Die Sonne quält sich trostlos über einen beschissenen Horizont. Mein Fuß ist immer noch weg. Handon keucht hinter mir an der Felswand. Blutüberströmt. Ramir sitzt im Schneidersitz.
Er wirkt trotzdem überhaupt nicht entspannt.
Ich humple zu Horst. Ich finde ein paar Pflanzenkrümel in der Tasche. Ich reibe sie in seine Wunde. Vielleicht hilft es ja irgendwie.
Wieder mal von der Schippe gesprungen, sage ich. Aber es holt mich immer ein. Egal, wohin ich fliehe, weißt du.
Horst schnaubt.
Ich sage, Recht hast du, mein edles Ross. Ich bin ein Todesmagier. Es gibt kein Entkommen. Der Tod ist edel und gut. Aber ich kann rennen, wie ich will. Der Tod läuft stets schneller.
Horst wendet den Kopf. Er guckt mich an.
Doch. Sogar schneller als du, du Idiot, sage ich.
Horst wendet den Kopf ab.
Fliehen hilft nicht. Man muss ihn umarmen. Klammergriff. Ich werde ihn gefangen nehmen und zu meinem Sklaven machen.
Horst schnaubt. Ich tätschle seinen Hals.
Keine Angst, Horst! Wir werden ihm nicht mehr erlauben, uns zu beherrschen. Du und ich, wir zwei werden ihn beherrschen. Und wir werden ihn zwingen, Leben zu gebären. Ich glaube, ich habe da ein paar Puzzleteile richtig zusammen gesetzt.
~
Eh, sagt Handon.
Da kommt wer.
Ramir federt schneller in die Höhe, als er die Augen aufschlagen kann.
Er sagt, das ist Quro.
Eine Gestalt läuft über die Ebene.
Sie kommt auf uns zu.
Schließlich erkennen wir sie.
Es ist Quro.
Quro kommt. Er sagt, wir haben nicht viel Zeit. Wir kriegen Besuch. Wir müssen uns beeilen. Da will noch jemand anderes den Schatz.
Die Ochsenschädel sind auf dem Weg hierher. Sie wollen in die Höhle. Sie brauchen höchstens noch einen halben Tag. Wir müssen jetzt gehen.
Wir brechen auf. Zur Höhle.
Ich bitte Handon auf dem Weg um einen Fuß von den Harpyien. Er fängt erst an, zu feilschen. Dann rückt er ihn aber umsonst raus.
Ramir sagt, er erinnert sich plötzlich an was. Das auf dem Wappen über der Höhle muss ein Ochsenschädel oder sowas gewesen sein.
Wer weiß. Wir werden sehen.
~
Wir kommen zu der Höhle mit dem Baum. Wir suchen uns eine Erhebung mit einem Felsblock als Deckung. Rund hundert Schritt vom Höhleneingang entfernt. Von hier können wir die Ebene und die Höhle überblicken.
Handon holt eine große Plane aus seinem Wanderrucksack. Er beschmiert sie mit Dreck. Ramir spannt sie vom Felsblock bis auf die Erde. Von vorne sieht sie aus wie ein Erdhügel. Wir können dahinter in Deckung gehen. Sogar die Pferde und der Karren. Durch eine Lücke zwischen Fels und Plane beobachten wir die Ebene.
Wir besprechen uns. Dann schlafen wir. Quro hält Wache.
~
Als wir wach sind, sehen wir drei Gestalten. Sie nähern sich über die Ebene. Eine trägt eine große Hellebarde. Zwei je eine große Doppelaxt. Sie bewegen sich auf uns zu. Die Gestalt mit der Hellebarde zeigt in unsere Richtung. Es sind wirklich Ochsenschädel. Minotauren.
Ich werde kurz ohnmächtig. Das edle Gewand, das Ramir mir um den Fuß gebunden hat, suppt durch. Ich verliere Blut. Aber ich komme gleich wieder zu mir.
Ramir und Handon sagen, da ist noch eine Gestalt auf der Ebene. Ein kleines Männlein. So groß wie ein kleines Kind. Läuft vor der Höhle am Wasser rum. Rappelt am Käfig mit der Gestalt drin.
Es sieht die Bullenschädel. Es winkt ihnen. Es geht auf sie zu.
Einer von den Bullenschädel ruft. Die Hellebarde senkt sich. Sie gehen auf das Männlein zu.
Das Männlein gestikuliert. Ramir sagt, es sieht aus, als überlegen die Bullenschädel, ob sie es erschlagen.
Ramir sagt, das Männchen legt den Finger auf die Lippen. Die Bullenschädel sollten besser leise sein.
Ramir sagt, die Bullenschädel schauen sich um. Sie ducken sich. Packen die Waffen fester. Sie gehen vorsichtig. Sie verschwinden in die Höhle. Das Männlein bleibt draußen vor dem Eingang.
Wir hören Fauchen. Gebrüll. Entsetzliche Schreie.
Der kleine Warg kommt aus der Höhle. Ihm fehlt ein Bein. Eine Blutspur sprudelt aus dem Stumpf. Seine Seite aufgeschlitzt. Er fällt in den Tümpel. Zuckt.
Das Männlein steht neben dem Eingang. Die Hände hinterm Rücken. Es schaut dem Warg beim Zucken zu.
Einer der Minotauren kommt aus der Höhle. Seine Rippen liegen frei. Er strauchelt. Stürzt seitlich gegen die Felswand. Blut breitet sich unter ihm aus.
In der Höhle weiter Schreie. Muh. Warggebrüll.
Der Warg kommt aus der Höhle. In seinem Maul ein Minotaurus. Der hackt mit der Axt auf den Kopf des Wargs ein.
Der Warg lässt den Minotaurus fallen. Der klatscht auf die Erde. Federt kurz nach. Bleibt seitlich liegen. Rührt sich nicht mehr.
Der große Warg läuft zu seiner Welpe, die im Tümpel liegt. Er stupst sie mit der Nase.
~
Handon rechnet mit den Fingern vor.
Drei Bullenschädel rein in die Höhle.
Zwei Bullenschädel wieder raus.
Zwei Warge raus.
Wo ist der dritte Bullenschädel.
Handon zwingt Ramir eine Wette auf. Ramir muss Wetten, dass Bullenschädel Nummer drei noch lebt. Obwohl Ramir das eigentlich gar nicht glaubt.
~
Der kleine Warg ist wohl tot. So groß wie Lutz aber tot. Der große stupst ihn mit der Schnauze. Leckt sein Fell. Aber der kleine bewegt sich nicht. Den Kopf unter Wasser.
Der große Warg ist auch übel zugerichtet. Von unserem Gefecht gestern Abend. Von den Bullenschädeln jetzt.
Das Männlein steht vor der Höhle und kratzt sich am Sack.
Es geht zu dem Ochsenmenschen, der an der Felswand sitzt.
Ramir sagt, es sieht aus, als würde es ihm etwas erzählen.
Das Männlein ist nicht stark gepanzert. Maximal Lederrüstung. Quro tippt auf Goblin. Keine nennenswerten Waffen. Keine Angst vor den Wargen. Kümmert sich aber auch nicht um sie.
Das Männlein spricht den Bullenschädel an der Wand an. Der versucht, den Kopf wegzudrehen.
Handon sagt, Quro soll den Goblin ausschalten.
Quro schießt einen Pfeil.
Der Pfeil fliegt.
Quro sieht die Flugbahn. Er nickt und kümmert sich dann um etwas anderes.
Der Pfeil trifft. Der Goblin kippt tot nach hinten.
~
Wir sagen, was machen wir jetzt.
Wir sagen, wir werden den großen Warg mit Pfeilen beschießen. Bevor er rausfindet, woher die kommen, ist er schon tot.
Quro schießt einen Pfeil und geht wieder in Deckung.
Der Pfeil schlägt ins Fell ein. Der Warg zuckt. Hebt den Kopf. Schnuppert in unsere Richtung.
Handon guckt durchs Guckloch. Ist nicht ganz sicher, ob der Warg noch in unsere Richtung guckt oder nicht.
Er sagt, egal. Schieß nochmal.
Quro steht auf. Schießt. Der Pfeil schlägt seitlich zwischen Hals und Schulter ein. Vermutlich Schlagader. Der Warg springt wütend herum. Dann springt er zaghafter herum. Dann fällt er ins Wasser. Neben sein Junges.
Beide Warge liegen reglos im Wasser. Ringförmige Wellen breiten sich aus.
Quro ist verzweifelt. Sein Bogen fühlt sich plötzlich ausgeleiert an. Er sagt, irgendwas ist beim Schuss kaputt gegangen.
Quro schießt noch einmal auf das Männchen. Zur Sicherheit. Die Beine zucken kurz beim Einschlag des Pfeils. Sonst nichts.
Ramir springt auf. Er rennt sofort zur Höhle rüber.
Handon schaut sich noch einmal um. Dann schleicht er hinterher.
Quro sichert den Eingang von der Plane aus.
Ich bleibe bei Quro und beobachte das Gelände hinter seinem Rücken.
~
Ramir kommt zwei Runden vor Handon an der Höhle an.
Ramir sieht, wie der Brustkorb des Goblins aufbricht. Etwas kriecht raus. Viele Füße. Wie ein Insekt. Eklig. Schwarz. Spinnenartig. Krabbelt in die Höhle.
Ramir begutachtet die Warge und die Minotauren.
Der kleine Warg mit dem Kopf unter Wasser. Der große reglos daneben. Stinkt erbärmlich.
Hinter Ramir atmet jemand.
Ramir dreht sich um. Erinnerungen an den gestrigen Abend. Flaue Knie.
Der Minotaurus, an der Wand sitzend, öffnet die Augen.
Ramir sagt, warte. Ich werde dir helfen. Er packt sein Falchion.
Der Ochsenschädel keucht. Er sagt, pass auf. Es ist in der Höhle.
Ramir holt mit dem Falchion aus.
Handon kommt und sagt, halt. Noch nicht. Was ist mit dem dritten von euch passiert.
Der Minotaurus sagt. Chosch. Er zeigt auf den Warg im Tümpel.
Er sagt, aus dem Goblin kam was raus. Spinnenbeine aus dem Mund. Es wollte zu mir. Aber dann ist der Goblin plötzlich umgekippt.
Er blubbert Blut und stirbt.
Ramir lässt das Falchion sinken. Er muss ihm nicht mehr helfen.
In der Höhle poltern Steine.
Auf dem Goblinkörper bilden sich braune Flecken. Blasen. Breiten sich aus.
Handon entzündet die Fackel. Er testet sie am Goblin. Es stinkt normal. Nichts ungewöhnliches.
Handon hält die Fackel an den Kadaver im Käfig. Stinkt auch normal. Er sticht mit dem Schwert rein. Da dampft irgendwas raus. Keine Ahnung, was.
Dann schneidet Handon umgehend das Ohr des großen Wargs ab. Auge um Auge. Ohr um Ohr, sagt er.
Er winkt Quro und mich zu sich herunter.
~
Während Quro und ich noch warten, nehme ich ein Stück alte Wurst aus der Tasche. Ich wende einen Giftzauber an. Die Zeltplane flattert. Die Wurst zischt, als ich einen Speichelfaden darauf runterlasse. Dann dieses Schimmern, das ich von früher kenne. Am Ende halte ich ein Gift mit Stärke fünf in der Hand.
Quro schaut mich komisch an. Er dreht sich weg. Er nuschelt, ich hätte keinen Respekt vor dem Leben. Ich sage, wieso. Du bist doch Jäger. Töten als Beruf. Und das hier ist nur ein Stück Wurst.
~
Ramir schleicht vor den Höhleneingang. Er geht direkt davor in die Knie. Im Schatten. Äußerst vorsichtig. Trotzdem halt genau vor dem Eingang.
Er sieht einen Schatten in der Höhle. Der Schatten in der Höhle sieht ihn.
Ramir wird sich ärgern, weil sein Hinterhältiger Angriff mal wieder nicht funktioniert hat.
Etwas großes erhebt sich. Nackenwirbel knacken in der Dunkelheit. Eine tiefe Stimme spricht.
Wir können verhandeln, sagt die Stimme. Wir müssen nicht alle sterben.
Es ist der dritte Bullenschädel.
~
Ich humple hinter Quro her. Höllische Schmerzen im Bein. Ich kann kaum laufen.
Quro bewegt sich vor mir. Die optimale Schussposition finden. Klar, er kann ja auch im Laufen schießen.
Ich werfe ihm die Wurst zu. Hier. Nimm das. Für die Pfeilspitze. 1A-Gift.
Ich bleibe kurz stehen. Ich schnaufe durch.
Quro schmiert die Wurst auf seinen Pfeil.
~
Ramir hechtet seitlich vom Höhleneingang weg. Gleichzeitig katapultiert sich der Bullenschädel aus dem Eingang heraus.
Der Minotaurus gleitet der Länge nach an Ramir und Handon vorbei. Der sieht durch ein klaffendes Loch den blanken Oberschenkelknochen.
Gleichzeitig schießt Quro. Der Pfeil schlägt ein. Der vorüberfliegende Bullenschädel schreit auf. Dann donnern seine Hufe in den Sand.
Um den Pfeil herum zischt es. Lila Nebel blubbert aus der Wunde. 1A Wurstgift.
Handon zielt und sticht sein Falchion in den Rücken des Minotaurus. Der Falchion dringt zwischen den Rippen ein. Der Bauch wackelt. Etwas darin versucht, sich zur Seite zu drehen. Man sieht auf der Innenseite Klauen über die Bauchmuskulatur kratzen.
Der Bullenschädel dreht sich zu Handon um.
Er sieht irgendwie leer aus. Wie eine schwangere Kuh. Nur seltsam ausgehöhlt.
Er springt auf Handon los. Versucht, ihn mit den Hufen zu zerschmettern.
Zwölf W6 krachen in den Staub. Direkt neben Handon. Der Felsenbrocken neben ihm birst.
Die Bauchdecke des Ochsenschädels hängt halb geöffnet herunter. Darin bewegt sich etwas schwarzes. Haarig. Knotig. Es arbeitet sich weiter in den Körper hinein. Der Minotaurus hängt nicht mehr richtig als Ganzes zusammen.
Ramir sticht mit dem Falchion nach dem schwarzen Ding.
Der Ochsenschädel dreht sich schlabbernd weg. Ramir trifft zwar. Aber nicht richtig.
Schleim fließt aus dem Maul des Minotaurus. Braune Flecken bilden sich auf dem Kinn. Und auf der Brust. Blasen wölben sich unter dem Fell auf. Der Schleim scheint den Körper zu zersetzen.
Ramir zaudert, noch einmal anzugreifen. Dann sticht er trotzdem zu. Ein dumpfes Knirschen. Die Klinge von oben schräg zwischen die Rippen.
Der Körper dehnt sich. Es knackt. Das spinnenartige Wesen faltet sich aus der Körperhöhle des Minotauren. Es scheint dabei zu wachsen.
Zwischen den Mandibeln zuckt ein langer Dorn.
Die Knie des Minotaurus geben nach.
Das spinnenartige Wesen quillt vollends aus der Bauchhöhle heraus.
Es landet auf der Erde.
Quros Pfeil trifft. Einer der Beinansätzte platzt auf. Flüssigkeit spritzt heraus. Das Tier dreht sich. Sucht das nächstbeste Opfer für einen Angriff.
Handon schlägt ihm zwei Beine ab. Es knackt.
Hinter ihm kippt derweil der leere Minotaurus seitlich weg.
Das Wesen stößt aus verborgenen Drüsen einen feinen Nebel aus. Der hüllt Ramir und Handon ein.
Er sickert durch ihre Haut in die Blutbahn ein. Das Blut scheint sich zu verdicken. Langsamer zu fließen. Sie können nicht mehr klar denken. Ihnen wird kalt. Sie krümmen sich. Husten. Halten sich die Augen.
Dem Tier geht es auch nicht besser. In ihm steckt ein Pfeil. Der Leib aufgeplatzt. Beine fehlen. In seinem Inneren arbeitet Wurstgift.
Ramir wedelt wirr mit dem Falchion. Ich habe ein bisschen Angst um Handon.
Ramir erwischt ein Bein des Monsters. Das kreischt. Richtet sich zum Angriff auf. Klappt den ganzen Vorderleib nach vorne.
Ramir sticht zu. Dreht die Klinge.
Das Wesen bricht auseinander.
Zuckt. Vibriert. Versucht, noch einmal die Mandibeln ins Bein des Mintotaurus zu schlagen.
Hört auf, zu zucken.
Vibriert nur noch.
Dann Ruhe.
~
Ramir springt in den Tümpel. Dreckige Warg-Kadaver. Schmutziges Wasser. Blutschlieren. Ramir prustet.
Handon prüft das Wasser. Er zieht seinen Wasserschlauch. Reibt sich lieber mit Trinkwasser ab.
Beide verlieren sofort diesen glasigen Blick. Das Wasser lindert ihre Vergiftung augenblicklich. Nur ein paar rote Flecken auf der Haut bleiben zurück.
~
Ich erreiche endlich den Ort des Kampfes.
Vor uns grinst der Höhleneingang wie ein tödliches Maul in hinterhältiger Stille.
Ramir steigt aus dem Wasser. Rote Schlieren rinnen aus seinem Haar.
Quro bricht dem Tier die Mandibeln ab. Zweireihig gezähnt. Widerhaken. Darunter goldener Schimmer wie stumpfer Bernstein.
Wir machen alles ab, was geht. Das goldene Zeug in dem Tier. Hörner. Wargzähne. Ich werde einen der Zähne als Kettenanhänger behalten.
Ich sage, ob Handon eine Wünschelrute in seinem Rucksack hat. Hat er.
Ich gehe auf Magie erkennen. Das Wesen ist ein bisschen magisch. Vor allem aber aus der Höhle strömt starke Magie.
Ramir geht schonmal voraus in die Höhle. Dort sieht er Säcke mit Zeug. Einen gespaltenen Tisch. Blutbesudelt. Kaputte Stühle. Gliedmaßen. Hier hat jemand gelebt.
~
Handon und ich folgen Ramir.
Ramir und Handon kundschaften den Raum aus. Unterm Tisch. Unter Stühlen. Dielen. Dachbalken. Handon findet eine Bronzelaterne. Hinter einem Sack mit Plunder. Fuffzehn Kupfer wert. Außerdem Leuchtmittel drin.
Hinten ein Torbogen. Schwarze Holztür. Balken. Beschläge. Zwei Eisenringe. Geht wohl nach innen auf. Ist aber ein Schloss dran.
Über der Tür das Wappen eines Adelsgeschlechts. Inschriften. Ein Relief. Nackter Mann. Nackte Frau. Finger verhakelt. Ein Ring drum. Baron Nolwîn von Fallenda zur Ruhe gebettet.
Ich spüre Magie hinter der Tür. Recht starke sogar. Mein Herz beginnt zu klopfen.
~
Quro bleibt draußen.
Er schlägt die Überreste des Wesens in ein Tuch. Ist wohl hochgiftig. Er hat Glück, dass ihm keine Soße über die Finger läuft. Könnte das als Wolf aber wahrscheinlich auch gut ab.
Quro sichert den Eingang der Höhle.
Krähen am strahlend blau polierten Himmel.
Die Därme der toten Tiere arbeiten in der Hitze.
~
Handon untersucht die schwarze Tür. Einer der Eisenringe lässt sich bewegen. Der andere nicht. Die Tür ist verschlossen. Aber Handon kniffelt sie auf. Es klackt. Handon tritt zur Seite. Schiebt die Tür mit dem Falchion auf. Sie schwingt überraschend leicht nach innen.
Dahinter geht es ein paar Stufen runter.
Der Raum ist edel gearbeitet. Reliefs. Marmorfliesen. Säulen.
In der Mitte ein gewaltiger Sarkophag.
Auf dem Boden daneben eine eisenbeschlagene Eichenkiste. Gesichert mit einem überdimensionierten Vorhängeschloss.
Der Schatz, sagt Ramir und rennt nach draußen.
Auf dem Sarkophag liegen zwei Gestalten. Fantastische Steinmetzkunst. Mann. Frau. Er Edelmann, weise Gesichtszüge. Sie Edeldame, wunderschöne Gestalt. Die Hände der beiden innig verschlungen. Genau wie draußen über der Tür. Nur besser gemacht und diesmal bekleidet.
Neben ihnen ein echter Blumenstrauß. Verwelkt. Höchsten fünf, sechs Jahre alt.
An den verschlungenen Fingern der beiden zwei Ringe aus rotem Kupfer. Auf jedem Ring ein weißer Stein, der aussieht, wie ein Herz. Solche, wie man sie aus der Schlachterei kennt. Von den Herzen winzige, verzweigte Äderungen, die sich um die Ringe winden.
Die Magie in beiden Ringen ist sehr stark.
Der Mann ist älter als die Frau, sagt Handon.
Das stimmt. Aber nicht viel.
~
Ramir kommt wieder rein. Er hat eine Streitaxt geholt. Er schlägt auf das überdimensionierte Schloss an der Kiste ein. Es schlägt Funken. Es knirscht. Das Schloss bleibt völlig unbeeindruckt. Als stattdessen die ganze Eichenkiste birst, ergießt sich ein Strom aus Silberstücken auf den Fußboden.
Ramir greift zu. Eine Bärenfalle schnappt nach seiner Hand. Er zieht schnell genug zurück.
Ramir und Handon zählen das Silber. Einhundertundsiebzig Silberstücke. Macht zweiundvierzig für jeden von uns vier. Rest zwei.
~
Ramir und Handon veranstalten unfassbares Geschrei. Ich kann mich kaum auf die Ringe konzentrieren. Ich wirke mit Handons Wünschelrute einen Zauber auf Magie erkennen. Dann hebt sich der Schleier und die Ringe verraten mir ihr Geheimnis.
Ich erfahre die Geschichte des Mannes und der Frau.
Er ein großer Adliger und Krieger. Sie eine mächtige Hexe. Tverdra hieß sie. Er Graf oder Baron Nolwîn von Fallenda. Sie verlieben sich. Sie heiraten.
Sie liebt ihn sehr. Er zieht in den Krieg gegen die Erlenländer. Sie hat Angst um ihn. Also schmiedet sie diese magischen Ringe. Körperlicher Schaden wird zwischen beiden Trägern hälftig aufgeteilt. Beide erhalten nur den halben Schaden auf Stärke. Heilen muss natürlich trotzdem jeder allein. Wenn einer gebrochen wird, erhält er trotzdem einen kritischen Treffer.
Während der Schlacht wundert er sich, dass Verletzungen ihm weniger ausmachen. Als er siegreich nachhause kommt, ist sie tot.
So hat Tverdra ihre große Liebe mit ihrem eigenen Leben beschützt.
Dumm gelaufen.
Ich nehme die Ringe von ihren Fingern und stecke sie in meine Tasche.
~
Ramir sagt, ich hole schon mal den Wagen. Er verschwindet.
Handon untersucht den Raum. Wir versuchen den Sarkophagdeckel zu öffnen. Er ist zu schwer. Wir rufen Quro. Der kommt rein und hilft. Der Deckel knirscht und lässt sich mit aller Kraft zur Seite schieben.
Im Inneren sehen wir vertrocknete Blumen. Zwei Paar Knochenfüße. Überreste von Gewändern.
Der Baron trägt einen kleinen Stirnreif im Gegenwert von fünf Gold. Die Hexe trägt eine Kette. Auch fünf Gold. Handon steckt beide ein.
Wir schieben den Deckel natürlich wieder zu. Wir sind ehrbare Leute.
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Ramir kommt zurück. Wir durchsuchen nochmal den Vorraum. Wir können die Münzen leider nicht raustragen. Die Schatztruhe ist zerstört.
Handon nimmt sich ein Schafsfell. Das Kurzschwert des Goblins. Ich eine Schleuder. Aufgeplatzte Nahrungssäcke lassen wir liegen.
Wir tragen die Münzen im Schafsfell und in Sackfetzen raus. Der Schatz kommt zu den beiden unverkauften Streitäxten auf dem Karren. Dazu legen wie die beiden neu gefundenen Streitäxte der Minotauren. Außerdem die Hellebarde.
~
Dann schauen wir, dass wir hier weg kommen.
Wir legen ein gutes Stück weg zwischen uns und die Höhle.
Wir ruhen.
Ich halte Wache.

