Wir sind jetzt seit gerade einmal sechs Stunden an Olses Mittelfinger. Es weht starker Wind. Die Palisade auf dem Kliff ist wehrhaft. Abends lassen sie die Zugbrücke runter. Morgens ziehen sie sie an den Tauen wieder hoch. Der Turm selbst besteht aus schwarzem Stein. Vielleicht stammt er aus der Zeit der Elbenkriege.
Wir schlafen in der Handelsstation. Jarmusch ist der Zwerg, dem eine Ohrspitze fehlt. Sein Bruder Beltrog ist noch vollständig.
Yawim ist also ein Zwerg. Haben wir erfahren. Er hat sich rasiert, um nicht aufzufallen. Er hat das Bierrezept gestohlen. Nun macht Beltrog sich auf den Weg, um seinen Clan darüber zu informieren.
Außerdem ist da Rosa. Ihr Onkel Ulgrim ist verschwunden. Sie ist hier, um eine Audienz bei Olse zu bekommen. Sie wartet schon seit zwei Tagen.
Die Dorfschenke ist der Fette Kelch. Er besteht aus Holz. Alles ist eng. Wir haben dort mit dem Bauern Mellmann gesprochen. Außerdem die Fischesuppe von Irma Kantbach gegessen. Der Fisch stammt aus dem Brunnen. Er wird aber immer weniger.
Dann ist da der dürre Gaukler Ildruim. Er trägt eine Harlekinkappe mit drei Glöckchen. Sein Humor ist
schlecht und langweilig. Er war zu Olse gerannt, um ihm unsere Geschichte zu erzählen.
Eigentlich wollte uns Hauptman Arren bei Olse ankündigen.
Irma will Feierabend.
Wir gehen.
~
Über uns der Sternenhimmel.
Ramir geht zur Torwache. Er sagt, stimmt das, dass hier Leute verschwinden.
Das ist aber kein gutes Thema, sagt der Wachmann.
Verschwinden die denn auch, wenn das Tor zu ist.
Sicher. Das sind ungefähr sieben bis acht Leute pro Monat.
Und hinterlassen die denn keine Spuren.
Keine. Sie verschwinden über Nacht. Ihre Häuser sind am nächsten Tag einfach leer. Wir haben die Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Früher gab es hier vierzig, fünfzig Bewohner. Heute sind es noch 20. Die Familien verschwinden nacheinander. Manchmal mehrere gleichzeitig. Das geht seit einem dreiviertel Jahr so.
Ramir sagt, hat sich gleichzeitig mit dem Beginn des Verschwindens noch irgendetwas anderes verändert.
Nee, sagt das Wachmann, was denn.
Und seit wann ist der Nebel hier weg, sagt Ramir.
Ach, das ist jetzt zwei Jahre her.
Ich sage, und hat sich vielleicht der Wasserspiegel im Brunnen verändert.
Da musst du besser Sackheim fragen. Der ist Jäger und macht das Holzlager. Der weiß das vielleicht.
Handon sagt, und was ist mit der Eisenpforte unten im Fels.
Der Gang ist verschüttet. Der kommt vom Turm runter.
Handon sagt, Irma hat ihren Laden zugeknallt, als wir nach dem Brunnen gefragt haben.
Kann sein, sagt der Wachmann. Ein paar Leute sind ja auch aus dem Gasthof verschwunden. Einmal sind sogar zwei von uns aus dem Wachturm verschwunden. Olse sagt, wir sollen wachsamer sein. Wir sollen die Familien zusammenlegen. Manchmal passiert Wochen und Monate lang nichts. Und dann…
Er klettert wieder auf den Turm.
Wir stehen am Brunnen. In der Handelsstation brennt Licht. Es ist Rosa. Sie schließt das Fenster.
~
Der Brunnen hat einen Durchmesser von gut zweieinhalb Schritt. Das obere Drittel besteht aus großen, schwarzen Steinen. Das selbe Material wie der Turm. Das Holzdach darüber ist frisch. Darunter Eimer und Winde.
Ich werfe einen Stein runter. Es macht Pock-Plitsch. Scheint ja nicht viel Wasser drin zu sein.
Handon sucht mit der Fackel den Innenrand des Brunnens ab.
Er sagt, … vielleicht erkletterbar. …gibt es vielleicht Kratzspuren.
Man kann keine fünf Schritt tief gucken. Die Steine sind sauber gelegt. Dann folgt Fels. An ein paar Stellen sind Schleifspuren im Fels. Anderthalb Schritt unten ragt ein kleiner, viereckiger Dorn aus einer Mauerritzte.
Ist das vielleicht ein Kletterhaken.
Handon zeigt ihn dem Wachmann.
Der sagt, bestimmt von den Bauarbeiten.
Handon manipuliert. Darf ich da mal runter.
Klar, sagt der Wachmann, kein Problem.
Handon knotet sich mit einem Seil einen Gurt. Das Seil hat jetzt nur noch zwei Schritte Spiel. Er lässt sich mit den Füssen an der Wand ab. Der Haken ist in eine Fuge geklemmt. Handon zieht daran. Der Stein kommt auch mit raus.
Ich sage, Handon soll mal weiter unten gucken.
Handon guckt weiter unten. Dort unten ragt ein Stein aus der Wand.
Handon zieht sich hoch. Er rollt das Seil auf und bringt es wieder in Ordnung.
Den Haken nimmt er mit.
Ramir nölt rum. Er friert.
Wir gehen in die Handelsstation. Der Schlaf tut gut und ist erholsam.
In der Nacht passiert nichts.
Das Gebälk knarzt zwei mal.
~
Bei Sonnenaufgang ist mehr Wind als gestern. Wir begegnen Jarmusch im Verkaufsraum. Wir gehen zu Irma frühstücken. Sie sagt, Arren war da. Olse will uns sprechen. Im Laufe des Vormittags.
Auf dem Weg zu Irma gehen wir aber erst nochmal am Brunden vorbei. Wir gucken bei Tageslicht nochmal rein. Nach zehn bis fünfzehn Schritt sieht man nur noch Dunkelheit. Wir erkennen aber die Schleifspur. Von einem Eimer oder einer scharfen Kante. Der rausstehende Stein ist auch in diesem Bereich.
Wir gehen zum Fetten Kelch. Ramir macht die Tür auf. Sonst hat keiner Lust, es zu Versuchen.
Irma schneidet Wurst. Ildruim hat seine Narrenkappe abgezogen. Dünne, fettige Strähnen kleben auf seiner faltigen Stirn. Er mümmelt Brot.
Wir kriegen einen Becher verdünntes Bier. Handon sagt, das ist also das Frühstück auf Olse. Irma macht ihm einen Tee.
Habt ihr euch das mit dem Brunnen überlegt, sagt sie.
Handon sagt, ich war schon drin.
Ildruim setzt sich woanders hin.
Irma ist heute gut drauf. Sie macht ein paar Scherze.
Handon tut ungemein wichtig.
Irma sagt, es gibt noch einen anderen Zugang zum Turm. Das Wasser fließt nämlich vom Turm aus in den Brunnen.
Handon plustert sich auf. Er sagt, ich habe den Eindruck, eine Spur gefunden zu haben. Handon schwülstelt von seine „Expertise“. Er fuchtelt mit den Händen. Er sagt, was habe ich wohl dort unten im Brunnen gesehen. Ich habe dort einen Mann mit drei Zipfeln gesehen.
Ramir und ich gucken uns an. Ist Handon neuerdings bescheuert, oder was.
Ildruim steht sauer auf. Habt ihr nun was gefunden, oder nicht, sagt er. Er wirkt beleidigt. Aber auch ein bisschen ertappt. Sein Auge zuckt. Seine Gesicht ist knallrot. Schweißperlen auf seiner Stirn.
Drückt die Gauklermütze, sagt Handon. Willst du lieber weglaufen oder auspacken.
Er wirbelt den Haken um den Zeigefinger. Dann wendet er die Scharfe Zunge mit Manipulation an. Elf Würfe. Vier Erfolge.
Ildruims Röte verschwindet. Er wird schlagartig blass.
Keine Ahnung, sagt er, weiß nicht, was du meinst.
Handon sagt, ist es die Schuld, die so drückt.
Ildruim will aufstehen. Lasst mich sofort raus.
Was weißt du über den Brunnen und den Turm, Ildruim.
Ildruim sagt, was soll ich wissen. Da unten gibt es viele Wege.
Handon sagt, was ist wirklich deine Aufgabe hier auf Olse.
Der Gaukler ist sehr nervös. Dann bricht er zischend zusammen. Er ist gebrochen. Er dreht die Mütze mit zitternden Fingern.
Ich mach nicht viel. Nur manchmal sorge ich dafür, dass das Gittertor auf ist. Ich wollte nicht, dass Leute verschwinden. Eigentlich ist alles Uthurs Schuld – der Schmied.
Handon sagt, was soll der jetzt damit zu tun haben.
Der Gaukler sagt, ich will damit wirklich nichts mehr zu tun haben.
Er springt auf, stolpert und knallt mit dem Kopf auf den Tisch.
Er sagt, wahrscheinlich habe ich den Tod verdient.
Irma sagt, was hast du getan. Was hat Uthur damit zu tun.
Handon schlägt Ildruims Kopf nochmal auf die Tischplatte. Der ist komplett erschüttert über sich und sein Leben.
Handon sagt, du hast sicher nichts dagegen, uns zu Olse zu begleiten, oder.
Ilrduim sagt, wehe mir. Olse ist ein Rostbruder.
Handon sagt, es gibt schlimmeres als Rostbrüder. Viel schlimmeres.
Ich lächele Ildruim an. Der wendet entsetzt den Blick ab.
Ramir sucht ihn nach Waffen ab. Ein kleines Messer. Ein Dorn in der Kappe. Paar Münzen.
~
Wir fragen uns, wie wir zum Turm kommen, ohne das Uthur uns von der Schmiede aus sieht. Wenn wir Ildruim zwischen uns schleifen, schöpft er Verdacht.
Ich gehe mal voraus. Richtung Handelshaus. Ich gucke nach dem Schmied. Ich kann nichts von ihm sehen.
Ich gebe Handon und Ramir ein Zeichen. Sie gehen mit Ildruim zum Turm. Die Treppe hoch. Die Tür geht auf. Ein Wachmann lässt sei ein.
Ich tue so, als hätte ich etwas vergessen. Wie dumm ich doch bin. Dann renne ich hinterher und komme auch noch durch die Tür in den Turm.
Der Mann führt uns in die Halle aus dunklem Stein. Rechts und links zwei Wachen. In der Mitte ein langer Tisch. Zehn Krieger essen. Eine halbrunde Treppe hoch in die nächste Etage. Unter der Treppe weitere Türen an der rückwärtigen Wand.
Der Wachmann geht die Treppe hoch. Wir folgen. Das Geländer ist aus Holz.
Die nächste Etage ist beeindruckend. Der Boden besteht aus großen, quadratischen Steinplatten. Hinten ein Podest mit einem großen Lehnstuhl.
Darauf eine zusammengesunkene Gestalt mit einer Decke über den Beinen. Ein rotes Gewand mit rostigen Ketten und Pailletten. Im Fackelschein glänzen Narben im Gesicht. Rechts lehnt ein großer Zweihänder mit rostigem Knauf. Links über der Schulter eine rostige Eisenmaske mit Schlitz für Augen und Mund. Unter der Decke ein eisenbeschlagener Stiefel. Das andere Bein ist irgendwie ungestalt, klobig, zu groß. Aber man sieht es nicht. Wegen der Decke.
Arren steht daneben.
Olse entkorkt einen Ziegenbalg und säuft.
Er dankt uns wegen seines Sohnes. Er ist offensichtlich betrunken.
Er zeigt auf den Gaukler. Soll Ildruim uns unterhalten, oder warum bringt ihr ihn mit. Setzt Euch.
Unter der Decke zuckt das zu groß geraten Bein.
Handon sagt, wie geht es Eurem Sohn. Geht es ihm gut.
Arren sagt, mein Herr, er meint Zenkil.
Olse sagt, den Umständen entsprechend. Erzählt mir von seiner Rettung.
Handon erzählt. Der Pfad. Der Lärm jenseits der Böschung. Der Hinterhalt. Ramir pirscht sich an. Die Ochsenmenschen. Unser Angriff. Der Kampf.
Ramir lugt unter die Decke. Eine unmenschlich große Kralle schabt auf dem Boden. Sie sieht aus wie ein Krabbenbein.
Olse sagt zu mir, und was hast du dabei gemacht, Yfel.
Ich erzähle, wie ich den Ochsenmenschen zu Boden gehebelt habe.
Olse sagt, dann hat dir das wohl Spaß gemacht.
Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ich blicke direkt in Olses Augen. Ich sehe dort, dass sein Herz mit meinem jubelt. Ein Seelenverwandter! Ich bin ergriffen.
Arren sagt, Zenkil fehlt nun ein Bein. Euer anderer Sohn ist aber verschwunden, Herr.
Olse trinkt und hängt im Stuhl. Sein Körper ist wie betäubt. Aber sein Geist wirkt eiskalt.
Er sagt, ihr habt Euch auf ewig Kost und Logis auf Burg Olse verdient. Ich werde Euch das Bein meines Sohnes in Silber aufwiegen.
Handon sagt, darf ich Euch eine Geschichte erzählen.
Olse sagt, unterhalte mich.
Handon sagt, ich werde Euch unterhalten.
Er würfelt auf Darbietung.
Er sagt, Euer treuer Arren hat uns eingeladen, hierher zu kommen. Wir haben sehr gerne angenommen. Wir haben Eure Burg schon von ferne gesehen. Wie gut bewehrt und erhaben sie ist. Ein gigantischer Ochse versperrte den Weg. Ihr habt fantastische Rinder, hier. Solch eine faszinierende Festung habe ich noch nie gesehen.
Dann haben wir Irmas vorzügliche Fischsuppe gekostet. Ich erzähle nur, was uns zugetragen wurde. Der Fischbestand im Brunnen sei weniger geworden. Dann trafen wir eine gewisse Rosa. Die Nichte des verschwundenen Schneiders Ulgrim.
Olses Decke zuckt. Das Krabbenbein klopft zitternd auf den Boden. Olse guckt nervös.
Sprecht weiter, sagt er.
Handon sagt, Leute sind verschwunden. Wir sind ziemlich gut darin, Dinge herauszufinden. Und hier haben wir jemanden mitgebracht, der die Ursache für all das sogar noch vor uns herausgefunden hat. Ich bitte Ildruim um sein Wort.
Ramir stößt Ildruim nach vorne.
Ilduim sagt, ich wollte das nicht. Das ist alles Uthurs Schuld. Aber jetzt ist der Zeitpunkt, reinen Tisch zu machen.
Olse beugt sich vor. Er greift zur Seite und setzt sich die Eisenmaske auf Gesicht. Die Decke fällt von seinen Knien. Sein Oberschenkel geht tatsächlich in ein Krabbenbein über. Seine Hand greift nach dem Schwert.
Was habt ihr der Rostbruderschaft zu sagen, sagt er.
Der Gaukler sagt, ich sollte nur gucken, dass sie abgeholt werden können. Einfach mal ab und zu unten das Gittertor aufschließen.
Abgeholt von wem, sagt Olse.
Von den Bullenschädeln sagt Ildruim.
Olse steht schwankend auf. Sprich du Hund!
Ildruim sagt, ich wollte einfach nur mal gut bezahlt werden. Uthur hat am meisten profitiert.
Olse sagt zu Arren, geh mit diesen Herren hier zu Uthur.
Er schlägt Ildruim den Kopf ab.
Dabei läuft ihm eine Träne übers Gesicht.
Er sagt, nehmt seinen Kopf mit zu Uthur.
~
Während wir die Treppe runtergehen, sagt Arren, der Gang unter dem Berg sollte eigentlich mit Felsbrocken verschüttet sein.
Arren sagt, Ildruim und der Schmied sind aufgetaucht, kurz nachdem der Nebel ging.
Arren sagt, nur, damit wir uns verstehen. Olse ist ein harter Mann. Aber er ist der beste Anführer, den es gibt. Er hat versucht, sich Rost zu nähern. Er bereut es bis heute jeden Tag. Die Rostbrüder haben ihm diese Burg gegeben.
Arren gibt den Torleuten ein Handzeichen. Das Tor hebt sich. Wir verlassen den Turm.
~
Die Schmiede ist acht- oder neuneckig. Sie ist von allen Seiten offen. Als Dach genietete Eisenplatten. Darin ein starker, schwarzhaariger Mann. Bart. Lederschürze. Kräftig.
Ich trage Ildruims Kopf. Ich gehe hinten, damit man ihn von der Schmiede aus nicht sehen kann.
In der Schmiede hängen Axtköpfe, genau wie jene, die wir bei den Ochsenschädeln erbeutet haben.
Hinten in der Schmiede arbeitet ein zweiter, bulliger Typ mit nacktem Oberkörper am Blasebalg. Ich würde wetten, dass er nicht in der Lage ist, seinen eigenen Namen zu schreiben.
Der Schmied vorne hält ein glühendes, dampfendes Schwert.
Ich lege Ildruims Kopf auf den Tisch. Gruß von Olse, sage ich.
Was soll das, sagt der Schmied.
Er schlägt mit dem heißem Schwertrohling nach mir.
Ich pariere das glühende Eisen mit meinem Stab. Trotzdem fange ich mir eine Verletzung am Unterarm ein.
Der Gehilfe, der seinen Namen nicht schreiben kann, geht mit einem gewaltigen Schmiedehammer auf Ramir los. Der duckt sich unter dem Hieb weg. Der Hammer zertrümmert den Tisch mit Ildruims Kopf darauf. Der Kopf fliegt in hohem Bogen durch die Schmiede und verschwindet irgendwo im Hintergrund.
Ich nutze den Schwung meiner vorherigen Parade und schwinge meinen Kampfstab zum Angriff auf den Schmied. Der Stab prallt mit einem dürren „Pock“ von seinem dampfenden Schwertrohling ab.
Handon sticht nach dem Schmied. Der weicht aber in diesem Augenblick gerade meinem Schlag aus. Deshalb geht Handons Klinge an seinem Hals vorbei.
Ein Pfeil trifft Handon. Drüben, vor dem Holzlager steht der Jägermeister mit erhobenem Bogen.
Seeheim!, ruft Arren, du Schuft. Gehörst du etwa auch dazu.
Er rennt auf den Bogentypen zu.
Ramir hakelt an seinem Falchion rum. Der hängt verdammte Scheiße im Gürtel fest.
Uthur attackiert mich. Er durchbohrt meine Lunge mit dem heißen Eisen. Mir bleibt die Luft weg. Blut läuft über mein Kinn. Der Raum dreht sich um mich. Meine Beine finden keinen Halt mehr auf dem Boden.
Arren!, sagt Uthur. Er zieht das halbfertige Schwert aus mir raus. Dann rennt er Arren hinterher.
Der Gehilfe, der seinen Namen nicht schreiben kann, greift Handon mit dem Hammer an. Handon pariert mit dem Schild.
Dann schlitzt er den Gehilfen, der seinen Namen nicht schreiben kann, mit dem Messer vom Unterarm über die Schulter bis zum Hals hinauf auf.
Der Gehilfe ergibt sich.
Dann verblutet er sofort.
Der nächste Pfeil fliegt knapp an Arren vorbei.
Uthur, der Schmied rennt Arren hinterher. Auf dem Weg kommt er an Ramir vorbei. Der greift ihn mit einem hinterhältigen Angriff an. Das ist in der Situation zwar regelwidrig, aber er tut es trotzdem. Er schwingt den Falchion unter Aufbietung aller Willenskraft. Er trifft Uthur unter der Achsel. Die Klinge tritt auf der anderen Körperseite an der Schulter wieder aus.
Der Schmied bricht sofort tot zusammen.
Arren schlägt dem Bogenschützen einen Arm ab.
Ich krümme mich auf dem Boden. Ich kriege keine Luft mehr. Ich werde sterben.
Handon und Ramir heben mich auf einen Tisch. Handon verwendet Anpassungsfähigkeit und Manipulation. Er manipuliert sich dadurch selbst derart, um zu ebenjener Höchstleistung fähig zu sein, welche erforderlich ist, um mich am Sterben zu hindern.
Handon dreht mich mehrere geschlagene Minuten lang auf dem Tisch hin und her wie ein Steak auf dem Grill. Ich würde ja gerne vor Schmerzen schreien, aber ich kann nicht einmal atmen. Handon wird immer hektischer und wälzt mich immer schneller von einer Seite auf die andere.
Schließlich tritt er einen Schritt zurück, wischt sich den Schweiß von der Stirn und schüttelt traurig den Kopf.
Dann kommt Ramir und rettet mein Leben.
Danach will Handon Arren heilen.
Arren sagt, nee du, lass mal lieber.
Heile lieber den Seeheim. Wenn der überlebt, kriegen wir vielleicht noch was aus ihm raus.
Handon bindet Seeheims Arm mit einem Lederband ab.
Seeheim schreit.
Dann wird er katatonisch.
Handon sagt, Bogenschießen klappt wohl erst mal nicht mehr.
Arren sagt, bei dem klappt bald gar nichts mehr.
Ramir schlägt den Toten die Köpfe ab und nimmt sie mit
Handon schleift mich zum Turm.
~
Olse steht in der Tür. Sein Krabbenbein entblößt.
Er sagt, bringt ihn zum Baum. Er klappt die Maske runter.
Seeheim schreit, das war Uthurs Idee. Ich wollte das nicht. Uthur hat den Handel mit den Ochsenschädeln gemacht. Die Ochsenschädel kommen alle sechs bis acht Wochen durch die Gittertür.
Die Ochsenschädel waren deshalb nicht erwischt worden, weil die drei Verräter sie in die Burg gelassen hatten. Im Gegenzug haben sie Dung von den Ochsen bekommen. Den haben sie in die Waffen eingearbeitet. Das steigert die Qualität des Materials. Das wiederum steigert den Preis.
So wurde Uthur reich. Er hat seinen Gewinn in einer Schatztruhe in den Wäldern versteckt. Der Schatz liegt dort bei einer Esche am Fuße eines kleines Sees vergraben.
Die Wachmänner schleifen Seeheim aus dem Tor. Über die Zugbrücke. Zu dem Baumstamm mit den Kerben, der in der Nähe des Weges liegt. Mit den beiden Pfählen mit aufgespießten Schädeln rechts und links.
Sie drücken Seeheim auf den Stamm.
Olse köpft ihn und geht zurück zur Burg.
Ramir schmeißt die anderen Köpfe mit dazu.
Olse dreht sich am Tor um. Er sagt, heute Abend wird gefeiert. Der Spuk ist zu Ende. Und für Euch, Freunde, habe ich gleich noch was.
Handon sagt, lieber heute Abend. Wir müssen uns erst um Yfel kümmern. Sonst stirbt der noch.
Arren spießt die Köpfe auf und stellt sie zu den anderen.
Ramir heilt mich, und ich kann wieder selbstständig laufen.
Aber ich habe sechs Tage minus 2 auf Beweglichkeit und Ausdauer.
~
Ramir schaut sich den Tunnel unter der Burg an. Zusammen mit den Burgbediensteten. Die gehen auch runter. Die Gänge sind schwarz und nass. Der Gang zur Gittertür ist mit Steinbrocken versperrt. Aber die Bullenschädel könnten sowas wegräumen. Wenn man darauf achtet, sieht man auch, dass das Gitterscharnier und die Steine regelmäßig bewegt wurden. Der Gang geht vom Gitter über den Brunnen zum Turm. Die Quelle unter dem Turm ist mit Steinen blockiert.
Ramir zieht mit aller Kraft einen der Quader zur Seite. Ein Schwall Wasser schießt heraus. Der Brunnen füllt sich. Er sieht weiße Fische.
Ramir und Handon versuchen weiße Fische im Brunnen zu fangen. Handon fängt einen.
Ramir und Handon bringen den Fisch zu Irma. Sie berichten ihr, was passiert ist.
Rosa ist auch da. Sie sagt, und was ist mit mir.
Ramir sagt, wir haben Olse von dir berichtet. Er wird dich anhören.
~
Arren bringt mich derweil in Olses Gemächer. Olse will, dass ich seinen Sohn Zenkil zu den Bernsteingipfeln bringe. Dort wird er Heilung von Rost empfangen.
Olse sagt, es ist kein Problem, wenn du ablehnst.
Ich sage, ich werde es mit meinen Kollegen besprechen.
~
Am Abend gibt es ein Fest in der unteren Halle. Olse sitzt mit der Decke auf seinem Thron. Man hat ihn von oben hier runter geschafft.
Vorher hatte er uns zu Zenkil ins Obergemach geführt. Der hatte hohes Fieber.
Olse hatte jedem von uns zwanzig Silber gegeben.
Dann beginnt das Fest.
Olse trägt ein Gedicht vor. Das geht so.
Die ersten sechs Elfen der Verbotenen Lande bepflanzen das Land. Dann vereinigen sie ihre Rubine in einer Krone namens Stranengist. Das heißt hängende Steine.
Dann berät die Krone Könige, die sie tragen. Sie gibt ihnen Macht, das Königreich zusammenzuhalten.
Dann kommt der Dieb Madrigall. Er stiehlt drei Steine. Dann fällt das Reich auseinander.
Wenn jemand die Krone wieder zusammensetzt und sich aufsetzt, bekommt er Macht, um die Völker der Verbotenen Lande wieder zu vereinen.
Außerdem hatte der Steinsänger Brander von Bynd mal eine Vision vom Gott Hüne. Ein Stein im Zepter eines Königs. Ein Stein im Schmuck einer Königin. Ein Stein in einem Schwert, das Riesen tötet.
Das war´s.
Wir beobachten Olse. Olse wird zwar gefürchtet aber auch respektiert.
Arren ist für das Volk nahbarer. Er ist die nahbare rechte Hand.
Handon stellt Olse Rosa vor.
Olse sagt, morgen kannst du mit Arren die Häuser durchsuchen. Gegebenfalls zahlen wir dich aus.
Handon sucht die Nähe zu Arren.
Ramir fragt Olse nach Algoroth und Wetterstein.
Mal wieder Wetterstein, sagt Olse. Das ist eine alte Geschichte. Sie liegt zehn Generationen zurück.
Damals ist das Erlendland überbevölkert. Der Grausame Algoroth will sein Reich erweitern. Also marschiert er im Rabenland ein.
Er kämpft gegen den dämonischen Zauberer Zygofer. Der tötet ihn. Algoroths Zepter geht verloren. Es heißt Nekhaka Man sagt, das Zepter war die Quelle seiner Macht.
Aber Algoroths Wille ist stark. Er weigert sich zu sterben. Von da an hält er auf Festung Wetterstein Wache. Eines Tages sollen seine Männer wieder marschieren. Das Zepter Nekhaka zurückerlangen. Die Rabenlande endlich erobern.
Man sagt, heute sei der Fluch gebrochen. Algoroth und seine Männer hätten nun endlich Ruhe gefunden. Die Kriegskasse sei aber noch immer auf Wetterstein. Heute werde sie aber von Algoroths bösen Geistern und Monstern bewacht.
~
Handon verkauft die zwei Äxte der Bullenschädel an die beiden Zwerge. Er erfeilscht von ihnen 40 Silber. Wir teilen das Geld. Jeder bekommt zehn.
Ich frage Olse nach einem Schwert oder etwas Ausrüstung. Weil ich nichts habe.
Er schenkt mir ein nagelneues Breitschwert. Es ist genau jenes, das mir die Lunge durchbohrt hat. Olse lässt es eigens für mich fertig schmieden. Außerdem gibt er mir eine verstärkte Lederrüstung. Sie hat früher seinem ältesten Sohn gehört, der jetzt verschwunden ist.
Ramir bekommt einen kleinen Schild, mit einem Bonus von 1.
Handon bekommt einen Spangenhelm mit Nasenschutz.
Ramir ist nach Olses Gedicht kaum noch ansprechbar. Er ist wie in Trance. Er sagt, er hat jetzt seine Lebensaufgabe gefunden. Er muss die drei Rubine aus dem Gedicht wieder an ihren rechtmäßigen Platz zurück bringen.
Wahrscheinlich will der Spinner König werden. Das kann bei so einem Typen nicht gut gehen.

