Bullwais Bericht 21
Von Verträgen, Geschäftsregeln und leuchtenden Nacktmullen
Ich war schon immer dafür die Dinge ordentlich zu regeln, wenn es geht. Regeln, Recht, Gesetz und Kultur sind Errungenschaften, die unser aller Leben einfacher machen können, wenn man sich auch dran hält. Und da es hier auf Ohlses Turm keinen richtigen zwergischen Rechtsgelehrten gibt, hab ich mich mit Jarmusch und Beltrog, den beiden Zwergen-Händlern, zusammengesetzt um zu dritt unser Teilwissen über das zwergische Rechtssystem zusammen zu schmeißen und so einen vorläufigen Schuldnervertrag für meine Lebensschuld an Ufil aufzusetzen. Wir sind eigentlich so gut wie fertig.
Die dicht beschrieben Pergamentrolle mit ihren insgesamt 64 Vertragspunkten wirkt schon echt beeindruckend. Wir mussten hier und da noch Unter- und Nebenklauseln einkleben, so dass das Vertragswerk jetzt aufgerollt und in diverse Richtungen ausgeklappt werden kann.
Jarmusch hat mit einem Vergrößerungsglas und einer feinen Schreibfeder noch das Kleingeschriebene eingefügt, die Essenz jedes zwergischen Vertragswerkes. Hier fasst mein Volk in winziger Schrift immer die „problematischen Paragraphen“ zusammen, die der Vertragspartner nicht auf den ersten Blick sehen muss. Und da die wenigsten Menschen oder auch Elfen überhaupt wissen, was ein Vergrößerungsglas ist, verschafft uns das einen besonderen Vorteil. Jeder zwergische Kaufmann weiß schließlich „Ein Vertrag ohne Kleingeschriebenes ist das Werk eines Idioten!“
Nach einem triumphierenden „Fertig!“ von Jarmusch, hat sich das voluminöse, zusammengerollte Vertragswerk dann plötzlich selbständig gemacht, ist es vom Tisch gerollt und hat Beltrog einen gequetschten Fuß beschert. Man glaubt garnicht, wie schwer Pergament sein kann. Jetzt hockt der fußversehrte Zwergenhändler auf einem Getreidesack, kühlt sich den Fuß und jammert rum.
Jarmusch kratzt sich mit der Schreibfeder am Ohrstumpf: „Mann, stell Dich nicht so an. Sei froh, das es nur die Pergament-Vorschrift und nicht das spätere, in Blei gegossene Original war. Die Dinger können ein Gewicht von 100 Stein haben. Da wäre Dein Fuß aber endgültig Geschichte gewesen.“ Ich grinse breit, nehme einen Zug aus meiner Pfeife und blase einen schönen großen Rauchring in die Luft.
„Ich muss mich bei Euch beiden bedanken. Alleine hätte ich es nicht so schnell fertig bekommen. Und besonders die Paragraphen über die Pflichten des Gläubigers waren mir nicht geläufig. Wer hätte schon ahnen können, dass er für eventuelle Ausrüstungsschäden aufkommen muss.“ Jarmusch nimmt einen Schluck aus dem Bierkrug: „Gern geschehen.
Na ja, Du und deine Sippe schulden dem Gläubiger zwar Leben aber die Ausrüstung ist ausgenommen. Wäre ja noch schöner! Ich weiß das auch nur, weil ich den alten längst beglichenen Lebensschuld-Vertrag unserer Sippe einsehen durfte.“ Beltrog reibt sich den schmerzenden Fuß und brummelt: „Bei uns ging es damals aber auch nur um drei Leben. Und die schuldeten wir einer anderen Zwergensippe. Ich habe noch nie von einer neunfachen Lebensschuld gehört und dann auch noch gegenüber einem Menschen. Du machst echt keine halben Sachen.“ Beltrog beugt sich vor und klopft auf den Vertrag: „Und es war auch sicher ein echter Drache? Nicht ein Wyvern oder eine übergroße Harpye?
Im Eifer des Gefechts kann man sich ja mal vertun und denk daran, das so eine Schuld für Dich und deine Familie eine enorme Belastung darstellt…“ Ich schnaufe Tabackrauch aus und fahre hoch: „Na was denkst Du denn? Das Biest war groß wie ein Haus, hatte Schuppen, Flügel und spie Feuer! Glaubst Du ich mache so viel Aufhebens wegen eines primitiven Grubenwurms? Es war ein Drache!“
Jarmusch kommt seinem Bruder zu Hilfe: „Schon gut Bullwai! Reg Dich ab! Keiner will Dir die Schuld und den damit verbundenen Ruhm nehmen. Aber bedenke auch: Uvil ist immerhin nur ein Mensch. Die nehmen sowas nicht so genau und wissen ja auch garnicht, was es mit einer Lebensschuld auf sich hat. Vermutlich reichen dem ein Händedruck und ein paar Goldmünzen um…“
Jetzt werde ich echt sauer: „Hat Dir ein Troll ins Gehirn geschissen? Ich kann doch nicht meine Ehre und die meines Clans beschmutzen indem ich diesen Menschen um seine Lebensschuld bringe! Mag sein, das er nur ein Mensch ist, und die meisten von denen sind wirklich primitive Grottenolme, aber das bedeutet noch lange nicht, das wir uns auf deren Niveau hinunter begeben dürfen. Schulden müssen beglichen werden. das ist eine heilige Pflicht. Jeder Hühne-Priester wird dir das bestätigen.“
Die beiden Zwergenhändler blicken schuldbewusst drein. Kann sein, dass sie einfach schon zu lange unter Menschen leben und mittlerweile die Geschäftssregeln der goldenen Bruderschaft über die eisernen Gesetze meines Volkes stellen… Also nur damit das klar ist: ich habe nichts gegen die „Guten Handles-, Geschäfts- & Erwerbsregeln“ – das einzige Buch, dass mein Vater gelesen hat und aus dem er ständig zitiert.
Wer kann sich auch schon so weiser Worte entziehen wie Regel 54: „Krieg ist schlecht für‘s Geschäft!“ dicht gefolgt von Regel 55 „Krieg ist gut für‘s Geschäft!“ oder Regel 102: „Ein Kluger Kunde ist eine schlechter Kunde“. Die Lieblingsregel meines Vaters war glaube ich „Nur Narren zahlen den vollen Preis!“… oder war es „Ein reicher Mann kann sich alles leisten, außer einem Gewissen?“ Ich weiß es nicht mehr. Das Buch hatte aber auch über 200 Seiten. Mein Vater kennt sie alle auswendig.
Aber die Ehre steht für mich nun mal über allem! Ein ehrloser Mann ist eine armer Mann!
Um mich zu beruhigen beginnt Beltrog ein Gespräch über die diesjährigen Schachtball-Meisterschaften. Er weiß genau, dass ich stundenlang über Spiele und Strategien fachsimpeln kann und seinerzeit selber ein begeisterter Schachtball-Spieler war. Das war in der guten alten Zeit, als wir noch mit lebenden Nacktmullen spielten, die wir ordentlich mit Leuchtfett (mit Phosphorpilzpulver versetztes Fett) eingerieben hatten, was sie glitschig machte wie eine paarungsgeile Schnecke, sie aber auch im Dunkeln leuchten ließ, so dass man nicht aus Versehen auf ihnen ausrutschen konnte. Nur wer mal versucht hat, mit einem glitschigen, aufgebrachten kreischenden und um sich beißenden Nacktmull unterm Arm durch ein dunkles Tunnelnetz und über schlüpfrige Treppen zu rennen, während zwei Dutzend andere Spieler versuchen einem den Mull abzujagen, wird verstehen, wie fordernd sowas sein kann.
Das ist Tiefensport vom Feinsten und für die Zuschauer echt unterhaltsam. Mein letztes eigenes Spiel hatte ich vor 10 Jahren absolviert. Damals setzten wir zum ersten mal diese neumodischen, mit Trockenpilzen ausgestopfte Nacktmull-Bälge statt der lebenden Viecher ein. Die wehren sich zwar nicht mehr, dafür prallen sie aber auch viel besser von Wände und Decken ab als ihre lebenden Vorgänger, was dem Spiel doch tatsächlich eine neue sportliche Dimension bescherte…
Ich kann mich noch genau an das Gefühl erinnern, als mein Team die gegnerische Abwehr durchbrach und ich den leuchtenden, glitschigen Leder-Mull mit einem gezielten Wurf von der Wand abprallen ließ, direkt in die Arme meines Vetters Orlok, der ihn mit einem schnellen Sprint in unseren Zitadellenschacht beförderte. Die Zuschauer tobten: Ein Meer aus tiefstetiefenschwarz und aschgrau gekleideten Anhängern von „Dritte Ebene Glimmerschacht“ und meinen Leuten von „Sechster Tiefe Stahlgewitter“ in Granitgrau und Schieferschwarz… Blöd, das ich das Ende nicht ganz mitbekam, weil mich ein Brecher von Glimmerschacht auflaufen ließ und wir beide auf der glitschigen Treppe zwischen den Spielebenen das Gleichgewicht verloren, so dass wir gemeinsam in den Spielschacht fielen… 50 Meter weiter unten fing uns das Schutznetz auf, aber im Fall hörten wir noch das Siegesgeschrei und das Dröhnen der Trommeln.
„…Warte mal Jarmusch, stimmt es wirklich, das der alte Tuwock Schorfschritt euer Onkel ist? Mann, der ist eine Legende! Hat das allerletzte Spiel mit lebenden Mullen absolviert. Danach wurden sie verboten. Nun gut, der Unfall mit dem Mullweibchen war Pech, hat ihm aber auch immer währenden Ruhm beschert. Keine Ahnung wie er zwei komplette Spielschichten mit abgebissenen Hoden überstanden hat… Aber wer konnte denn auch ahnen, dass der Mull in der Ranz war und durch das Leuchtfett aggressiv wie eine Horde sonnengeplagter Höhlenbären wurde. Tuwock hat sich danach auch einen guten Ruf bei der agrde erarbeitet. War einer der besten Ausbilder, die ich kennenlernen durfte und mein großes Vorbild. Wenn ich es mal zum Unteroffizier schaffen sollte, will ich genauso wie er sein: Gemein aber unfair!
Schicht 136, Goldbäume und kein Grubenwurm in Sicht
Ich habe nochmal nachgerechnet und ich bin mir ganz sicher: 136 Schichten bin ich nun schon hier oben unterwegs. In der Zeitrechnung der Oberweltler sind das 34 Tage und Nächte. 34 mal sah ich diese scheißhelle Oberweltlersonne auf und wieder untergehen. Und ich bin noch nicht wirklich verrückt geworden. Die Oberweltkrankheit hat mich bisher verschont. Vielleicht bin ich auch immun. Irgendwie scheine ich mich auch immer mehr an diese Welt zu gewöhnen. Ich verstehe zwar vieles noch nicht, aber ich finde mich hier trotzdem immer besser zurecht. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, einige Dinge hier oben gefallen mir sogar. Wenn man den größten Teil seines Lebens unter der Erde zubringt, bekommt man von dem Wechsel der Jahreszeiten zum Beispiel nicht wirklich etwas mit.
Klar, im Winter ist es kalt und es liegt Schnee und im Sommer ist es scheißewarm… aber mitzuerleben, wie der Herbst – für Zwerge, das ist die Zeit zwischen Sommer und Winter – langsam die Welt und ihr aussehen verändert, dass ist neu für mich und hat mich echt beeindruckt. Besonders diese weiten Wälder mit den weißstämmigen Bäumen haben es mir angetan!
Qurro nennt sie Gespensterbäume und Ufil sagt, es seien Birken. Blöder Name! Birken! Wird den Dingern nicht wirklich gerecht. Denn jetzt im Herbst färben sich ihre Blätter zu einem leuchtenden Goldgelb. Wie unzählige Goldmünzen zittern sie an den Zweigen und ich stelle mir dabei immer ein leises Klimpern vor, wie wenn man Münzen durch die Finger gleiten lässt. Und wenn der Wind stark ist, dann wehen diese Goldmünzen in wirbelnden goldenen Wolken durcheinander. Was für ein Anblick! Als würde man in einer Flut von Blattgold baden. Hier soll es riesige Wälder mit solchen Goldmünzenbäumen geben. Gold bis zum Horizont… was für ein unglaublicher Anblick das sein muss!
Ich glaube die Fische waren schlecht! Zwar wollen mir alle einreden, dass ich diese fiesen, gesalzenen Fische garnicht gegessen hätte, aber ich glaube ihnen nicht. Im Suff bin ich zu allem fähig!
Der Morgen, nach dem Fest auf Burg Ohlse begann ich mit einem klaren Kopf und vollkommen ohne Grubenwurm. Die Menschen sagen dazu Kater, glaube ich, aber ich verstehe nicht, inwiefern das den miesen körperlichen Zustand nach einer durchzechten Nacht richtig beschreiben soll. Kater sind männliche Katzen. Und was soll an einer flauschigen Katze übel sein? Na gut, ich mag ja keine Katzen. Die sind irgendwie link, und ich finde es gemein und unehrenhaft, wie sie mit ihrer Beute spielen. Hat was sadistisches. Es heißt ja, das Katzen in vergangenen Zeiten als Götter verehrt wurden und das haben sie anscheinend nicht vergessen.
Arrogante Biester! Sind ein bisschen wie Elfen. Hunde hingegen mag ich. Die sind grundehrlich und wenn die eine Beute erwischt haben, zum Beispiel eine dieser gemeinen Katzen, dann erledigen sie die direkt. Keine halben Sachen. Und was meint Ihr, warum es wohl treu und ehrlich wie ein Hund und nicht wie eine Katze lautet? Deshalb haben wir Zwerge nach einer heftigen, durchzechten Nacht eben keinen Kater sondern einen richtig üblen Grubenwurm. Denn Grubenwürmer sind hässlich, stinken, bewegen sich irgendwie eigenartig taumelnd durch die Gänge, sind dabei blöder als ein halber Laib Zwergenbrot und kotzen säureartige Flüssigkeit auf den Stein um ihn aufzuweichen und das Ergebnis dann zu fressen und sich durch das aufgeweichte Gestein zu suhlen. Also im Prinzip ähnelt das dem Zustand eines armen, gerade frisch erwachten Zwergen-Zechers…
Aber ich habe eben keinen Grubenwurm und das liegt eben vermutlich am verdammten Fisch! Der soll angeblich sowas verhindern. Bei Hühnes Bart! Wozu trinkt man denn dann so exzessiv! Ich hasse Fisch! Auch wenn er bei uns in großen unterirdischen Bassins gezüchtet wird, sind diese schuppigen Viecher grundsätzlich wenig beliebt. Wir verwenden sie nur als Dünger für die Pilzgärten. Austernpilze gedeihen darauf hervorragend und sie schmecken dann irgendwie…fischig! Aber auf eine gute Art und ohne Gräten und Schuppen. Aber Fisch zu essen, das geschieht bei uns nur in absoluten Notzeiten. Es hat zum einen mit dem Geruch zu tun.
Alter Fisch stinkt eben nach Pilzdünger. Zum anderen sagen die Priester, das Fische unrein sind. Die schwimmen in ihrer eigenen Scheiße… ist echt wahr! Die kacken ins Wasser und dann atmen sie das wieder ein. DAS ist eklig! Das wäre, als würde ein Schwein seine eigene Scheiße fressen… bevor man dann einen Braten aus ihm macht. Deshalb ist der Verzehr von Fisch hühnegläubigen Zwergen wie mir auch verboten. Ich müsste schon arg betrunken sein, um sowas zu essen.
Mir geht es auf alle Fälle so widerlich gut, dass ich frisch und fröhlich schon vor allen anderen auf den Beinen bin, um mir ein ordentliches Frühstück mit Starkbier Würstchen und Spiegeleiern einzuverleiben. Und danach tänzel ich ein Liedchen pfeifend und insgesamt so gut gelaunt, wie ein Elf in einem Badezuber voller nackter Hobbits, in Richtung Waffenkammer um die versprochene Ausrüstung für die bevorstehende Expedition nach Burg Wetterstein zusammenzustellen. Menschen und Wölflinge und erst recht Elfen haben ja keine wirkliche Ahnung von gutem Stahl und ordentlicher Schmiedekunst. Die könnten einen Bronzenagel anhand seines Geschmacks nicht mal von einem Eisennagel unterscheiden. Geschweige denn guten gebläuten Stahl von billigem Werkzeugeisen…
Ein Haufen Schrott und ein peinlicher Helm
Puh, für die Waffenkammer würde ich mich an Stelle des alten Ohlses aber schämen! Ein großer Haufen billiger Schund, aber was will man auch von Menschen erwarten. Ich brauche einen Helm! Und Ramir braucht auch einen. Und wir benötigen Spieße, wenn wir es wirklich mit einer Bestie zu tun bekommen… Ich sitze also inmitten dieses Haufens Schrott und wühle mich durch die Regale und Waffengestelle. Hoffentlich wird der Turm nicht mal von ernsthaften Gegnern angegriffen. Gegen die mit diesem Plunder ausgestatteten Verteidiger hätten die wirklich leichtes Spiel. Rostiges Eisen, schartiger Stahl, wer auch immer hier als Waffenmeister arbeitet würde bei mir zu Hause den Rest seines Lebens zur Strafe die Flechten von den Tunnelwänden kratzen müssen. Mit seinen eigenen ausgeschlagenen Zähnen!
Mir wird ganz schlecht wenn ich diese Ansammlung von schlecht gepflegten Tötungsutensilien sehe. Mein Großvater pflegte immer zu sagen: Wer seine Waffen vernachlässigt wird durch diese Waffen sterben. Mein Großvater war ein wirklich weiser Mann! Er pflegte seine Waffen täglich. Er ertrank in einer Wasser-Zisterne… Aber wo ich nun schon mal hier bin, kann ich auch gleich das Altmetall von den brauchbaren Sachen trennen und eine Inventarliste anlegen. Ich laufe also zu den beiden Zwergenhändlern, lasse mir ein paar ordentliche Blätter Pergament und Tinte geben und lege los. Jedes Stück wird vermerkt und mit „brauchbar“, „reparaturbedürftig“ (inkl. Art der Reparatur) und „einschmelzen“ kategorisiert und in den Regalen abgelegt.
Das meiste Zeug sollte in den Schmelzofen wandern. Die Helme würden bei uns nicht mal als Suppentöpfe durchgehen und die meisten Klingen sind alt und stumpf und sollten geschliffen werden. Der hiesige Schmied war ja wohl ein echter Verbrecher, wenn man den Geschichten glauben darf. Gut das er tot ist, denn sonst hätte ich ihm für seine Unfähigkeit und diesen unverschämten Frevel an Hünes Gaben den Hals umgedreht. Aber zu meinem Erstaunen finde ich auch ein paar recht brauchbare Stücke, die anscheinend erbeutet und dann hier eingelagert wurden.
Zwei der Langspieße scheinen zwar älteren Datums zu sein, und die Klingen sind etwas schartig, aber das kann ich mit meinem Schleifstein leicht beheben. Ich schätze die stammen noch aus der Zeit der menschlichen Eroberungszüge. Damals konnten die Menschen noch ordentlich schmieden, auch wenn es nicht mit den Schmiedekünsten meines Volkes vergleichbar ist. Und oh Wunder, eine zwergische Infanteriepike findet sich unter den Langwaffen, ganz versteckt in einer Ecke, von Spinnenweben überzogen.
Der Schaft ist mit Stahlbändern verstärkt und die Spitze immer noch scharf. Ideal um damit Monster aufzuspießen. Ich probiere alle möglichen dieser Kochtopfhelme aus, aber keiner will mir passen, biss ich schließlich einen Sappeurshelm mit breiter Krempe finde. Scheint auch zwergischer Machart zu sein, denn die Rune im Inneren sowie der mit Leinöl geschwärzte Stahl besagen, dass er aus meiner Heimat, den Steingärten stammt. Ein bisschen altmodisch, aber die Delle auf der rechten Seite zeigt, dass er zumindest schonmal einen ordentlichen Schlag aufgehalten hat. Gute Zwergenarbeit eben. Ein stählerner Reiterhelm scheint auch noch ganz ordentlich zu sein und nachdem ich ihn mit Sand abgerieben hatte, war er fast wie neu.
Der ist hoch und schmal und müsste eigentlich perfekt Ramir passen. Na gut, er hat oben drauf eine dieser bescheuerten Stahlspitzen, deren Nutzen ich noch nie so ganz erkennen konnte. Angeblich benutzt man sie ja, um sie einem Gegner mit gesenkten Kopf in den Bauch zu rammen… Wie bescheuert! Wer rennt den mit nach unten gesenktem Kopf auf einen Bewaffneten zu… auf sowas können auch nur Menschen kommen. Andererseits… ein Hobbit mit so einem Helm könnte für so manchen Großling zu einem echt gemeinen Problem werden. Grinsend klemme ich mir den Helm unter den Arm und gehe Ramir suchen. Der wird mit dem Helm so richtig blöd aussehen… vielleicht befestige ich auch noch einen Büschel grünes Eichenlaub an der Spitze…



