Ich wache auf. Will mich setzen. Stoße mir den Kopf am schmiedeeisernen Scharnier der Deichsel unseres Wagens. Verdammte Scheiße.
Ich rolle mich seitlich unter dem Wagen hervor. Reibe mir die Stirn. Tau auf der Wiese. Wir ziehen weiter.
Wie immer. Ramir geht voraus. Ich kontrolliere mit Horst die Flanken. Handon führt Lutz und den Wagen. Hat scheiß Laune in letzter Zeit. Qurro liegt auf dem Wagen und pennt.
Die Landschaft wird hügeliger. Paar Birken hier und da. Ab und zu der Fluss.
Ramir kommt von vorne zurück. Schüttelt den Kopf. Er sagt, wir müssen besser da lang.
Wir wenden den Wagen. Gehen wir eben da lang.
Paar Kilometer weiter. Ramir kommt wieder zurück. Schüttelt den Kopf. Vielleicht sollten wir doch eher da lang. Wir wenden den Wagen. Gehen wir halt jetzt da lang.
Irgendwann werden die Hügel höher. Enger. Wie laufen in eine Schlucht. Oder ein ausgetrocknetes Flussbett. Auf den Hängen paar Büsche. Bisschen Gras. Paar dürre Bäume. Ganz oben, sieben oder zehn Schritt über uns auf jeder Seite ein Felsgrat.
Wir sagen, ob das jetzt wirklich der richtige Weg ist.
Vor uns liegen paar Bäume. Sind wohl von oben in die Schlucht gefallen. Zwei alte ohne Rinde. Oben drauf ein frischer. Alle ziemlich dick.
Wir sagen das sieht nicht gut aus. Das sieht aus wie eine Falle.
Ramir untersucht die Bäume. Er sieht saubere Schnittkanten. Er sagt, die liegen hier mit Absicht. Sie sind gefällt worden.
Wo wir stehen ist die Senke zehn oder fünfzehn Schritt breit. Bei den Bäumen fünf oder höchstens sieben.
Ramir setzt einen Fuß auf einen Stamm. Er schaut über die Stämme. Er sagt, dahinter sind Hufspuren im Lehm. Mindestens so groß wie die von Horst. Vielleicht sogar größer.
Qurro schnarcht auf dem Karren.
Ich untersuche den Boden auf unserer Seite der Stämme. Ob da Spuren sind. Ich kann keine erkennen.
Aber ich höre über uns jemanden rufen. Außerhalb der Schlucht. Es klirrt wie Metall auf Metall. Männer schreien.
Dann ein einzelner Schrei. Gellend. Vielleicht Angst. Vielleicht Schmerz.
Jemand knurrt. Wahrscheinlich knurrt aber eher etwas. Es klingt wie ein Tier. Kommt auch von oben.
Ich sage, die Geräusche sind vielleicht dreißig oder fünfzig Schritt entfernt.
Ich habe das Gefühl, die Erde bebt ein bisschen. Ein knallendes Knirschen von oben. Eine schwere Waffe durchbricht einen Panzer.
Ramir schleicht die Böschung hoch. Er will gucken. Ich will auch gucken und mit Horst hochreiten. Aber das ist eine schlechte Idee. Ich lasse es.
Ramir kommt an der Klippe an. Klettert die paar Tritte hoch. Guckt über die Kante.
Er sagt, die Ebene geht 35 bis 50 Schritt. Dann kommt ein Wäldchen.
Er sagt, da sind acht Krieger in voller Rüstung mit Kettenhemden.
Sie kämpfen gegen zwei riesige Kreaturen. Bullenschädel. Muskelbepackte Arme. Gekrümmte Hörner. Schwarze Zotteln. Auf zwei Beinen. Jeder eine Doppelaxt.
Ramir sagt, einer von denen spaltet gerade einen Krieger der Länge nach. Ich höre den Aufprall der beiden Körperhälften auf den Boden.
Außerdem steht auf der Wiese eine Standarte. Aber Ramir kann sie nicht erkennen. Es weht ja kein Wind.
Ramir sagt, das andere Wesen ist rot. Es hat mehrere Zöpfe. Und auch eine Doppelaxt. Die Viecher sind fast drei Schritt groß.
Ich höre Pfeile schwirren. Ramir sagt, das rote Ding wird gerade am Hals getroffen. Ein schwerer Huf stampft in die Erde.
Ramir sagt, ich weiß zwar nicht, was das für Biester sind. Aber ich bin völlig sicher. Das ist eine Kreuzung von dämonischen Wesen.
Ramir denkt mal wieder, er ist Kayss.
Er sagt, das rote Biest nimmt gerade einen Soldaten auf die Hörner.
Ich höre einen Schrei. Dann ein Klatschen.
Ramir sagt, der fünfte Soldat ist tot.
Wir sagen, ob auf der anderen Seite der gefällten Bäume was zu sehen ist.
Ramir sagt, er sieht da nichts.
Wir sagen, entweder wir fliehen jetzt oder wir helfen den Soldaten.
Wir helfen den Soldaten.
Handon springt vom Wagen. Er zerrt Qurro wach.
Wir rennen zu Fuß da hoch.
Qurro schnappt den Bogen. Verschwindet den Hang hoch ins Gehölz.
Ramir und ich sagen, wir schleichen uns von hinten an die Viecher an.
Ich klettere die Felsen hoch. Ich höre einen dumpfen Schrei. Unmenschlich. Fast schon ein Muh. Ich schaue über die Kante. Ein gewaltiges rotes Monstrum kippt nach vorne. Dumpfer Aufprall. Der Felsen unter mir vibriert. Sand rieselt zwischen meinen Fingern.
Das schwarze Monstrum brüllt. Die Augen im Zorn geweitet. Schlägt um sich. Bewegt sich erschrecken behände.
Handon klettert etwas rechts von uns über die Böschung.
Das Monster sieht ihn sofort.
Ramir und ich schleichen uns von hinten an. Etwas von der Seite.
Ramir sprintet los. Lässt sich kurz vor dem Vieh auf die Knie fallen. Schliddert ein paar Fuß weit auf Knien durch den Staub. Während er rutscht, holt er mit dem Falchion aus. Hackt dem Monstrum eine tiefe Kerbe in die Wade. Achilles knapp verfehlt.
Das Wesen zuckt. Lässt die Doppelaxt fallen. Wendet sich wuchtig um. Berge von Muskeln entfalten aus der Drehung ihre Kraft. Die gewaltige Faust schleudert Ramir entgegen. Der rollt ab. Die Wucht von acht W6 kracht ins Erdreich.
Das verwundete Bein will die Drehung abfangen. Knickt ein. Der massige Körper dreht weiter. Der Haken meines Stabes greift in die schwarzen Lederriemen mit dem Eisenring, die über die Brust des Monsters laufen. Ich nutze die Instabilität aus. Werfe mich in den Stab. Ich bin die Unwucht, die das System aus der Bahn wirft.
Der Kreisel taumelt. Kippt.
Das verfilzte Fell. Rötliche Augen funkeln böse. Weißer Schaum vor dem Mund. Mit Schlieren von Blut. Geht mit einem Knall zu Boden. Staub wirbelt auf. Rrrrums.
Handon hebt den Falchion mit der Spitze nach unten. Sein Kettenhemd klirrt. Er stößt zu. In die Brust. Legt sein ganzes Körpergewicht auf den Knauf. Gewaltiger Hieb mit vier Erfolgen. Dreht die Klinge noch etwas hin und her.
Zuckender Leib. Hufe wühlen im Staub. Ein letztes Erzittern.
Schwarzes Blut breitet sich aus. Es flüstert meinen Namen. Es beschwört die tiefsten Regungen meiner Seele. Mein Puls geht schneller. Ich habe solch seltsame Kreaturen nie zuvor gesehen. Ich muss den Lebenssaft dieses Wesens verstehen.
Ich berühre ihn. Prüfe ihn. Rieche ihn. Teste seinen Geschmack. Ich versinke in eine Trance.
Ich spüre keine Magie. Nichts dämonisches. Dafür aber Menschenfresserei.
Handon wendet sich ab. Er läuft auf die Krieger zu.
Er sagt, kann ich helfen.
Ein Krieger zieht den Helm ab. Blondes Haar quillt hervor. Junger Mann. Blut sprudelt aus der beschädigten Beinschiene.
Handon sagt, wenn man das nicht behandelt, hast du noch höchstens eine Stunde. Wer hat hier das sagen.
Ein Mann sagt, ich. Ich bin Arren. Er sagt, Zenkil. Du wirst das schaffen. Du wirst auch mit einem Bein noch gut auf dem Außenposten dienen.
Zenkil ist bleich. Er sagt nichts. Vielleicht versteht er nicht, was passiert.
Handon behandelt Zenkils Bein.
Handon sagt, ich hatte mal einen Freund. Der war ein richtiger Frauenheld. Der hatte aber auch nur ein Bein. Im Krieg verloren.
Ein Ruck. Handon hält Zenkils Bein in der Hand. Er legt es auf die Seite. Bindet den restlichen Stumpf ab.
Handon sagt, wer seid ihr. Woher kommt ihr.
Arren sagt, wir kommen von Olse. Eine Tagesreise nach Westen. Da ist unser Außenposten. Ein Turm. Eine Palisade. Höfe drumrum. Felder.
Arren sagt, Leute sind häufig verschwunden. Die Höfe haben um Hilfe gebeten.
Ramir sagt, wir sind selbst auf der Suche nach einer Burg.
Arren sagt, welche Burg denn.
Ramir sagt, Burg Wetterstein.
Arren sagt, keine Ahnung. Bestimmt haben unsere Ältesten schon mal davon gehört.
Ramir sagt, schon mal was von der Knochenmühle gehört.
Knochenmühle. Was soll das sein. Aber wir sehen oft Sklavenhändler. Die jagen wir mit Pfeilen von unserer Palisade fort.
Ramir sagt, wo liegt ihre Basis.
Arren sagt, vielleicht vier oder fünf Tagesreisen. Man trifft sie regelmäßig. Aber wir haben eine Palisade um den Turm Olse. Richtiger Steinturm. Um die Palisade Höfe. Felder. Immer genug Fleisch. Warum kommt ihr nicht mit in unsere Festung.
Arren sagt, wie sollen wir Zenkil nachhause transportieren.
Handon sagt, wir haben in der Senke einen Karren.
Arren sagt, euch schickt der Rabe. Nicht wahr, Zenkil. Aber Zenkil ist sowieso bewusstlos.
Während Handon redet, haben Ramir und ich die Leichen der Monster untersucht. Die Äxte sind etwas Besonderes. Zweihänder. Poliert. Bestens gearbeitete Kriegswerkzeuge. Sehr auffällig. Wir schätzen 18 Silber.
Ich finde ein bronzenes Trinkhorn. Ziselierte Verzierungen. Wer braucht sowas. Ist immerhin ein paar Kupfer wert.
Ramir findet 2 W6 Kupfer
Arren sagt, Handon hat dem Sohn von Olse das Leben gerettet. Den Sohn von jemand wichtigem gerettet zu haben ist nie verkehrt.
Wir schaffen den Wagen die weite Strecke außenrum hoch auf die Ebene.
Wir legen Zenkil auf den Wagen.
Die Männer begraben die Toten.
Arren besteht darauf, dass die Monster verbrannt werden.
Wir verbrennen die Monster.
Qurro kommt zu uns. Er hat einen Hasen geschossen. Er sagt, ihr habt mich ja sowieso nicht gebraucht. Ihr habt gekämpft wie die alten Legenden. Raki. Tust. Takris. Und so.
Wir begleiten die Männer nach Turm Olse. Flussaufwärts.
Nicht abwärts.
Flussaufwärts.
Der Weg ist leicht. Arren kennt sich aus.
Nach drei Stunden sehen wir Turm Olse von einer Anhöhe aus. Arren macht uns darauf aufmerksam.
Turm Olse steht wie ein Zeigefinger auf einer hohen Klippe mitten in der Landschaft.
Wir sind gespannt, was kommt.

