Schwung mit. Ramme dem Großmaul Sturmhauch seitlich in den feisten Wanst.
Hebele das Schwert rum, bevor ich es rausziehe.
Großmaul – noch mitten im Sprung – verliert, neben viel Blut, vor allem die Orientierung über seine Lage im Raum.
Bullwai, der eigentlich gerade selbst zuschlagen wollte, verliert ebenfalls kurz die Orientierung.
Steht einfach nur verwirrt da.
Betrachtet mit großen Augen den Berg aus Fleisch, der auf ihn zurast.
Großmaul kracht auf Bullwai herab. Begräbt ihn unter sich.
Zwerg und Monster schicken sich an, als Knäuel durch die Ruinen zu rollen.
Doch Bullwai ist Krieger. Lässt ihn gekonnt abgleiten. Taucht unter dem rutschenden Ungetüm wieder auf. Schmettert ihm aus der Drehung rücklings die Axt ins Rückgrat.
Der Schweinehund rutscht noch zwei Schritt weiter. Schiebt dabei einen Haufen Laub zusammen.
Bleibt zitternd liegen. Zuckt ab und zu.
Quiekt manchmal in den Laubhaufen rein.
Der kommt ab jetzt alleine klar.
Aber Bullwai scheint nach dem Zusammenprall deutlich mitgenommen.
Der macht mir wirklich Sorgen.
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Handon blickt auf das sich schließende Tor.
Er hat das Gefühl in der Ferne Schweinehunde zu hören. Schwertklingen. Schreie.
Schüttelt den Kopf. Kann nicht sein. Sie müssen viel zu weit weg sein.
Aber dann hört er ganz deutlich Schreie.
Ziemlich nah sogar.
Aus der Frettchenhalle.
Kratullos Männer zerren Frettchen aus ihren Kojen. Treiben sie auf dem Hof zusammen. Schlagen sie mit Stöcken. Den Schäften ihrer Spieße. Was man gerade so zur Hand hat.
Handon geht in die Erlenheimtaverne. Zu Undar.
Der sitzt in der Schankstube und schreibt.
Undar blickt nicht auf.
Wie hat Arren es aufgenommen, sagt er.
Die Feder kratzt über das Pergament.
Er meinte, er hätte gern paar Köpfe für Olse gehabt, sagt Handon. Aber ich konnte ihn überzeugen.
Gut. Undar nickt.
Er hat übrigens auch die Matrone mitgenommen. Die mit Olse verwandt ist.
Was für ein Inzest, da draußen. Undar schnaubt.
Handon sagt, ich denke, im Grunde ist es Arren auch gar nicht so wichtig, wo genau die Köpfe stecken. Nur, dass sie auch tatsächlich irgendwo stecken.
Keine Sorge, sagt Undar. Ich brauche ganz gewiss keinen Arren, der mir erklärt, was ich mit den Köpfen meiner Verräter zu tun habe.
Sicher, sagt Handon.
Aber was mich betrifft. Falls meine Dienste nicht mehr benötigt werden…
Ich meine. Wird hässlich werden, hier. Vergeltung ist nicht meine Welt. Ich bin ja eher auf der Suche nach lukrativen Möglichkeiten zum Handel.
Undar schnaubt. Handel. Haben wir doch in Hülle und Fülle hier. Unten die Kerker. Randvoll mit Sklaven.
Nicht ganz mein Gebiet, sagt Handon. Aber wenn die Frage erlaubt ist. Wird Menschenhandel auf Dauer nicht irgendwann problematisch. Ich meine. Langfristige Perspektive. Angebot und Nachfrage und so.
Rost und Häma brauchen immer Blut.
Wohl wahr.
Handon tritt vor die Tür.
Vor der Frettchenhalle. Frettchen werden gehenkt.
An Stricken hochgezogen. Zucken und zappeln um Luft.
Kratullos Männer zerschlagen mit Stöcken die Knochen ihrer Beine.
Schläge. Schreie. Schläge.
Zappeln.
Undar tritt neben ihn. Bierkrug in der Hand. Betrachtet die Szene vor der Frettchenhalle.
Handon sagt, falls die Frettchen auftauchen und Arrens Schwert zurückkommt. Wenn er es wiederkriegt, wird das bei Arren sicher einen guten Eindruck machen.
Sicher doch, sagt Undar. Wird schon klappen.
Er betrachtet die Gehenkten.
Trinkt aus dem hölzernen Humpen.
Der Blutfleck unter dem Boden.
Unten klemmt noch ein Zahn.
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Bullwai steht neben mir. Atmet schwer. Er ist wirklich angeschlagen.
Alles klar bei dir, oder, sage ich.
Bullwai nickt. Atmet.
Halt durch, Bullwai, sage ich. Wir brauchen dich noch. Geht doch grad erst los. Hörst du.
Bullwai guckt. Nickt. Atmet.
Ich schaue auf unsere Gegner.
Nur noch paar Schritt. Dann sind unsere Verfolger da.
In der letzten Reihe fangen plötzlich zwei Männer ohne ersichtlichen Grund an, zu torkeln.
Bogenschützen.
Ihre Knie sacken weg. Sie lassen die Bögen fallen. Gesicht bleich. Schaum vorm Mund.
Der eine kippt über einen Baumstamm. Der andere fällt einfach ins Gebüsch.
Ich bin zufrieden. Das Gift scheint gut zu wirken.
Direkt vor mir Knurren. Geifern.
Die letzten drei Schweinhunde.
Ihre Ohren klappen bei jedem Sprung auf und ab.
Der vorderste springt Bullwai an.
Bullwai wirkt immer noch benommen vom Aufprall.
Ich sage, so nicht, mein Freund. Den Bullwai brauche ich noch.
Ich schwinge Sturmhauch über den Kopf. Dann ziehe ich es mit einer leichten Körperdrehung von unten nach oben durch. So wie die Spieler das bei diesem Ballspiel mit den Schlägern machen.
Die Klinge trennt den Kopf sauber vom Rumpf.
Der Kopf fliegt links an Bullwai vorbei. Der Rumpf rechts.
Schlägt paar Schritt weiter im Laub auf. Nicht weit entfernt von Großmaul, der immer noch im Laubhaufen liegt, vibriert und manchmal quiekt. Wird aber langsam leiser.
Schade. Ich mochte das.
Einer der beiden übrigen Bogenschützen vor uns geht soeben mit einer Drehung zu Boden. Ein Pfeil ragt vorne aus seinem Brustkorb. Hinten aber auch.
Ich werde Quro rügen müssen. Das gute Gift. Hätte auch ohne den extra Pfeil gewirkt.
Das ist Verschwendung.
Von der anderen Seite ruft jemand, he, da hockt wer im Busch.
Zwei Frettchen rennen auf Ramirs Versteck zu.
Der eine mit Falchion. Sieht ziemlich genau so aus, wie Ramirs Falchion.
Der andere in dunkel wattierter Rüstung. Lederwams. Rote Lederstiefel.
Streitkolben mit oben so komischen Haken dran.
Scheint was Besonderes zu sein.
Ramir sieht die beiden.
Lässt den Bogen fallen.
Zieht Falchion und Dolch.
Watterüstung kommt näher. Grinst. Holt mit seinem Streitkolben aus. Hebt ihn hoch über den Kopf. Will ihn wohl auf Ramir niederschmettern.
Ramir nutzt die fehlende Deckung. Sein Falchion schwingt seitlich heran.
Der Mann bemerkt seinen Fehler. Aber es ist zu spät für eine Parade.
Ramirs Klinge frisst sich durch sein Lederwams und die dunkel wattierte Rüstung. Schlitzt die Seite des Mannes auf. Versetzt seinen Leib dabei in Drehung. Wirft ihn zur Seite.
Watterüstung fällt wie ein morscher Baum ins Laub.
Dumpfer Aufschlag.
Federt kurz nach.
Aus seiner Seite pulsiert Blut in eine immer größer werdende Lache.
Während Watterüstung langsam leer läuft, werden Bullwai und ich wieder angegriffen.
Die zwei letzten Schweinehunde kommen über die Säule geflogen.
Der eine fixiert mich. Springt mich direkt an.
Springt aber vorbei.
Schnappt. Geifert. Faucht. Beißt im Flug in die Luft, als wolle er sie zerfetzen.
Ich drehe mich um und betrachte sein Vorübergleiten.
Seine Ohren knattern im Fahrtwind gegen seine Rückenschwarte.
Während sich mein Schweinehund also noch in der Luft befindet, greift der andere bereits Bullwai an.
Aber der hat seine Form wiedergefunden.
Wehrt das Vieh souverän mit einem Block aus Schild und Axt ab.
Dann stößt Bullwai einen merkwürdigen Schlachtruf aus und verwandelt sich urplötzlich in ein Knäuel aus wirbelnden Gliedmaßen und Waffen.
Mit einem üblen, reißenden Geräusch schlitzt er die Flanke des Tieres der Länge nach auf.
Die Innereien fallen raus. Der Schweinehund fällt leer zu Boden.
Bullwai steht über dem hohlen Leichnam. Sein Blick funkelt gefährlich.
Wir gehen wieder hinter der Säule in Deckung.
Die restlichen neun Gegner erreichen den Schauplatz.
Zwei laufen rechts an uns vorbei in Richtung Quro.
Einer mit Speer. Der andere so ein junger Schönling mit Milchgesicht.
Hinter mir macht sich mein fliegender Schweinehund zum nächsten Sprung bereit.
Bullwai packt die Axt fester.
Bis jetzt war das alles nur Vorspiel, sagt er.
Aber jetzt, sagt er, jetzt geht´s richtig los.
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Handon beeilt sich, Arren mit dem Karren einzuholen.
Er verabschiedet sich von Kratullos. Reicht ihm die Hand.
Danke, sagt Kratullos. Manchmal ist ein Blick von außen eben doch Gold wert.
Wir werden Misella auf jeden Fall einen denkwürdigen Empfang bereiten.
Handon sagt, falls ihr irgendetwas braucht, wenn ihr Handeln wollt, wendet euch gerne an mich. Übrigens. Wir haben super Rinder auf Olse.
Kratullos gibt Handons Hand frei.
Sicher. Wir sehen uns nicht zum letzten Mal.
Handon verlässt die Knochenmühle.
Das Tor schließt sich kreischend hinter ihm, als die keuchenden Männer es um seine verrosteten Angeln zerren.
Handon passiert die Mühle mit dem Wasserrad. Sieht die angenagelten Hände.
Ihn schaudert.
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Dumme Situation.
Vor mir hechtet ein bewaffneter Mann mit Kurzschwert über den liegenden Säulenschaft. Direkt auf mich zu.
Hinter mir drückt sich der Schweinehund gerade mit den Hinterläufen vom Boden ab.
Steche mit Sturmhauch hinter mich. Erwische das Scheißvieh im Absprung. Am Hals. Das Tier gurgelt. Keucht. Der Sprung fällt erst mal aus.
Ich reiße Sturmhauch aus dem Schweinehund raus nach vorne.
Der Mann mit dem Kurzschwert rennt in seine Spitze.
Hält inne. Aus seinem Wams quillt Blut.
Er schaut mich ungläubig an.
Währenddessen hinter uns.
Bei Quros Schützennest.
Die zwei Männer. Der eine mit dem Speer. Der andere mit dem Milchgesicht. Laufen auf Quros. Schützennest in den verkanteten Säulen zu. Mit dem scheiß Steingemüse oben dran.
Der Speer etwas weiter vorne. Milchgesicht rennt hinterher.
Quro lässt einen Pfeil von der Sehne.
Trifft den Speermann. Im linken Brustbereich.
Der pendelt hart nach hinten. Gibt einen Stöhnen von sich.
Fängt sich.
Schüttelt den Kopf.
Rennt weiter.
Quro schießt noch einen Pfeil auf den Speermann.
Dieser Pfeil prallt an der Rüstung ab.
Der Kerl nimmt seinen Speer und holt zum Werfen aus.
Immer wieder faszinierend, die Bewegungsabfolge eines guten Speerwerfers zu beobachten.
Und der Kerl hier ist verdammt gut. Ich würde ihn gerne länger beobachten.
Aber keine Zeit.
Unterdessen umkreist Ramir den Falchionmann. Falchion gegen Falchion. Interessantes Kräftemessen.
Ramir fixiert den anderen. Steigt mit einem großen Schritt über Watterüstung, der in seiner Blutlache liegt und immer noch rhythmisch ausblutet.
Täuscht einen Schlag an. Täuscht noch einen Schlag an.
Schlägt völlig unerwartet für den anderen zu.
Dessen Parade kommt spät. Falchion gegen Falchion.
Ramir gleitet ab.
Trifft den Mann an der Seite. Reißt eine fiese Wunde.
Aber ich muss mich auf meinen eigenen Kampf konzentrieren.
In das Fauchen hinter mir mischt sich Gurgeln.
Der Schweinehund mit den Flatterohren greift erneut an.
Schnappt einfach zu. Dolchgebiss.
Ich will ausweichen.
Bullwai ist schneller.
Wirft sich dazwischen.
Die Nase des Schweinehunds schlägt mit einem lauten Pock gegen Bullwais Schild.
Die Zähne schaben quietschend über die Metallbeschläge.
Der blutenden Mann mit dem Kurzschwert springt von der Säule auf uns herab.
Bullwai reißt den Schild von Schweinehunds Nase weg. Schwingt mit dem gesamten Oberkörper herum. Lässt die Axt nach oben fahren.
Leider an dem Mann vorbei.
Dessen Kurzschwert zuckt in Bullwais Richtung.
Noch aus der Drehung schlägt Bullwai das Kurzschwert mit dem Schildrand zur Seite.
Dieser Zwerg beeindruckt mich immer wieder aufs Neue.
Ich schaue hinüber zu Quro.
Quro sackt gerade auf seinem Säulenknäuel nach hinten.
Mit dem Rücken gegen die Kanneluren des schräg stehenden Säulenschaftes.
Aus seiner Schulter ragt der Speer.
Quro packt ihn mit beiden Händen. Zieht ihn mit schmerzverzerrtem Gesicht raus.
Der Speermann zu seinen Füßen macht gerade die letzten Ausfallschritte nach seinem Wurf. Fängt den Schwung ab. Ich bewundere aufs Neue die atemberaubend gute Technik dieses Mannes.
Der Speermann rennt weiter Richtung Quro.
Milchgesicht hinterher.
Szenenwechsel.
Ich schaue rüber zu Ramirs Busch.
Ramir weicht dem anderen Typen mit dem Falchion aus. Stolpert rückwärts über die Leiche des Mannes mit der Watterüstung.
Fängt sich. Pariert einen harten Schlag des Falchionmannes.
Hinter Ramir taucht plötzlich eine zweite Gestalt auf.
Irgend so ein geckenhaft angezogener Blondling in schwarzem, hautengem Leder. Denkt wahrscheinlich, er wäre ein Elb. In jeder Hand ein langes Messer.
Fuchtelt mit den Klingen affektiert in der Luft rum.
Ramir sieht ihn zu spät. Der Hieb des blonden Möchtegernelben geht durch.
Ramir krümmt sich.
Zorn im Gesicht.
Packt das Falchion fester.
Unterdessen bei Bullwai und mir.
Bullwai und ich kriegen ebenfalls weiteren Besuch.
Gleich drei neue Männer drängen sich heran. Flankieren meinen alten Freund Kurzschwert.
Kurzschwert bemerkt sie auch.
Neuer Mut in seinen Augen.
Attakiert mich entschlossen.
Aber Bullwai rammelt ihn einfach mit dem Schild zur Seite.
Hinter Kurzschwert taucht ein grobschlächtiger Typ mit entstelltem Gesicht auf. Sieht bisschen aus, wie eine Kartoffel.
Kartoffel trifft mich. Linker Oberarm. Scheiße. Ich blute.
Hinter Kartoffel taucht noch ein Typ auf, dessen Augenwinkel derart weit herabhängen. Fast bis auf die Wangenknochen. Hab sowas noch nie gesehn.
Triefauge will Bullwai angreifen.
Wird seinerseits zur Seite geschoben.
Noch ein dritter, grobschlächtiger Kerl drängt sich vor.
Breite Schultern. Weste aus Wildschweinfell. Über der nackten Brust zwei gekreuzte Lederriemen. Die Behaarung der nackten Brust unterscheidet sich nicht wesentlich von jener der Wildschweinweste.
Wildschweinweste schiebt Triefauge zur Seite.
Fixiert Bullwai mit gesenktem Kopf.
Ein gewaltiger Bidenhänder in der Hand.
Tritt Bullwai breitbeinig entgegen.
Lächelt finster.
Holt aus.
Die lange Klinge des Bidenhänders zischt hoch über Bullwais Kopf hinweg.
Der Umgang mit großen Waffen will gelernt sein, sagt Bullwai.
Die Angriffe verwandeln sich zusehends in ein wüstes Gemetzel.
Auf dem Schlachtfeld hinter uns. Tote Schweinhunde. Allenthalben rinnen Blutpfützen von Mensch und Bestie ineinander.
Dazwischen tote Knochenfrettchen. Verlorene Rüstungsteile.
Bullwai ruft, zurück zu den Säulen. Alle Mann zurück zu den Säulen.
Warum auch immer.
Der nervtötende Schweinehund greift mich schon wieder an.
Wieso kann der nicht endlich mal einsehen, dass es Zeit für ihn ist.
Ärger.
Ich würfle sechs Erfolge gegen den scheiß Schweinehund.
Sturmhauchs Klinge dringt etwa in Höhe seines Beckenknochens in seinen Körper ein. Ich reiße die Klinge nach vorne. Gleichzeitig wende ich mich dem Mann vor mir zu, um ihm als Schwertmeister die Klinge direkt aus dem Schweinehund heraus in die Fresse zu rammen.
Sturmhauchs Klinge flattert hinter meinem Rücken unkontrolliert durch Schweinehunds Leib. Reißt ihn in einem schlingernden Zickzack der Länge nach auf.
Rote Gewebeteilchen fliegen ringsum an mir vorbei.
Sturmhauchs Klinge frisst sich frei. Zischt an mir vorbei nach vorne. Verpasst Kartoffelgesicht vor mir zwei Schaden.
Hinter mir klappt der Schweinehund schmatzend in zwei Teile auseinander.
Kartoffelgesicht sagt, Urgh. Beißt die Zähne zusammen, als ich ihn treffe.
Neben ihm zuckt der Kurzschwerttyp zusammen. Schielt. Ein Pfeil ragt plötzlich aus seinem Panzer.
Ich wende mich zu Quro um.
Zeige ihm den Daumen hoch. Gut gemacht.
Sehe dabei, wie Speermann beginnt, an Quros Säulen hochzuklettern. Milchgesicht macht Gaunerleiter.
Quro schießt Speermann von oben ins Bein.
Speermann klettert einfach weiter.
Auf der anderen Seite Ramir.
Vor seinem Busch. Der Buschkrieger.
Links der Falchionmann. Rechts der doppelklingige Pseudoelb.
Ramir schlägt dem Falchionmann den Fuß weg. Ein sauberer, schräger Schnitt quer durchs Bein.
Gleitet einfach seitlich weg. Das Bein schiebt sich bis zu seiner Hüfte nach oben. Fällt dann einfach um.
Der Falchionmann kippt einbeinig auf Wattepanzer, der erloschen in seiner Blutlache liegt.
Aus dem Beinstumpf pulst roter Saft.
Plätschert rhythmisch in Wattepanzers Blutlache. Füllt sie weiter auf.
Während der Falchionmann sich auf Wattepanzer wälzt, greift der Pseudoelb Ramir an.
Tänzelt um ihn herum. Führt Scheinangriffe mit den zwei langen Messern.
Trifft Ramir.
Ramir schlägt beide Klingen mit dem Falchion zur Seite.
Schauplatzwechsel zurück zu Bullwai.
Neben mir ist Bullwai. Beschäftigt mit den Neuankömmlingen.
Will die Kriegsaxt in den Typ mit der Wildschweinweste treiben.
Wildschweinweste pariert mit dem Bidenhänder.
Schwingt einmal herum und lässt die Waffe auf Bullwai niedersausen.
Das Schwert gleitet an Bullwais Schild ab nach unten. Kürzt paar Grashalme am Boden.
Gleichzeitig versucht Hängeauge einen schnellen seitlichen Schwinger. Drischt das Schwert vehement ins Leere.
Hängeauge guckt frustriert. Schlägt in gleicher Weise nach mir. Die Klinge kommt mir nicht mal nahe.
Ich sage, Hängeauge sollte sich vielleicht einen anderen Spezialtrick aussuchen.
Kartoffelgesicht schlägt ebenfalls an mir vorbei.
Ich sage, so ein sinnloses Rumgefuchtel.
Ich denke, das ist doch Scheiße. Das ist doch alles viel zu stressig hier.
Seit wie vielen Runden versucht zum Beispiel dieser Scheiß Kurzschwerttyp da mich umzubringen.
Und ich ihn.
Was soll denn das. Was machen wir hier eigentlich.
Mir wird bewusst, dass ich ja eigentlich Magier bin.
Hatte ich gerade gar nicht dran gedacht.
Olse hat mir paar zeichenmagische Tricks gezeigt, die ich noch nie in freier Wildbahn ausprobiert habe.
Ich sage, he. Zu dem Kurzschwert.
He Kurzschwerttyp. Guck mal.
Der Kurzschwerttyp schaut mich verwirrt an.
Ich kann durch seine Augen direkt in sein Gehirn schauen.
Ich sehe das funkelnde Wirken der Synapsen unter seiner Schädeldecke.
In den Tiefen seines Kopfes beobachte ich, wie sich in seinem Geist schillernde Stromstöße zu Gedanken formen.
Er denkt, he. Was will der Arsch da von mir.
Ich sage, he Kurzschwerttyp. Guck mal.
Ich zeige ihm die Rune der Angst. Halte sie direkt vor sein Gesicht.
Der Kurzschwertmann guckt auf die Rune. Reißt die Augen auf. Das reine Grauen zeichnet sich auf seinem Gesicht ab. Schlägt sich die Hände vors Gesicht. Versucht zu schreien. Kann aber nicht, weil das Entsetzen seine Kehle zuschnürt.
Zuckt hilflos. Windet sich.
Dann löst sich der Klos in seinem Hals.
Aus seinem Mund explodiert ein grauenhafter Schrei. Jagt in die frühen Morgenstunden hinaus. Der blanke Schrecken fegt über die Lichtung, durch die zerborstenen Gemäuer der alten Ruinen, über schiefliegende Treppenstufen und entlang der schrägen Säulen, gleitet empor in die Wipfel der Bäume und entfaltet sich wie ein Zeltdacht unter dem morgendlichen Himmelszelt.
Dann lässt er das Kurzschwert fallen und rennt schreiend in den Wald.
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Auf dem Weg nach Hohlheim.
Der Karren mit den Kindern und der Matrone rumpelt über den ausgefahrenen Weg. Lutz zieht tapfer.
Handon unterhält sich mit Arren.
Am Wegrand lungern vier Leute.
Jetzt schlägt es dreizehn, kreischt eine Frauenstimme. Jetzt schlitz ich dich auf, du scheiß Ermittler.
Arren zieht den Dolch.
Misella, sagt Handon. Misella mit drei Mann.
Sie hat mein Schwert, sagt Arren. Ich erkenne es genau.
Sie kommen näher.
Die vier Wegelagerer warten mit gezogenen Waffen vor einem kleinen Gebüsch mit einer jungen Birke daneben. Zwei Mann treten auf den Weg hinaus. Vor den Karren.
Erwarten sie.
Handon manipuliert.
Misella, Misella. Schau an. Das passt ja mal wieder zu dir. Die perfekte Paarung aus Übermut und Dummheit.
Nimmt einfach Arren, die Hand und den Stellvertreter des gefürchteten Rostbruders Olse als Sklaven, um ihn zum nächsten Rostbruder zu schicken.
Wie dumm muss man sein.
Ich an deiner Stelle würde auf jeden Fall sofort in deine Feste zurückkehren und die Sache bereinigen. Du willst doch Undar nochmal unter die Augen treten können, oder.
Misella reißt die Augen auf. Stützt sich gegen den Stamm der Birke atmet schwer.
Sie ist komplett gebrochen. Ihr Lebenswerk verwirkt.
Sie zittert am ganzen Leib. Schreit. Schlägt mit dem Schwert paar Mal durchs hohe Gras.
Tötet sie, schreit sie. Tötet sie.
Erbärmlich.
Dann dreht sie sich um und rennt. Rennt. Einfach weg. In die Wildnis.
He, sagt Arren. Das ist mein Schwert.
Die drei anderen Männer schauen feindselig auf den Boden. Weichen langsam aus. Lassen Handon, Arren und die Kinder mit der Matrone vorbei.
Sollen wir die denn leben lassen, sagt die Matrone.
Ohne Anführer werden sie sich schnell zerstreuen, sagt Arren.
Sie passieren die Männer. Die stehen mit gezogenen Schwertern rechts und links des Weges.
Wirken unschlüssig, was sie nun tun sollen.
Der Wagen rollt zwischen ihnen hindurch.
Lässt sie hinter sich.
Die Kinder beobachten die Männern vom Wagen aus.
Wie sie hinter ihnen langsam immer kleiner werden.
Nach der nächsten Wegbiegung sind sie nicht mehr zu sehen.
~
Die Sache mit dem Angstzauber gefällt mir. Einfach. Praktisch. Effektiv. Keine Nebenwirkungen.
Ich nehme mir Kartoffelgesicht vor. Führe den Angstzauber nochmal durch.
Halte ihm die Rune hin. Rufe ihn beim Namen.
Eh. Kartoffelgesicht. Guck mal her.
Kartoffelgesicht beginnt zu schreien. Reißt sich den Helm vom Kopf. Rauft die Haare.
Sackt auf die Knie und kriecht wimmernd und sabbernd in Richtung Wald davon.
Ganz wunderbar.
Gefällt mir ganz ausgezeichnet.
Als nächstes werde ich einen Lähmungszauber ausprobieren.
Während ich mich an meinen Experimenten erfreue, greift Bullwai den Typen mit der Wildschweinweste an.
Der pariert. Lenkt Bullwais Axt mit seinem Bidenhänder in den Boden.
Statt Bullwai zu attackieren, geht Wildschweinweste dann aber auf mich los.
Dumpf schnurrt die Klinge des Bidenhänders über meinen Kopf.
Den zweiten Schlag gegen mich führt Hängeauge. Der Mann mit diesen Augen bis an die Backe.
Aber Bullwais Schild ist plötzlich zwischen uns.
Klonk.
Hängeauges Schwert prallt einfach zurück.
Ich nutze die Gunst des Augenblicks.
Eh. Hängeauge. Guck mal.
Hängeauge bringt erst noch sein zurückschnalzendes Schwert unter Kontrolle. Guckt dann, was ich von ihm will.
Schaut direkt auf die Rune der Lähmung.
Lässt das Schwert fallen.
Erstarrt umgehend in NSC-Grundstellung.
Starrt sinnlos stumpf ins Nichts.
Ein Speichelfaden trieft aus seinem Mund.
Während mein Gegner eine Runde aussetzt, schaue ich mich kurz auf dem Schlachtfeld um.
Der Kampf um Quros Säulenknäuel geht erbarmungslos weiter.
Der Speermann klettert die Säulen hinauf. Ist fast bei Quro angekommen.
Quro schießt ihm einen Pfeil direkt in den Leib. Der Pfeil tritt hinten wieder aus.
Der Speermann klettert einfach weiter.
Quro lässt seinen zweiten Pfeil von der Sehne.
Dieser Pfeil nagelt das Ohrläppchen des Speermannes gegen seinen Kopf.
Aber nicht nur das eine Ohrläppchen. Sondern gleich beide.
Also quer durch Speermanns Kopf.
Speermann lässt los.
Fällt rücklings auf einen dicken Wurzelstock am Fuße des Säulenknäuels.
Mit lautem Kracks bricht sein Rückgrat.
Schade. Ein verdammt guter Speerwerfer ist von uns gegangen. Ein trauriger Tag für die verbotenen Lande.
Derweil ist Milchgesicht ebenfalls fast zu Quro hinaufgeklettert.
Hält sich mit links an den Kanneluren einer Korinthischen Säule fest. Schlägt mit rechts nach Quro. Blitzende Klinge. Stochert zwischen Quros Füßen rum.
Einer von Quros Pfeilen dringt ihm vorne in die Brust ein.
Bleibt auf der Innenseite des Schulterblatts hängen.
Milchgesicht lässt umgehend los. Springt auf den Boden. Rennt Richtung Wald.
Quro schießt dem Fliehenden einen zweiten Pfeil hinterher.
Trifft ihn in den Rücken.
Milchgesicht rennt weiter.
Weicht all den zerstückelten und ausgeweideten Typen und Schweinehunden aus, die überall auf dem Boden rumliegen.
Pfützen aus Blut machen das Gelände zu einer rutschigen Angelegenheit.
Zwischen ihnen robbt Kartoffelgesicht auf allen Vieren in Richtung Waldrand.
Ramir ist noch beschäftigt.
Der Möchtegern-Elb mit den zwei langen Messern.
Ramir bietet einen wuchtigen Schlag mit dem Falchion auf.
Der Gegner macht einen Schritt zurück. Das Falchion zischt vor seinem Bauch vorbei.
Ramir nimmt den Schwung mit, wendet das Falchion. Springt beim Schlag einen Schritt auf den Lederclown zu.
Zweimesser-Möchtegern-Elb pariert den Hieb mit unerhörter Geschicklichkeit.
Greift seinerseits Ramir an.
Der pariert und drückt sich mit seinem ganzen Gewicht in seinen Gegner hinein.
Den Dolch in der Faust.
Die Klinge. Durchdringt den Brustkorb.
Gleitet direkt durch Pseudoelbs Herz.
Pseudoelb hängt noch paar Wimpernschläge zuckend in Ramirs Armen.
Dann sacken seine Knie weg.
Ramir wendet sich um und stößt ihn auf den Haufen toter Männer in der immer größer werdenden Blutpfütze.
Was mich betrifft.
Hängeauge steht immer noch in Error-Position vor mir.
Blinzelt. Schüttelt den Kopf.
Zieht blitzschnell seinen Dolch und greift wieder an.
Meine Analyse der Situation.
Der Lähmungszauber taugt nicht für Gefechtssituationen. Zwar steht der Gegner eine Runde lang dumm rum. Kann mich nicht mehr angreifen.
Dafür kann ich auch ihn nicht mehr angreifen. Weil meine Aktionen verbraucht sind.
Lose-lose-Situation also.
Ich sage, eh, Hängeauge. Guck noch mal.
Hängeauge guckt sich die zweite Rune an.
Diesmal Angstrune.
Dreht sich schreiend um. Rennt weg. In den Wald.
Neben mir Bullwai.
Bullwai hat immer noch mit Wildschweinweste zu tun.
Wildschweinwestes Brustbehaarung mittlerweile blutverschmiert.
Bullwai schlägt ihm eine üble Kerbe in den Schenkel.
Wildschweinweste versucht zu fliehen. Tritt auf.
Mit einem Knall reißen Muskelstränge. Hatten sowieso kaum noch Verbindung zueinander.
Bullwai rammt ihm von hinten den Rand seines Schildes in die Kniekehle.
Abermals bricht irgendwas im Inneren des Beins.
Wildschweinweste stürzt zu Boden.
Schreit.
Versucht, wegzukriechen.
Bullwai lässt abermals die Kante des Schildes auf den Mann runter krachen.
Knochen brechen.
Der Mann schreit weiter.
Bullwai setzt zum nächsten Schlag an.
Ich sage, du kannst aufhören, Bullwai. Der stirbt jetzt von alleine weiter.
Bullwai guckt mich erstaunt an.
So, als wacht er gerade auf.
Ich betrachte das Schlachtfeld.
Die Leichen. Der blutgetränkte Boden. Körperteile. Waffen. Innereien. Überall verstreut in ungewohnter Anordnung.
Kartoffelgesicht ist verschwunden.
Ein Mann, der mir bis jetzt nicht aufgefallen war, rennt Richtung Wald.
Quro schießt einen Pfeil hinterher.
Trifft.
Der Mann strauchelt kurz.
Rennt weiter.
So eine Scheiße, sagt Quro.
Springt von seinem Säulenknäuel. Rennt hinter dem armen Schwein her. Greift sich im Vorbeirennen das Falchion des Falchiontypen, das da noch rumliegt. Holt damit aus. Den Mann zu Köpfen.
Das Falchion schwingt am Kopf des rennenden Mannes vorbei. Säbelt aber nur das Ohr ab. Das fliegt in hohem Bogen vom Kopf weg in ein Gebüsch.
Der Mann schreit kurz auf. Rennt weiter. Hand am blutenden Kopf. Verschwindet im Wald.
Scheiße, sagt Quro. So eine Scheiße.
Quro, sage ich. Ich bitte dich. Was war das denn.
Quro wendet sich ab. Geht weg. Schmeißt das Falchion zornig auf den Boden.
~
Die Schlacht ist vorbei.
Der Boden bedeckt mit blutenden Kadavern und Kadaverteilen. Männer. Tiere. Innereien.
Zwei, drei Mann schreien noch bisschen auf dem Boden rum.
Wird aber nicht mehr lange dauern.
Wir lassen sie schreien.
Ramir kommt angerannt.
Völlig angepisst. Fuchtelt mit den Armen.
Was war das denn, sagt Ramir. Was war das denn für eine Scheiße.
Dieser scheiß Mantikor. Der hat uns völlig verarscht. So was von verarscht. Wenn ich den Drecksack erwische.
Hörst du, du Scheißkerl. Da drin im Wald, schreit Ramir. Ja, genau du. Du hast mich schon ganz richtig verstanden.
Hier, du Drecksack. Nimm dies.
Ramir reißt seinen Kurzbogen hoch. Legt einen Pfeil auf die Sehne.
Wir sagen alle, keine Ahnung, ob das jetzt so eine gute Idee ist.
Ramir zieht den Bogen aus.
Der Pfeil schraubt sich in den Himmel.
Senkt sich in den Wald hinab.
Verschwindet zwischen den Bäumen.
Wir lauschen.
Halten den Atem an.
Dann hören wir es ganz leise.
Tschlorp.
Der Pfeil ist definitiv in etwas weiches eingeschlagen.
Wir schauen uns unbehaglich an.
Ein sehr tiefes Grollen rollt aus dem Waldesinneren über die Ruinen auf uns zu.
Das ist nicht gut.
Dann hören wir Aufschläge von Pfoten auf dem Waldboden.
Etwas sehr Großes bricht durchs Unterholz.
Das Buschwerk teilt sich
Der Mantikor springt raus.
In seiner Schulter steckt ein Pfeil.
Der Mantikor ragt vor uns auf.
Hinter ihm zuckt der mit Giftstacheln bewehrte Schwanz.
In seinem gewaltigen Maul schimmern tausende kleiner, weißer Dreiecke.
Der Mantikor mustert uns einen nach dem anderen.
Dann schnappt er plötzlich zu.
Ramir.
Er packt ihn mit dem Maul an der Seite. Reißt ihn in die Höhe. Schüttelt ihn mehrmals durch.
Wirft ihn zu Boden.
Ramir schlägt dumpf auf.
Bleibt stark blutend liegen.
Dann mustert der Mantikor uns wieder einen nach dem anderen.
Grollt.
Euer Problem, soweit das euch betrifft, ist das folgende. Geht nicht in den Wald.
Wir nicken.
OK.
Verstanden.
Offenkundig ist das ein Deal. Er wird uns wohl erst mal nicht töten.
Aber wir sollten gehen.
Der Mantikor grollt noch einmal.
Wendet. Verschwindet mit zwei langen Sätzen in der Dunkelheit zwischen den Bäumen.
~
Quro, Bullwai und ich stehen rund um Ramirs sterbende Hülle.
Er atmet schwer.
Schweiß auf seiner Stirn.
Blut rinnt aus der offenen Wunde an seiner Seite.
Ein tiefer Krater aus Fleisch.
Sein Licht glimmt mit jeder Minute, die verstreicht, schwächer.
Wir geben ihm noch maximal 5 Stunden.
Und was sollen wir jetzt machen, sagt Bullwai.
Quro sagt, wir sollten auf jeden Fall erst mal die Gegner plündern.
Wir finden alle, das ist eine gute Idee.
~
Ich meine, Ramir ist halt auch echt so ein Arschloch.
Manchmal frag mich wirklich, was in dem seinem Kopf vorgeht.
Der ist jetzt halt einfach auch mal selbst Schuld an dem Scheiß.



