Wie man reinkommt
Die beiden Wachmänner treten ans Tor.
Gute Ausrüstung. Schlechte Männer. Damals mit Mühe drei Kreuze unter die Beitrittserklärung gemalt.
Der eine schiebt den Torflügel zu. Der andere löst schon mal die Riemen, die den Balken an der Wand halten.
Der mächtige Flügel rollt langsam und quietschend um die Angel.
Der feuerrote Schein der Abendsonne. Verengt zu einem schmalen Strich im Schlamm des Burghofs.
He, sagt der andere. Er lässt die Schnalle los. Da kommt noch wer.
Der Wachmann am Torflügel. Blinzelt in die Abendsonne.
Dunkle Silhouette nähert sich.
Karren.
Esel.
Mann.
Breite Schultern. Bestes Mannesalter. Helm. Buckler am Arm. Falchion.
Kettenrüstung am ganzen Körper.
Haaaalt, brüllt der Wachmann. Stehen bleiben.
Der Mann bleibt stehen. Esel und Karren auch.
Name. Begehr. Schnell. Wir machen gerade zu.
Handon, sagt Handon. Händler. Feinste Waren. Handel treiben. Unterkunft für die Nacht.
Der Wachmann kratzt sich am Kopf.
Und was jetzt, sagt er zu dem anderen. Kratullos hat gesagt, wir dürfen niemanden mehr rauslassen. Von reinlassen hat er nichts gesagt, oder?
Keine Ahnung, sagt der andere. Bist du bescheuert oder was.
Sie fangen an, zu diskutieren.
Der eine sagt, wir fragen lieber den Kratullos, was der von uns will, was wir jetzt machen sollen. Damit wir nix Falsches machen in der Situation.
Der andere sagt, das ist doch Scheiße, hier. Ich lass mich doch nicht schon wieder vom Kratullos anscheißen, nur wegen doofe Fragen und so.
Ausgangssperre. Eingangssperre. Interessiert doch eh keine Sau, was das wieder alles sein soll.
Der Befehl war eindeutig. Tor zumachen. Also machen wir Tor zu und Schnauze.
Na gut, sagt der eine und nickt Handon zu. Also dann. Tschüss, Fremder.
Er schiebt das Tor weiter zu.
Handon räuspert sich.
Ihr wisst schon, dass es sich hierbei um die Schließung eines Tatortes handelt, richtig? Es ist sehr wichtig, da äußerst behutsam und bedacht vorzugehen. Darf nichts verunreinigt werden. Spuren verwischen und so.
Die beiden Wachleute gucken Handon an.
Handon breitet die Arme aus. Ich war übrigens selbst jahrelang Stadtgardist. Hatte sogar eine Zeit lang die Leitung der Stadtwache.
Und ich sag euch eins. Das Beste, was eurem Kratullos passieren kann, ist, dass da mal wer von außen draufschaut. Objektiv. Nüchterner Blick.
Ich bin Handon. Händler. Und Fachmann für spezielle Untersuchungen.
Kratullos würde euch killen, wenn er erfährt, dass ihr diese einmalige Chance verkackt habt.
Hm. Der eine Wachman guckt den anderen Wachmann an. Krault sich am Kinn.
Keine Ahnung. Vielleicht kann man den Typ ja doch irgendwie brauchen.
Oh Güte. Meinetwegen. Wenn´s denn unbedingt sein muss.
Der andere rennt in die Festung. Aber wenn Kratullos mich wieder anscheißt, dann bist du diesmal richtig dran, Fremder.
Der Abendhimmel hinter Handon bietet ein atemberaubendes Farbenspiel. Die kalten Schatten der Hügel fressen die letzten Lichtstrahlen von der Ebene. Aus den Wiesen erhebt sich kalter Nebel und robbt zielstrebig auf die Burg zu.
Im Tor klappert es rhythmisch. Der andere Wachmann kommt wieder angerannt. Bleibt keuchend stehen.
Alles klar, sagt er. Dann komm halt rein, du Arsch. Aber mach kein Scheiß. Ich kenn nämlich dein Gesicht.
Handon gibt dem Esel einen freundlichen Klapps und tritt in den Torweg. Über ihm und zu seinen Seiten faulen angenagelte Hände. Fliege sirren unangenehm.
Kratullos erwartet dich übrigens in der Erlenheimtaverne, ruft der Wachmann hinter ihm.
Handon hebt die Hand zum Dank.
Was´n Wichser. Jemand hinter Handon rotzt ins Gras.
Der Durchgang weicht einem weiten Innenhof. Gebäude im Schatten. Die Schwärze der Nacht drängt sich in die Gassen und Winkel dazwischen.
Ganz oben, über ihm, eine verfallene Burg. Gleißend im strahlenden Purpurrot der Abendsonne.
Darunter, im bereits dunklen Hof sieht Handon Männer mit Fackeln. Wolfsmenschen hier und da. Gruppen stehen beieinander. Diskutieren.
Wie man sich vorstellt
Handon fragt sich zur Erlenheimtaverne durch.
Vor dem Eingang drei Wachmänner.
Um deinen Wagen kümmern wir uns, Fremder.
Muss das sein.
Problem damit, oder was.
Handon betritt den Schankraum.

Wenig los drin.
Der Wirt putzt lustlos paar Gläser.
Am Tresen ein riesiger Ork. Schwert auf dem Rücken.
Ein breitschultriger Mann an einem Tisch in der Mitte des Raumes. Uniform. Ein Krug Wasser vor ihm auf der Tischplatte. Wirkt müde.
An einem Tisch in der Ecke des Schankraums Bullwai, Ramir und ich, Ufil. Vor uns Brett mit Brot.
Wurst.
Handon schaut uns betont beiläufig an.
Ich verziehe unauffällig das Gesicht. Deute mit der flachen Hand an die Kehle. Haben hier gerade nicht das beste Standing. Verstehste.
Handon versteht. Tut, als kennt er uns nicht.
Handon wendet sich an den Mann in der Mitte des Raumes.
Kratullos, nehme ich an.
In der Tat, sagt Kratullos.
Charn am Tresen richtet sich auf. Legt sein Besteck weg. Schwerthand frei machen, und so.
Handon nimmt sein Falchion vom Gurt. Legt es seitlich neben den Tisch. Nickt Charn zu.
Handon, sagt er.
Er setzt sich.
Leider können wir heute Abend kein Bier anbieten, sagt Kratullos. Ausgangssperre. Drei Tote. Ich höre, Ihr seid ein erfahrener Ermittler.
Das ist wohl so, sagt Handon. Schon als junger Bursche musste ich in meinem Heimatdorf einen Mord aufklären. Zuletzt besuchte ich Turm Olse. Im Auftrag von Olse, dem Rostbruder habe ich dort eine ganze Serie von Morden aufgeklärt.
Im Augenblick nur zufällig hier. Auf Durchreise. Wollte eigentlich etwas Handel treiben. Drei Morde sagt Ihr?
Ja, sagt Kratullos. Unser Braumeister. Dann so ein Zwerg, der erst seit kurzem hier ist. Und leider auch unser Ferrale.
Wie tragisch, sagt Handon, ich werde mich auf jeden Fall drum kümmern.
Allerdings, um ehrlich zu sein, natürlich nicht nur aus reiner Menschenliebe.
Hab ich mir schon gedacht, sagt Kratullos. Zwei Silber und freie Unterkunft sollten aber in Ordnung sein.
Handon nickt.
Die beiden sprechen ziemlich laut. Wir verstehen jedes Wort.
Kratullos strafft sich.
Die Lage ist also die. Unser Rostbruder stirbt. Wir befinden uns im unmittelbaren Blickfeld des Feilschers. Wir müssen also einen Schuldigen präsentieren.
Der Feilscher, sagt Handon.
Sehr mächtiger Rostbruder, sagt Kratullos. Sechs Tagesreisen von hier. Macht Deals mit Rost persönlich, sagt man, und andere solche Sachen.
Verstehe, sagt Handon.
Kratullos scheint nicht die hellste Fackel unterm Skalp zu sein. Hat aber die wesentlichen Zusammenhänge klar.
Handon erfährt nach und nach in Grundzügen, worum es geht.
Wie man die Lage klärt
Der Hinterausgang öffnet sich. Die Somaja-Schwestern treten ein.
Wie immer umwerfend elegant. Hoch geschlitzte Kleider. Zum Ohnmächtig werden begehrenswert.
Sie gleiten an die Bar.
Marhinwiner stellt was zu trinken hin. Wohl Wasser.
Sie taxieren uns. Nehmen das Wasser. Nippen. Wiegen sich auf den Barhockern.
Handon betrachtet die drei Damen auch.
Sie heben die Gläser. Zwinkern ihm zu.
Handon geht auf Menschenkenntnis.
Runzelt die Stirn.
Bisschen muskulös, die Damen, denkt er. Schultern bisschen breit. Hüften bisschen Schmal. Trizeps bisschen ausgeprägt.
Handon nickt anerkennend. Sehr, sehr hübsche Örkinnen, denkt er. Wer hätte gedacht, dass es sowas gibt.
Er wendet sich wieder Kratullos zu.
Die Örkinnen wirken einen Wimpernschlag lang irritiert. Dann prosten und zwinkern sie wieder Ramir zu.
Oh nein. Nicht schon wieder, sagt Ramir. Besser schnell hochgehen jetzt.
Und aufpassen, dass die Tanten nicht mit hoch kommen, sagt Bullwai. Nicht, dass sie unseren Elben oben gleich auffressen.
Der Weg zur Treppe führt an den Örkinnen vorbei. Weiche Hände streichen wie beiläufig über Ramirs nackten Oberarm. Der Retter der Elbenlande, haucht eine Stimme.
Ramir Blass. Schnürt mit schnellem Schritt zur Tür.
Dann sind wir weg.
Handon sammelt noch paar Informationen von Kratullos. Dann geht auch er.
Kommt auf dem Weg zu seinem Zimmer an unserer Tür vorbei. Hört uns sprechen. Lauscht. Versteht nur Gemurmel.
Geht in sein Zimmer.
~
Wir in unserem Zimmer. Reden.
Bullwai steht an der Tür. Lauscht raus.
Wir sagen, was sollen wir machen.
Die Diskussion bleibt hitzig. Bullwai passt auf, dass sie auch leise bleibt.
Ich stehe am Fenster.
Der Nebel schiebt sich Stufe um Stufe aufwärts. Höhenmeter um Höhenmeter. Plateau um Plateau.
Dazwischen Fackelpunkte im Nebel. Gruppen von zwei, drei Mann. Insgesamt vielleicht fünfzehn oder zwanzig. An strategisch wichtigen Punkten verteilt.
Wir diskutieren endlos. Wir finden keine Einigung. Es ist frustrierend.
Irgendwann sagt Ramir, wenn die Frettchen uns kriegen, dann stellt er sich halt und bekennt sich schuldig. Wir drei sind dann immer noch frei. Wir können ihn dann ja retten. Wenn wir alle zusammen im Gitterwagen sitzen, ist das viel schwerer, uns zu retten, sagt er.
Applaus für Ramir! So viele Edelmut hätte ihm niemand zugetraut. Er scheint doch noch einen Rest des Guten, Wahren und Schönen in sich zu tragen.
Aber gut, sagen wir. Er stellt sich, und wir gucken dann mal.
Draußen beginnen die Fackeln, sich zu bewegen. Gruppen von Wachleuten wechseln Positionen. Man sieht die Männer nicht. Die Fackeln verraten ihre Manöver. Man ahnt ihre Absichten.
Quro sagt, wir könnten hoch in die Höhlen gehen. Da sind wir sicher. Da geht ja sonst niemand hin.
Mir stellen sich die Haare auf. Mein Herz rast.
Das Flakon mit dem Blutnebelextrakt in meiner Tasche fühlt sich plötzlich quicklebendig an.
Alles klar, sage ich zu Quro. Wir nehmen die Höhle rechts. Wo der Blutnebel drin ist. Da wollte ich sowieso hin.
Ich lege Bullwai meine Hand auf den Helm.
Bullwai kommt auch mit.
Und Ramir macht eh alles mit, was dumm und gefährlich ist.
Ramir und Bullwai schauen mich merkwürdig an.
Ramir ist plötzlich auffällig schweigsam.
Keine Ahnung, was der wieder hat. Man wird echt nicht schlau aus Elben.
Schwere Schritte auf der Stiege. Wuchtiges Klopfen an der Zimmertür. Weitere Schritte. Hämmern gegen Handons Tür.
Raue Stimme. In fünfzehn Minuten treffen sich die Ermittler vor der Frettchenhalle. Fünfzehn Minuten. Aber pünktlich.
Handons Tür öffnet sich.
Handon tritt auf den Flur.
Vor ihm ein verblüffend kleiner Wolfsmensch. Duckt sich linkisch weg. Lauernde, hinterfotzige Augen.
Der Wolfsmensch faucht. Dabei hat man mir doch gesagt, ihr wärt eine Unterstützung. Er wittert missgünstig Richtung Handon.
Handon beugt sich zu ihm runter.
Der Wolfsmensch weicht einen halben Schritt zurück. Zieht die Lefzen hoch. Fiese Hauer dahinter.
Handon beugt sich noch etwas tiefer über den Wolfsmenschen.
Wohin sagst du, soll ich kommen. Handon spricht betont freundlich.
„Frettchenhalle!“, bellt der Wolfsmensch und springt zur Seite. Tut so, als wollte er sowieso noch mal an unsere Tür klopfen. Hämmert mit aller Wucht mehrmals dagegen. Fällt fast aus den Angeln.
Quro, du Sack. Du musst dich JETZT entscheiden, zu welchem Rudel du gehörst, verdammt.
Er knurrt. Rennt die Treppe runter.
Wir schauen uns an.
Quro sagt, Handon ist doch Spezialermittler. Braucht ja seine Spezialausrüstung. Vielleicht können wir euch ja in seinem Wagen unerkannt zum oberen Tor bringen.
Kann man drüber nachdenken. Vielleicht kann Quro das gleich mit Handon besprechen.
Wir hören Handons Tür. Sie klappt mehrmals auf und zu.
Quro nickt. Geht raus.
Auf der Treppe flüstert er Handon die wichtigsten Fakten zu. Wir haben wen umgebracht. Wir werden hoch zu den Minen fliehen. Wir könnten den Karren als Sichtschutz gebrauchen.
Aha, sagt Handon. Aber er hat den Karren gar nicht. Der ist wo untergestellt.
Quro betritt zuerst den Schankraum.
Handon kommt kurz darauf. Man kennt sich ja nicht.
Sie verlassen das Gasthaus nacheinander. Als Fremde. Draußen Kälte. Nebel. Oben über der Burg klarer Sternenhimmel. Über ihnen wölbt sich die Milchstraße.
Wie man Gruppen bildet
Vor der Frettchenhalle paar Gestalten.
Misella. Frettumar. Kratullos. Drei Wolfmenschen. Drei von Kratullos´ Männern. Undar.
Undar trägt langes, zwar fettiges, aber geschnittenes Haar. Sein Gesicht schlau, aber offen.
Da seid ihr ja endlich, sagt Undar. Wir bilden drei Gruppen zu vier Leuten. Falls ihr es hinkriegt, euch selbst einzuteilen. Danach Lagebesprechung.
Der Kleine Wolfsmensch drängt sich an Quro ran. Ich geh mit dem da.
Quro einen Schritt zurück. Das macht aber nicht viel Sinn, sagt er.
Handon sagt, das denke ich auch. Jedes Team braucht eine Nase. Ich schlage vor, ein Wolfsmensch pro Team.
Quro sagt, oha, der Klugscheißer denkt. Lass uns zwei doch einfach zusammen gehen.
Handon nickt.
Ich komm mit, sagt Misella. Ein Auge auf euch haben. Sie pfeift ein Knochenfrettchen zu sich. Du auch. Aber zackzack!
Ja, Boss. Der Mann tritt dazu.
Handon räuspert sich. Ich denke, nicht, dass das so gut ist. Ich bräuchte jemanden, der hier bisschen was zu sagen hat. Nichts für ungut, aber ich würde lieber mit Undar gehen. Unterwegs meine analytischen Fähigkeiten mit den seinen, sowie mit seinem Wissen verknüpfen.
Undar ist raus. Er koordiniert den Einsatz.
Nun denn. Handon lächelt Misella an. Dann eben willkommen im Team.
Misellas kalte Haifischaugen starren Handon an. Handon denkt, verhärmtes Gesicht. Bloß nicht unterschätzen.
Kratullos, sagt Undar. Kratullos und sein Team geht in die Erlenheimtaverne. Ihr befragt die Gäste.
Misella und die beiden Fremden zur Rostkirche. Tatort untersuchen. Aber ordentlich bitte.
Und ihr. Letzte Gruppe. Ihr untersucht nochmal das Brauhaus.
In einer halben Stunde wieder hier. Lagebesprechung. Dann werden wir die Einsatzorte rotieren.
Noch Fragen.
Handon tritt vor. Ich bin erst vor paar Stunden angekommen. Mir fehlen noch Informationen. Vielleicht könnte mich noch mal jemand ins Bild setzen, bevor wir starten.
Das kriegen wir wohl unterwegs hin. Misella nickt Handon, ihr zu folgen. Los geht´s.
Wie man versucht, rauszufinden, was eigentlich los ist
Währenddessen sitzen Ramir, Bullwai und ich im Gasthaus. Auf unserem Zimmer. Am Fenster.
Wir beobachten, wie sich draußen die Gruppen aufteilen und ausschwärmen.
Bis auf den Wirt und den Ork ist die Gaststube leer.
Unsere Handlungsmöglichkeiten sind zum Verzweifeln gering. Wir wissen praktisch gar nichts. Nicht, was draußen geschieht. Nicht, inwiefern wir bereits verdächtig sind oder nicht. Nicht, welches Timing sinnvoll wäre. Auch nicht, wie die Gruppen eingeteilt sind.
Wenn wir bleiben, werden wir durch die Nasen der Wolfsmenschen überführt.
Wenn wir gehen, haben wir die Ausgangssperre gebrochen und machen uns verdächtig.
Der erste Trupp, der uns aufsucht, wird Alarm schlagen. Die Festung wird unsere Falle sein.
Bullwai sagt, wir zünden das Gasthaus an. Das stiftet Verwirrung.
Scheißidee. Wäre praktisch ein Schuldeingeständnis.
Der richtige Zeitpunkt zu fliehen. Schwieriges Problem.
Wir einigen uns. Wir passen die erste Gruppe ab, in der irgendein Wolfsmensch ist. Der wird unsere Witterung aufnehmen. Danach versuchen wir sofort, im Schutz des Nebels den Weg nach oben zu den Höhlen zu erreichen.
Aus dem Fenster beobachten wir, dass eine der Gruppen von der Frettchenhalle aus die Rostkirche ansteuert.
Wir wissen nicht, dass diese Gruppe aus Quro, Handon und Misella besteht.
Sie passieren die rostige Eisenfassade. Die beiden massiven Eisenplatten. Recken sich in die Höhe. Der feine Schlitz dazwischen. Die Statuen von Rost und Häma. Ketten. Fesseln. Für die Opferung.
Handon sieht am Boden Reste von Leichenteilen rumliegen.
Sie gehen um die Ecke.
In der Dunkelheit erkennt Handon eine Person im Gras. Schmächtiger, dürrer Mann. Auf einem stockdürren Hals ein ehemals wohl überraschend großer Schädel. Jetzt seitlich eingedrückt.
Um den dürren Körper Kutte. Kette. Rostbruder.
Handon betrachtet die Gestalt.
Er wurde nicht an dieser Stelle getötet. Man hat ihn her gebracht und abgelegt, sagt er.
Misella geht in die Knie. Betrachtet den eingestülpten Schädel.
Tüchtig zermatscht, sagt sie. Sieht nach stumpfem Gegenstand aus.
Handon geht ebenfalls in die Hocke. Zieht den Dolch. Nutzt ihn als Instrument. Hautteile anheben. Blut und Haare zur Seite kratzen. Lose Knochenfragmente ablösen für bessere Sicht auf tiefer liegende Gewebeteile.
Er steht auf. Sieht sich im Gras um.
Fragen Sie sich denn gar nicht, warum er er ausgerechnet hier liegt, sagt er. Wo genau wurde er erschlagen. Können wir irgendwo Blutspritzer erkennen.
Misella sagt, der Wolfsmensch soll halt mal schnuppern. Sie pfeift Quro. Los. Worauf wartest du. An die Arbeit. Sie nickt in die Umgebung.
Quro reagiert betont entspannt. Ignoriert Misella. Sucht keine Spuren in der Umgebung. Beschnuppert stattdessen den Leichnam. Umkreist ihn. Geht manchmal auf alle Viere.
Handon etwas weiter entfernt. Sieht, wo der Mann erschlagen wurde. Ziemlich nah vor der Kirche. Sieht die Spuren, wo der Körper aufgeschlagen ist. Rundum zertretenes Gras. Viel zu viel zertretenes Gras.
Handon schweigt. Weiß noch zu wenig. Kennt die Richtung nicht. Will Quro den Vortritt lassen. Sich dann seiner Meinung anschließen.
Misella ruft Handon zu sich.
Hier. Der Schlag muss wirklich kräftig gewesen sein. Der Schädel. Richtig tief eingedrückt. Fehlt nicht viel, und die Tatwaffe hätte den Schädel vollständig durchschlagen. Sowas kann nur ein wirklich sehr, sehr starker Mann.
Quro wieselt auf allen Vieren um den Leichnam herum, als suche er Spuren.
Soso, sagt Handon. Groß und stark. Aha. Na gut. Aber wie kommt Ihr auf einen Mann. Könnte ja wohl auch eine große und starke Frau gewesen sein. Meint ihr nicht auch.
Er ignoriert Misellas irritierten Blick.
Was Ihr Euch aber sicherlich auch fragt, sagt er. Warum liegt die Person ausgerechnet hier. Ich zweifle absolut nicht daran, dass Ihr das auch schon bemerkt habt. Oder. Er wurde ganz offensichtlich nicht hier getötet.
Der Winkel, in dem der Schlag ausgeführt wurde. Die Art und Weise, wie der Schädel zertrümmert ist. All das lässt nur einen Rückschluss zu. Fundstelle und Tatort sind nicht identisch.
Ich rieche Blut, sagt Quro.
Handon unterbricht seine Rede. Wendet sich zu Quro um.
Blut, sagt er.
Ja. Blut, sagt Quro. Aber auch viele andere Spuren.
Er schnüffelt über den Boden. Rund um den Leichnam.
Einige Spuren sehr klar. Andere weniger eindeutig.
Hier sind definitiv mehrere Personen entlanggelaufen.
Lässt sich leider nicht genau sagen, wer und wann.
Teilweise sind es unsere eigenen Spuren. Andere könnten aber auch schon paar Tage alt sein.
Misella fixiert Quro mit hochgezogenen Augenbrauen. Als wolle sie Handon und Quro mit Haut und Haaren die Klippe hinab stoßen.
Schüttelt den Kopf.
Wenn ich mich also frage, werter Herr… Handon, welches Wesen soll denn so viel Kraft haben. Wer, wenn nicht ein sehr großer und sehr starker Mann. Dann denke ich, dann müsste es doch eine dermaßen große und massive Waffe gewesen sein. Aber wer soll die dann führen. Wenn nicht ein großer und starker Mann. Das ist doch ganz klar.
Handon nimmt seine Standardklugscheißerpose ein.
Ich denke, liebe Frau Gisela, diese Waffe muss in erster Linie eine besondere Eigenschaft gehabt haben. Wenn ich mir die Verletzung noch einmal gründlich anschaue, komme ich nämlich zu der Überzeugung, dass die Tatwaffe vor Allem sehr hart gewesen sein muss. Nur auf diese Weise konnte sich die kinetische Energie derart gegen das organische Gewebe durchsetzen und die zu beobachtende Schädelfraktur und -deformation bewirken.
Oder seht Ihr das anders.
Nehmen wir beispielsweise einmal an, die Tatwaffe wäre ein Hammer gewesen. Damit erreicht auch eine Person, die lediglich über eine durchschnittliche Physis verfügt, schon einiges an Durchschlagskraft.
Sehen Sie das denn nicht genauso, Frau Gisela.
Mit Sicherheit können wir allerdings festhalten, dass der Gegenstand nicht scharfkantig gewesen sein kann, unser hypothetischer Hammer mithin eine eher abgerundete Form aufgewiesen haben muss. Man erkennt dies trotz des eher bedauernswert schlechten Zustands des Gewebes am völligen Fehlen jedweder Schnitt- beziehungsweise Quetschkanten oder auch der bei Schlägen mit kantigen Objekten häufig zu beobachtenden Längsperforation der obersten Hautschichten.
Noch viel schwerer als das allerdings wiegt, werte Frau Gisela, und da bin ich mir völlig sicher, dass Ihnen das bereits lange vor mir aufgefallen ist, noch viel schwerer als das also wiegt das auffällig vollständige Fehlen eines entscheidenden Aspekts, ich möchte fast sagen, das vollständige Fehlen jenes einen, spezifischen Charakteristikums. Und welches ist das wohl.
Handon schnalzt und zeigt mit beiden Zeigefingern auf Misella.
Die schaut ihn aus finsteren Haifischaugen an. Der Haifisch macht den Eindruck, zunehmend hungrig auf Arschlöcher zu sein.
Handon entfaltet sein volles Talent in Manipulation.
Nun Frau Gisela. Er lächelt dem Haifisch direkt in die toten Augen. Was. Also. Fehlt?
Jetzt sagt es doch einfach, röchelt Misella gebrochen.
Handon breitet lächelnd die Arme aus.
Es fehlen die Reste von spezifischen Spur, die welche …
Er strahlt sie voll Erwartung an.
Wir sind hier fertig, keucht Misella. Wir gehen.
Handon tut überrascht. Na sowas. Wollt Ihr schon gehen. Also ich für meinen Teil neige im Allgemeinen ja eher dazu, meine Arbeit gründlich zu machen. Und ich denke, hier gilt es schon noch einiges herauszufinden.
Wir sind fertig. Wir gehen. Ihr könnt Fürst Undar ja selbst nachher Bericht erstatten.
Es wird mir eine Ehre sein, Fürst Undar Bericht zu erstatten.
Dann sind Handon und Quro allein.
Endlich allein, sagt Handon.
Die drei anderen wollen in die Höhlen fliehen, sagt Quro.
Wir haben noch Zeit bis zur Lagebesprechung. Vielleicht können wir hier solang bisschen Spuren verwischen. Danach vielleicht in die Brauerei und paar Gerüche überdecken.
Weiß nicht, sagt Handon. Keine Ahnung, wo Undar überall seine Augen hat.
Quro zuckt die Schultern. Wir sollten doch rotieren. Rotieren wir halt schon mal vor. Nur mal bisschen gucken.
Gut, sagt Handon. Aber du guckst. Ich stricke so lange paar Geschichten. Die können wir dann streuen.
Was hältst du zum Beispiel von der, dass das die drei Orkdamen waren.
Quro fletscht die Zähne. Negativ. In der Brauerei gibt es keinen Orkgeruch.
Na schön, sagt Handon. Dann nicht die Orkdamen. Aber die Frettchen wollen einen Schuldigen. Und zwar keinen von ihnen. Wenn es also jemand von der Garnison wäre, könnte sie das sogar in eine bessere Position bringen. Ich sehe da ein gemeinsames Interessen mit uns.
Die Gisela wär total begeistert, wenn der Täter ein Mensch ist. Noch dazu ein großer. Stark. Im Kampf geübt. Kann Spuren verwischen.
Jemand, der sich überall unauffällig bewegen kann.
Gut. Sagt Quro. Dann brauchen wir halt Spuren aus der Garnison. Wir besorgen die und legen sie in der Brauerei aus.
Handon schüttelt entrüstet den Kopf.
Und diese Versager, die vor uns da waren, haben solch eine wichtige Spur einfach übersehen. Ich versteh sowas wirklich nicht.
Wie man seine Waffen putzt
Ramir, Bullwai und ich warten auf die erste Truppe.
Es klopft an der Tür.
Wenn Sie jetzt bitte runter in den Schankraum kommen. Kratullos erwartet Sie.
Wir runter.
Die Tische sind an den Rand geräumt.
In der Mitte eine große Fläche. Darauf paar zusammengeschobene Tische.
Daran sitzt Kratullos. Und ein Wachmann.
Undar dahinter an die Wand gelehnt.
Paar Wachmänner stehen rum.
Charn sitzt an einem anderen Tisch. Sein Schwert liegt vor ihm.
Kratullos sagt, bitte setzt euch.
Der Schein trügt. Die Freundlichkeit ist geheuchelt.
Wer wir sind. Was wir hier wollen. Warum wir hier sind.
Ich sage, wir sind Abenteurer aus Fronfurt. Zufällig vorbei gekommen. Waren die ganze Nacht im Zimmer. Er kann ja den Wirt fragen. Wir waren nicht mal unten.
Was für Waffen wir haben.
Ramir hat einen Dolch dabei.
Bullwai hat seine Axt.
Ich habe alles auf dem Zimmer.
Die Wachleute untersuchen Ramirs Dolch. Mit dem hat er vorletzte Nacht Yawims Kehle aufgeschlitzt. Untersuchung dauert recht lange. Hoffentlich hat Ramir gut geputzt.
Schließlich hebt einer den Kopf.
Ist sauber.
Dann untersuchen sie Bullwais Axt. Sofort pfeift der erste durch die Zähne.
Blut. Haare. Klebt alles drauf, was das Herz begehrt.
Menschliches Blut, sagt Kratullos.
Negativ. Sieht eher nach Tier aus. Borsten. Das Blut ist noch nicht sehr alt.
Jemand ein Problem damit, sagt Bullwai. Ich habe einen Tag vor unserer Ankunft einen Schweinehund getötet.
Einen Schweinehund sagt Undar. Stößt sich von der Wand ab.
Richtig. Schweinehund. Flussaufwärts. Zwei Schweinehunde ein Kind angefallen. Dem Kind das Leben gerettet. Musste sein.
Nette Story, sagt Undar. Du bleibst vorerst hier. Deine Waffe sowieso.
Und der Krüppel da. Wo hast du deine Waffe versteckt.
Er fixiert mich.
Oben auf dem Zimmer. Hab jetzt nicht damit gerechnet, dass ich bewaffnet zur Befragung kommen soll.
Ein Wachmann kommt mit hoch. Wir holen Sturmhauch. Und meinen Kampfstab.
Der Wachmann klappt in unserem Zimmer die Truhen auf. Schlägt Matratzen hoch. Findet Ramirs Falchion.
Die Waffen werden im Schankraum untersucht. Sind sauber.
Trotzdem müssen sie unten bleiben.
Wie Rotation funktioniert
Quro und Handon beobachten den Nebel, der von den Klippen runterfließt.
Sie marschieren auf die Hopfenstangen zu. Sehen drei Wolfsgestalten und einen von Kratullos´ Männern.
Einer der Wölfe sagt, he. Was wollt ihr denn hier?
Quro zuckt die Schultern. Rotierendes System, sagt er. Problem damit, oder was.
Der Wolf sagt, rotierendes System! Bring die scheiß Ordnung nicht durcheinander. Das mag der Undar nicht.
Er mustert Quro und Handon misstrauisch.
Halt wenigstens die Schnauze, bis wir hier fertig sind, sagt er.
Ich hoffe doch, hier herrscht wenigstens professionelle Tatortdisziplin, sagt Handon.
Vorsichtig, Mann. Der Wolf rückt gefährlich nah an Handon heran. Wir sind immer vorsichtig. Hörste.
Gut, sagt Handon. Bisher habe ich hier nämlich noch nicht so richtige Profis gesehen.
Der Wolf knurrt Handon ins Gesicht. Sein Atem riecht fischig.
Auf dem Rückweg kommt ihnen Undar entgegen.
Was macht ihr denn noch hier, sagt Undar. Misella ist schon längst zurück bei der Frettchenhalle.
Handon weist zu Hamidas´ Fundort rüber. Hab ihn noch bisschen genauer untersucht. Ich bin da ja eher der gründliche Typ.
Dann werde ich euch mal besser begleiten, sagt Undar.
Sag mal Wolfsmensch, woher kommst du eigentlich.
Ach, schon lange unterwegs.
Und in den letzten Tagen. Irgendetwas besonderes passiert. Irgendwas erlebt.
Quro zupft eine Hopfenrispe von einer der Pflanzen am Wegesrand. Kickt sie weit über den Acker.
Ach. Weißt du. Jeder Tag ist etwas Besonderes. Jedes Ding, das uns im Leben widerfährt, ist etwas Einzigartiges. Oder wollt Ihr auf etwas Spezielles hinaus.
Bewaffnete Auseinandersetzungen oder so. Sowas in der Art.
Ach ja, sagt Quro, als erinnert er sich plötzlich. Gestern in der Früh. Eine Tagesreise von hier. Zwei Schweinehunde umgelegt. Wollten ein unschuldiges Kind zerreißen. War ne scheiß Nummer.
Schweinehunde, sagt Undar. Soso.
Von der Frettchenhalle ertönt ein Horn.
Sie kommen an. Undar geht rein. Setzt sich auf Misellas Stuhl am Kopfende.
Jede Gruppe möge einzeln eintreten und Bericht erstatten. Alle anderen Verlassen die Halle.
Umgehend.
Misella will was sagen.
Misella, sagt Undar. Jede Gruppe einzeln. Hast du mich nicht verstanden.
Der Haifisch schlappt tief gedemütigt aus der Halle.
Undar ruft die erste Gruppe rein.
Wie man sich nicht in einem Schankraum verhält
In der Erlenheimtaverne. Der Wirt. Der Ork. Ein Wachmann.
Marhinwiner wischt den Tresen.
Wisst ihr was. Scheiß Ausschanksperre. Ich schmeiß ne Runde Bier.
Stellt Charn paar Krüge hin.
Bullwai steht auf. Rüber zum Tresen. Greift nach den Krügen.
Marhinwiner schiebt sie näher zur Kante. Hier, Zwerg. Kommste besser ran.
Ein Krug fällt runter.
Pass doch auf, sagt Charn.
Nimmt den Lappen, der zufällig auf dem Hocker neben ihm liegt. Bückt sich. Beginnt zwischen Bullwais Füßen rumzuputzen.
Charn flüstert beim Putzen.
Sieht nicht gut aus. Sie brauchen halt paar Täter, die sie abliefern können. Und euch wird hier niemand vermissen.
Bullwai nickt. Verstehe. Nimmt die beiden anderen Krüge vom Tresen.
Bringt dem Wachmann einen Krug.
Hier. Nimm das.
Der greift danach. Bückt sich zu Bullwai runter.
Kurze Schulterdrehung des Zwergs. 3 W6 Bierkrug krachen durch die Kauleiste des Wachmanns und lösen 4 Schaden aus. Der Mann sackt zahnlos in sich zusammen und bleibt ausgeschaltet liegen.
Man hätte auch einfach bisschen Geld anbieten können. Marhinwiner wischt schulterzuckend den Tresen.
Charn rollt die Augen. Er zieht den Mann in die kleine Kammer hinter dem Tresen.
Mitspielen oder draufgehen, sagt Charn. Dann ein Klatschen und ein abgehackter Schrei.
Mitspielen oder draufgehen, hab ich gesagt, sagt Charn.
Noch ein Klatschen und ein Schrei.
Mitspielen oder …
Mitspielen! Mitspielen! Ja. Ja. Mitspielen! Aber bitte aufhören.
Gut, sagt Charn.
Er kommt zurück in den Schankraum.
Alles klar, dann. Er spielt mit.
Er wendet sich an uns.
Keine Ahnung, was ihr jetzt macht. Aber ihr solltet euch besser damit beeilen.
Wir schauen ihn mit offenem Mund an.
Ramir sagt, woher sollen wir das wissen, was wir machen. Vielleicht oben in den Gängen unter der Festung verstecken. Vielleicht hinter der Mühle zum Fluss abseilen.
Marhinwiner schüttelt den Kopf. Wenn ich mal was sagen darf. Ihr seid ja total bescheuert. Ich würde die Gänge da oben niemals betreten. Aber ihr müsst selbst wissen, was ihr macht.
Gut, sagt Ramir. Holen wir unser Zeug aus dem Zimmer.
Er rennt hoch. Ich hinterher.
Bullwai trinkt den Krug leer.
Er mustert Marhinwiner und Charn.
Sag mal, wieso helft ihr uns eigentlich.
Marhinwiner sortiert Krüge ins Regal hinter dem Tresen.
So sinnlose Gewalt ab und zu ist ja ganz nett. Aber auf Dauer. Und wenn die immer unsere Gäste umbringen.
Und ihr zahlt ja auch gut. Oder nicht.
Doch, sagt Bullwai. Klar doch. Ist doch klar.
Zehn Silber, weil ihr es seid, sagt Marhinwiner.
Ramir und ich kommen mit dem Gepäck runter.
Der scheiß Wachmann kostet uns 10 Silber, sagt Bullwai.
Ramir zahlt 15. Der Wirt und der Ork teilen es unter sich auf.
Gut, sagt Marhinwiner. Der Plan geht so. Wir überlegen uns was. Und ihr rennt. Guckt, dass ihr Vorsprung gewinnt.
Wie man Erkenntnisse kommuniziert
Derweil steht Misella pissig vor dem Eingang der Frettchenhalle rum.
Sie sieht Quro und Handon.
Wenn ihr da drin Mist erzählt, seid ihr tot.
Wir erzählen nie Mist, sagt Handon. Müssen wir auch gar nicht. Haben ja Beweise.
Der dunkle Vorhang wird zur Seite geschlagen. Kratullos kommt raus. Gefolgt von seiner Gruppe.
Düsterer Blick auf Handon.
Betet, dass Ihr seid Euer Geld wert seid, Mann.
Dann ab.
Misella schaut Handon scharf an. Sie geht vor Handon in die Halle.
Undar sitzt am großen Tisch. Vor sich Zettel mit Notizen. In Gruppen sortiert. Säuberlich geordnet. Hinter ihm paar Bewaffnete.
Jetzt fehlt mir nur noch euer Bericht, sagt er.
Handon tritt galant zur Seite. Frau Gisela, mögt Ihr vielleicht beginnen.
Misella tritt düster vor Undar, der in ihrem eigenen Stuhl vor ihr sitzt.
Sie erzählt, Hamidas wurde nicht dort getötet, wo man ihn gefunden hat. Woanders erschlagen. Großer schwerer Gegenstand wohl. Sehr schwer wahrscheinlich. Nicht leicht anzuheben.
Aber Handon hat ja immer eine ganz besondere Meinung. Kann ja gerne das eine oder andere aus seiner Sicht ergänzen.
Nun ja. Handon schlendert vor Undar. Atmet paar Mal tief durch. Lässt die Fingerknöchel einzeln knacken. Dehnt seine Nackenmuskulatur. Räuspert sich. Es ist ja nun mal so.
Bei jeder größeren oder großen Krafteinwirkung erkennt man an den entsprechenden Stellen Risspunkte oder nicht. In unserem Fall können wir deshalb festhalten: Es gab keine scharfkantige Schnittverletzung. Und das bei dieser immensen Wucht. Der Schlag hat ja einen enormen Schaden angerichtet.
Allerdings ist am Fundort auch kein Blut aufzufinden.
Mithilfe von Quro und … äh … meiner eigenen Schlussfolgerungen selbstredend, gelang es mir herauszufinden, WO die Tat tatsächlich begangen wurde.
Es handelt sich bei dem Gelände zwischen Rostkirche und Gasthaus ja um ein recht stark frequentiertes Gelände. Selbstverständlich überall Stiefelabdrücke.
Ich fragte mich: Warum wurde er also an einen anderen Platz deponiert, nachdem er getötet worden war. Wer kommt auf so eine Idee. Den Ort verändern. Die Fundposition manipulieren.
Eine einzelne Person hätte ihn ja nicht tragen können.
Misella springt vor. Verdammt. Er wurde von einer sehr starken Person erschlagen. Die hätte ihn locker tragen können. Er war ja nicht schwer.
Handon schlenkert seinen Nachdenklichkeits-Zeigefinger in der Luft.
Aber auch eine sehr starke Person, werte Gisela, hätte zumindest beim Aufnehmen oder beim Ablegen Schleifspuren hinterlassen.
Misella bohrt genervt mit ihrem Dolch unter den Fingernägeln rum.
Komm zum scheiß Punkt, Mann.
Der Punkt ist völlig klar, sagt Hadon. Es müssen zwei Personen gewesen sein. Andernfalls hätte es Schleifspuren gegeben. Und wir hätten sie gefunden.
Könnt ihr denn so gar nichts über den Winkel des Schlags sagen, sagt Undar
Er macht dabei so eine schräge Handbewegung mit der Handkante in der Luft.
Rechtshänder oder Linkshänder vielleicht. Das wäre schon mal was halbwegs Brauchbares.
Handon nickt außerordentlich reflektiert.
Das ist ein herausragend guter Punkt. Bei der Beschaffenheit der aktuell vorhandenen Überreste lassen sich natürlich nur bedingt präzise Deduktionen ableiten. Eines kann man aber sicher sagen.
Euer Ferrale hat dem Tod direkt ins Auge geblickt.
Der Schlag kam nämlich von vorne. Und zwar von rechts vorne.
Alles spricht dafür. Er wurde nicht heimlich ermordet. Vielmehr muss es sich beim Täter um jemanden handeln, den er sehr gut kannte.
Handon schaut Undar fest in die Augen und vollzieht den mutmaßlichen Schlag mit einem imaginären großen, schweren Hammer vor ihm in Zeitlupe in der Luft nach.
Misella atmet heftig aus.
Fürst Undar, sagt sie. Auf ein Wort. Ist es vielleicht möglich, für die nächste Runde einfach die Gruppen neu durchzumischen.
Undar mustert sie erstaunt.
Natürlich ist das möglich sagt er. Aber wozu.
Wir Rotation funktioniert (Teil 2)
Bullwai, Ramir und ich stehen mit dem Gepäck im Schankraum. Wir haben auch Quros Zeug dabei. Man weiß nie.
Ich sage Marhinwiner. Wenn Quro auftaucht. Dann sag ihm von uns. Wir nehmen den Weg unten rum.
Ihr nehmt den Weg untenrum. Kann ich ihm sagen, sagt Marhinwiner.
Charn reißt die Hintertür auf. Er nickt uns nach draußen.
Und wenn ihr gar nicht weiter wisst. Geht zu den Somaja Schwestern. Etwas Besseres als die Somaja-Schwestern findet ihr hier nicht.
Wir treten in den dunklen Nebel. Lichtinseln in unbestimmbarer Entfernung erzeugen dämmrige Lichtblasen.
Wir schleichen raus in die Nacht.
Wir müssen den patroullierenden Posten ausweichen, die überall rumstehen.
Leise sein.
Nicht erwischen lassen.
Unsere Flucht hat begonnen.
~
Nicht lange danach.
Quro und Handon rotieren rein in die Erlenheimtaverne. Zuvor hat Undar Misella aus der Gruppe rausrotiert und in eine andere Gruppe wieder reinrotiert.
Ah, Quro, sagt Charn.
Er weist fragend auf Handon.
Und was soll das mit dem da werden.
Der ist in Ordnung, sagt Quro.
Na gut. sagt Charn. Wie du meinst. Ich soll dir sagen, die sind den Weg untenrum gegangen.
Verstehe sagt Quro.
Und sie haben deine Sachen aus dem Zimmer mitgenommen.
Verstehe, sagt Quro.
Ist gerade bisschen schwierig hier, sagt Charn. Wir bräuchten da noch so zehn Silber oder so, damit die Lage nicht völlig eskaliert.
Handon lacht. Vielleicht sollten wir ja mal einen Blick in eure Taschen werfen. Ob da nicht doch noch bisschen mehr drin ist, als sowieso üblich.
Charn schaut zu Quro. Ich dachte, du sagst, der ist in Ordnung.
Handon grinst schräg. Was soll ich machen. Mein Geldbeutel ist halt leider gerade oben.
Sein Geldbeutel ist halt leider gerade oben, sagt Quro.
Wo ist das Problem, sagt Marhinwiner, ich kann ihn ja schnell für ihn holen gehen.
Quro nickt. Klar. Warum nicht. Gerne.
Marhinwiner verschwindet im Gästetrakt.
Gut, sagt Charn. Marhinwiner und ich klären das dann hier. Und ihr schaut, dass ihr weg kommt.
Jetzt noch kurz warten, bis er mit dem Geldbeutel wieder da ist. Dann ziehen wir das durch.
Die Tür öffnet sich.
Misella trümmert in die Gaststube.
Den Wachmann im Schlepptau.
Wo sind die Dreckskerle, sagt sie.
Charn fuchtelt aufgeregt mit den Armen. Oh mein Gott. Sie sind gerade eben abgehauen. Sie sind hinten raus. Durch diese Tür hier.
Handon reißt sein Falchion aus dem Gürtel und sprintet zur Hintertür raus.
Er schaut sich aufgeregt in der Dunkelheit um.
Nichts, sagt er. Sie sind wie vom Erdboden verschluckt.
Dann kommt er kopfschüttelnd zurück in die Gaststube. Absolut. Nichts.
Das gibt´s doch nicht, faucht Misella. Diese Drecksäcke.
Sie pfeift in ihre Frettchenpfeife.
Los. Verstärkung. Alle Frettchen zu Misella.
Wie man Dinge tut, die man nicht tun sollte
Bullwai hoppelt auf seinen kurzen Beinchen vor mir her.
Ich humple auf meinem Beinstumpf hinter ihm durch den Nebel.
Vor uns öffnet sich ein Weg. Wir sehen die Brauerei aus der Dunkelheit auftauchen.
Dahinter die Palisade.
Wir hechten um die Ecke des Gebäudes.
Die Palisade.
Über uns ragt der Ausleger des Krans wie ein dunkler Strich gegen den Nachhimmel. Wir schleichen in die Brauerei. Die Leiter, die ins Gebälk hinauf führt. Paar Sprossen knarren. Verdammt. Viel zu laut.
Die Luke nach draußen. Dann der Kran.
Wer geht eigentlich zuerst.
Wer wohl, sagt Bullwai. Traut sich ja sonst keiner.
Bullwai setzt sich auf den Holzbalken. Schiebt sich auf dem Hosenboden nach vorne. Bis zur Umlenkrolle.
Wir sehen nur noch seinen Schatten. Weit draußen. Im Wind. Über dem Abgrund jenseits der Palisade.
Allein im Oben.
Unnnkchrk. Er flucht auf Zwergisch. Vielleicht ist es auch ein Schmerzenslaut, als seine Rippen über die Kante der Holzbohle schrammen.
Er sackt einen halben Meter abwärts. Schwingt unter dem Balken hin und her. Schließlich hängt er senkrecht und ruhig.
Dann fällt er einfach aus unserem Blickfeld.
Er ist weg.
Ramir und ich gucken uns an.
Die Seilrolle klappert in der Dunkelheit.
Tapp tapp tapp. Genau drei kleine Zwergenschritte an der Felswand.
Sssss-sssst. Das Seil.
Tapp tapp tapp. Wieder genau drei Schritte.
Ssssss-ssssst
Und immer so weiter.
Immer leiser.
Schließlich klappern Steine. Weit unten platscht es paar mal.
Ein Käuzchen ruft vom Fluss herauf.
Exakt drei mal.
Mann, dieser Bullwai.
Ich sitze bereits am Vorderende de Balkens.
Unter mir eine Welt aus Nichts.
Der Wind pfeift eiskalt durch meine Kutte.
Ich bin Yfel, sage ich. Der größte Todesmagier aller Zeiten.
Eines nicht so fernen Tages, sage ich, da wird der Tod mein Sklave sein.
Yfel. Die Welt liegt dir zu Füßen. Du hast dich erhoben in höchste Höhen. Du hast vergessen, was das einst war – die Angst. Das Grauen vor dem Tode, den du selbst dir zum Knecht gemacht.
Oh Yvel, werden sie ausrufen voll Entzücken, Yfel, der du da in der Höhe, Yfel, der du …
Und dann weiß ich nichts mehr.
Nur, dass ich plötzlich neben Bullwai stehe.
Im Wasser.
Und meine Füße sind nass.
Über uns rauscht es. Ramir stürzt waghalsig über die Palisade in die Tiefe. Pendelt in einem weiten Schwung über den Fluss hinaus. Rast wieder auf die Felswand zu. Prallt wie ein Gummiball davon ab. Schwingt abermals in großem Bogen ins Nichts.
Dann setzt er elegant und sanft wie eine Feder auf. Auf einem großen Stein. Der direkt neben uns im Fluss liegt.
Ganz schön schwer, Quros Kram, sagt er.
Wie Rotation funktioniert (Teil 3)
Charn schreit rum. Er hält sich die Schulter. Verdammt, sagt er, die Scheißkerle haben mich verletzt.
Marhinwiner kommt zurück in die Gaststube. Steckt Handon im Vorübergehen die Geldbörse zu.
Da hab ich schon zehn raus, raunt er.
Und wenn´s Probleme gibt. Immer die Somaja-Schwestern fragen.
Was, ruft er plötzlich entsetzt aus. Man hat Charn verletzt. Was für eine Ungeheuerlichkeit. Charn. Geht es dir gut.
In der Festung macht die Nachricht schnell die Runde.
Die drei Neuankömmlinge. Charn und Mahinwiner bedroht. Einfach so. Aus dem Nichts. Charn schwer verletzt. Einen Wachmann mit einem Bierkrug halbtot geschlagen. Jetzt flüchtig.
Die Wolfsmenschen sammeln sich in der Erlenheimtaverne. Stehen im Halbkreis um Misella. Gucken, was die so macht.
Undar und Kratullos kommen mit paar Bewaffneten. Lassen sich informieren, was hier los ist.
Quro sieht, in den Köpfen der Anwesenden beginnen sich Puzzleteile zu bewegen. Schieben sich langsam zusammen. Eins klickt ins andere.
Quro muss sehr schnell verschwinden.
Charn und Marhinwiner machen derweil unglaublich Stress. Verbandskasten. Wüste Anschuldigungen gegen die Fremden, nein, gegen das Fremdsein an sich. Viel rumrennen. Die Anwesenden daran hindern, einen klaren Gedanken zu fassen. Möglichst viel Lärm.
Vor der Schenke ein Menschenauflauf. Neugierige.
Wir wollen auch sehen, was da los ist.
Handon sagt, wir sollten uns den Wachmann vielleicht mal angucken.
Charn kommt mit. Es geht auch schon wieder mit seiner Schulter. Zum Glück doch weniger schlimm als gedacht.
Setzen den Wachmann an den Tisch, an dem vorhin Kratullos saß.
Die ganze Meute steht drumrum
Zeig mal deine Zähne, Mann.
Ja. Grins mal bisschen.
Au Scheiße. Guckt euch das an.
Wie haben die denn das angstellt.
Seht ihr das Leute, könnt ihr das alle sehen. Das haben diese Schweine getan.
Tut das weh, wenn ich so bisschen dran wackle.
Oh Scheiße. Das scheint ihm wirklich richtig weh zu tun.
Was haben die Scheißkerle nur mit ihm gemacht.
Und das. Tut das weh, wenn ich das mache.
Seht ihr das, wie weh ihm das tut.
Diese verdammten Schweine.
Und tut das weh.
Wir brauchen sofort Verbandsmaterial. Du. Ja du. Hinter der Theke. Die grüne Kiste. Hopp, hopp.
Quro schleicht derweil zum Hintereingang raus. In den Nebel.
Hinter ihm im Schankraum lebhaftes Gejohle. Die Rotte ist mit dem Wachmann beschäftigt, der von Zeit zu Zeit schrille Schreie ausstößt, dann wieder in Verbandsmaterial gewickelt wird. Dann wieder schreit.
Fast erwartet Quro, dass Marhinwiner sein Büchlein zückt. Wetten annimmt.
Aber Quro hat keine Zeit. So lange es Handon und Charn gelingt, die Meute am Denken zu hindern, ist er sicher. Noch. Aber er muss sich beeilen.

„Verräter“, zischt eine Stimme hinter ihm.
Die Nackenhaare stellen sich auf.
Quro fährt herum.
Der kleine Wolfsmensch löst sich aus dem Schatten neben der Tür.
Dein Skalp an meinem Gürtel, sagt er.
Das Kurzschwert in der Hand.
Wilder Hass in den Augen.
Greift sofort an.
Quro pariert mit seinem Dolch.
Sticht zu.
Vorbei.
Der kleine Wolfsmensch weicht aus. Knurrt.
Springt vorwärts. Sticht zu.
Quro zieht den Arm nicht schnell genug zurück. Er spürt warmes Blut.
Der Kleine ist wendig. Stark. Fies.
Stößt zu.
Quro patzt schon wieder. Treffer.
Der Kleine holt aus. Knurrt.
Der Schwinger trifft Quros Rüstung. Dringt durch bis ins Fell.
Quro sieht Blutrausch in den Augen des Anderen.
Mit seinem scheiß Messerchen wird Quro gar nichts ausrichten.
Er wendet sich zur Flucht.
Rutscht im glitschigen Schlamm aus. Strauchelt.
Ein Schlag in den Rücken. Es knallt, als der Schulterriemen von Quros Rüstung zerspringt.
Quros Zehen greifen im Schlamm.
Er nutzt die volle Länge seiner Beine aus. Sprintet Richtung Brauerei.
Hat er den Kleinen abgehängt, oder was.
Hört schnelle, kurze Schritte hinter sich.
Die Brauerei.
Er zentrifugiert um die Ecke. Stößt sich von der Palisade ab. Hechtet ins Haus. Springt ans Gebälk. Zieht sich hoch. Drei, vier Sätze bis zur offenen Luke im Dach.
Hinter ihm kratzende Klauen im Gebälk.
Ein Blick rückwärts. Der Kleine zieht sich gerade an den Balken hoch.
Quro rennt über den Ausleger hinaus ins Nichts.
Hinter ihm Knurren.
Die Luke kracht auf.
Hab ich dich, du Drecksack, sagt die Stimme.
Quro springt ins Nichts.
Greift nach dem Seil.
Greift vorbei.
Seine Eingeweide werden schwerelos.
Der Abgrund nimmt ihn in sich auf.
Wie Rotation funktioniert (Teil 4)
Ganz schön schwer, Quros Kram, sagt Ramir.
Er tänzelt auf dem großen Stein im Wasser.
Bullwai tritt von einem Bein aufs andere. Das Wasser plätschert.
Ramir schaut hektisch nach oben.
Wir folgen seinem Blick.
Etwas fliegt hoch oben über die Palisade. Beschreibt einen weiten Bogen.
Es ist eine Person.
Sie schlägt auf einer abschüssigen Felsplatte auf. Prallt ab.
Stürzt, um die eigene Achse rotierend, weiter in die Tiefe.
Schlägt im Geröll unterhalb der Felswand auf. Überschlägt sich mehrfach. Rutscht zusammen mit Schutt und Gestein die schräge Geröllrampe hinab.
Das ist Quro, sagt Ramir.
Mit lautem Platschen stürzt Quro samt abrutschendem Geröll ins Wasser.
Wir laufen hin.
Quro liegt bewusstlos im Fluss. Das Gesicht im Wasser. Überall Blut. Das Bein komplett verdreht. Der Fuß zertrümmert. Jeder einzelne Zeh gebrochen. Zerquetscht.
Mit sowas stirbt der in W6 Tagen, sagt Bullwai.
Wir drehen ihn um. Ziehen ihn aus dem Wasser.
Rennen zum Boot, so schnell wir können. Hoffentlich ist es noch da, wo wir es versteckt haben.
Bullwai nimmt Quros Sachen.
Ramir und ich schleppen Quro über der Schulter ab.
In der Festung ertönt ein Horn.
Paralleluniversen
Jetzt, sagt Kratullos, jetzt werte Misella, ist endlich der Zeitpunkt gekommen.
Lass die Schweinehunde los.
Wir holen uns diese Lumpen. Und dann schicken wir sie dem Feilscher.
Im unteren Hof grunzen und bellen die Schweinehunde. Sie kennen den Klang des Horns.
Misella zu Handon.
Na, Klugscheißer. Lust, noch mehr Geld zu verdienen. Wir gehen auf Jagd.
Handon wiegt den Kopf.
Ist niedrige Arbeit. Eigentlich nicht so ganz meins.
Misella faucht. Wir sehen uns nicht zum letzten Mal, Handon. Sie spuckt vor ihm auf den Boden.
Los geht´s Männer.
Misella und ihre Wolfsmenschen verlassen die Taverne.
~
Wir erreichen das Buschwerk am Ufer, wo wir das Boot versteckt haben. Wir legen Quro hinein. Schieben es ins Wasser.
Die Füße im schmatzenden Schlick. Aufkufen auf Geröll.
Dann ist das Bott flott.
Wir rasen an der Knochenmühle vorüber. Das Wehr hinunter.
In der Tür eine merkwürdige Gestalt.
Völlig entstelltes Gesicht.
Lampe in der erhobenen Hand.
Eh, ihr. Was macht ihr da.
Hinter ihm in der Knochenmühle bellen die Schweinehunde.
~
Alles klar, sagt Kratullos. Jetzt zuallererst Arren und die Mädchen zum Feilscher.
So ist das, sagt Undar. Ihre Köpfe für unsere Köpfe.
Und wenn wir die anderen Drecksäcke haben, dann schicken wir ihre Köpfe hinterher.
Kratullos wendet sich an Handon.
Gute Arbeit, Handon. Hier Euer Silber. Die Erlenheimtaverne dürfte heute Nacht ein sicherer Ort sein.
Um sie herum nimmt der übliche Tavernenbetrieb wieder Fahrt auf. Charn und Marhinwiner richten die Tische her. Die Bediensteten in Fußfesseln und diesen merkwürdigen offenen Kitteln tragen Bierkrüge zu den Tischen.
Kratullos´ Männer werfen ihre Dolche neben einem Sklaven in die Wand.
Eh. Nicht bewegen, sag ich doch grad.
He. Mädel. Bringt dem Sack hier mal ein Bier zur Feier des Tages.
Das verschüchterte Service-Girl mit den Fußfesseln reicht dem zitternden Mann an der Wand einen Krug.
Trink, brüllt einer der Wachmänner. Los. Sauf.
Eingeschüchtert führt der Mann den Krug an seinen Mund, traut sich nicht, zu trinken. Verschüttet die Hälfte.
Schläge.
Am Tresen Marhinwiner. Charn. Die drei Somajaschwestern.
Eine Schwester sieht Handon. Kommt zu ihm an den Tisch. Setzt sich.
Ich sehe vor mir einen Mann von reicher Erfahrung. Du hast viel zu erzählen.
Handon blickt von seinem Bier auf. Schüttelt den Kopf.
Nein. Nur ein einfacher Händler.
Ich sehe in Euch eine schwere Erkrankung. Aber erst noch im Ausbruch begriffen.
He. Ich will einfach nur mein Bier trinken.
Handon sieht ihren Manipulationsversuch. Manipuliert zurück. Mit 5 W6 ist die Örkin umgehend gebrochen.
Er nickt zu den beiden anderen Schwestern am Tresen rüber.
Diese Früchtchen da und du. Was für ein Spiel spielt ihr hier in der Knochenmühle.
Auf die Stirn der jungen Örkin treten Schweißperlen. Sie zittert.
Charn schaut rüber.
Wir sind Heilerinnen, stößt die Örkin keuchend aus. Weißt du doch schon. Keine Menschen. Wir sind hier. Für. Unseren Clan.
Euren Clan, sagt Handon. Verstehe.
Charn ragt plötzlich direkt neben Handon auf.
Lass sie in Ruhe. Sofort.
All die entführten und misshandelten Orks da draußen, sagt Handon. Und jetzt ihr hier. In geheimer Mission. Das ergibt Sinn.
Niemand hat bisher unsere Tarnung durchschaut, sagt Charn. Mach du keinen Fehler. Eine Hand wäscht die andere.
Klar, sagt Handon. Eine Hand wäscht die andere. Also zerlegt den Scheißladen hier. Meinen Segen habt ihr.
Epilog: Zwerge – da fällt einem echt nichts mehr ein
Wir passieren die Brücke. Ziehen die Köpfe ein.
Die Strömung wird schneller. Das Boot tanzt auf den Wellen über die flache Landschaft.
Hinter uns Brüllen. Bellen. Grunzen. Schweinehunde.
Hörner.
Männer schreien.
Die quietschenden Angeln des Haupttores.
Die Jagd ist eröffnet.
Ramir steuert das Boot in die Strömung. Bullwai und ich treiben es mit kräftigen Ruderschlägen voran.
Die Palisade der mittlerweile hell erleuchteten Garnison hinter uns in dunkler Nacht.
Die wütenden Verfolger. Sie werden mit allem, was sie haben, Jagd auf uns machen. Sie werden uns einholen.
Quro lebt. Aber wir müssen uns schnell um seine Verletzungen kümmern. Sonst wird er es nicht schaffen.
Arren und die Kinder gehen an den Feilscher.
Handon ist in der Knochenmühle zurückgeblieben.
Die Lage sieht alles andere als rosig aus.
Das Boot schlingert. Bullwai kommt beim Rudern aus dem Takt.
Der Idiot kichert blöd rum.
Verdammt. Was gibt´s denn da zu lachen.
Bullwai lacht immer lauter. Tief. Dröhnend. Sein massiger Körper bebt. Tränen laufen an seinen Wangen hinab in den Bart. Er japst nach Luft.
Ramir und ich schauen uns an.
Spinnst du, oder was, sage ich. Wenn wir schon sterben, dann bin ich das, der hier lacht. Wenn du wieder Luft kriegst, dann sag halt, was dein scheiß Problem ist.
Bullwai greift über den Rand des Bootes. Schippt sich Flusswasser ins Gesicht.
Naja, sagt Bullwai. Ich ruder so vor mich hin. Seh ich die hell erleuchtete Festung hinter uns. Kommt mir der Gedanke. Verflucht. Wir haben vergessen, im Gasthaus die Zeche zu zahlen.
Und jetzt. Ramir guckt ihn mit offenem Mund an. Willste jetzt zurückrudern und bezahlen, oder was. Die Ehre deines Clans retten oder was.
Bullwai nickt. Wir müssen auf jeden Fall zurück. Zur Not alle umbringen. Was sich gehört, das gehört sich.
Und anschließend mit gutem Gewissen weiterfliehen, oder wie, sage ich. Du hast doch echt ´n Knall, Bullwai.
Bullwai lacht meckernd. Schlägt mir auf den Rücken.
Jetzt mach dir nicht ins Hemd, Ufil. Bin eh zu müde zum Zurückrudern.
Los. Weiter geht´s, sonst haben die uns gleich.
Tsss. Diese scheiß Zwerge!

