Am nächsten Morgen verabschieden wir uns bei Davon und legen ab.
Unser Plan ist, in der Knochenmühle als Söldner anzuheuern
Wir sehen die Burg schon von weitem über der Landschaft aufragen. Sie steht auf der Felswand.
Wir erkennen jenes merkwürdige Schimmern an den rückseitigen Mauern, über das Davon gesprochen hat.
Wir nähern uns der Felswand. Wir tauchen in ihren Schatten. Kalter Wind zieht auf.
Vor uns lautes Kreischen. Das Schreien von Menschen in Qualen. Es kommt vor der Mühle in der Flussbiegung vor uns.
Unser Boot gleitet näher. Wir sehen, dass das Kreischen in Wahrheit vom Mühlrad kommt. Schlecht geölt.
Das Mühlrad ist übersäht mit kleinen, hellen Gegenständen. Wir kommen näher. Wir erkennen Hände. Hunderte Hände. An das Mühlrad genagelt. Ins Wasser tauchend. Wieder heraufsteigend. Um das Rades kreisende, wieder ins Wasser eintauchende Hände.
Über uns auf der Felswand der Schatten eines düsteren, halb eingestürzten Wachturms.
Als wir die Mühle passieren, wird die Felswand niedriger.
Eine hölzerne Palisade zieht sich auf ihrem Rücken abwärts zur Flusskehre.
Über der Palisade zwei Holztürmchen. Bemannt. Man beobachtet uns.
Hinter der Palisade Geschrei. Lärm. Wehklagen.
Meine Mitreisenden sitzen schweigenden im Boot.
Ich finde es eigentlich ganz schön, hier. Die Landschaft idyllisch. Die Luft frisch. Ich bin überzeugt, hinter der Palisade viele inspirierende Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln.
Vor uns spannt sich die geduckte Steinbrücke über das Flüsschen.
Wir legen auf der rechten Seite an. Gegenüber der Burg.
Wir gehen über die Brücke und nähern uns dem Eingang.
Am Tore
Das Tor ist unten aus Stein. Oben aus Holz.
Davor Wächter mir Speeren. Langschwert. Kräftig gebaute Typen.
Sie sehen uns. Straffen sich.
Neben dem Tor angenagelte Hände. Fliegen überall. Gestank.
Über dem Tor ein Schild mit Aufschrift. Ein Preis und ein Platz für jeden.
Ich überlege kurz, was das heißen soll. Wahrscheinlich nichts wichtiges.
Ein Wächter löst sich von der Gruppe. Tritt uns entgegen. Dehnt seine Schultermuskulatur. Pflanzt den Speer vor uns auf. Grinst. Seine Zähne atemberaubend braun.
Und was seid ihr für welche, sagt er. Der Wächter mit den braunen Zähnen.
Wir wollen zu Kratulos, sagen wir.
Ich hab euch verdammte Pisser nicht gefragt, wohin ihr wollt, sondern wer ihr seid.
Ramir tritt vor. Wir sind acht starke Arme. Vier scharfe Waffen. Wir leisten gute Arbeit.
Das braune Grinsen verfliegt. Der Wachmann kräuselt angewidert die Oberlippe. Er mustert Ramir von oben bis unten. Wollt ihr Ärger machen. Er zieht Rotz hoch und spuckt aus. Das könnt ihr euch ja im Kerker nochmal überlegen.
Er dreht sich zu seinen Kollegen um.
He… ruft er.
Ich zeichne einen schnellen Zauber des Vergessens in die Luft.
Der Wachmann schaut sich verwirrt um. Als sei er gerade aus einem Traum erwacht. Völlig desorientiert.
Er schaut uns an, als sähe er uns zum ersten Mal.
Danke, sage ich. Das ist wirklich sehr freundlich von Euch. Man sieht sich.
Ich gehe an ihm vorbei.
Er tritt verwirrt zur Seite und lässt uns durch.
Ich verkneife mir die Dreistigkeit, ihm im Vorbeigehen freundschaftlich auf die Schulter zu klopfen.
Die anderen gehen ebenfalls an ihm vorbei. Quro klopft ihm im Vorbeigehen freundschaftlich auf die Schulter.
Gute Güte, denke ich. Ausgerechnet Quro!
Die anderen Wachleute mustern uns mit einer seltsamen Mischung aus Neugier und Desinteresse. Sie tragen speckige Uniformen. Eine Aura von Gestank hüllt sie ein.
Na, sagt der Typ, der an der Mauer lümmelt. Er nickt in Richtung Quro. Willst du zu den anderen von deiner Sorte.
Die Männer grinsen breit.
Offensichtlich gehören braune Zähne zur Standardausrüstung dieser Wacheinheit.
Quro beachtet ihn nicht.
Ramir nickt zu dem Typen an der Mauer. Er sagt, wo kriegt man hier ein brauchbares Bier.
Ein brauchbares Bier, wiederholt der Typ an der Mauer. Er nickt übertrieben anerkennend.
Erlenheimtaverne. Oben auf der Ebene.
Ramir schnippst ihm zwei Kupferstücke rüber.
Der Mann steckt sie ein und schaut Ramir mit diesem Dich-behalt-ich-im Auge-Blick an.
Im Inneren der Palisade ist es lebhaft. Überall gehen Menschen und Orks ihren Geschäften nach.
Zur linken ein großes Holzgatter. Darin Schweinehunde. Sie grunzen oder bellen. Oder was auch immer. Auf jeden Falls sind sie laut.
Auf der anderen Seite des Schweinehundgatters eine Art Amphitheater, in der ein Sklavenmarkt stattfindet. Offensichtlich führt der Zugang durch das Gatter hindurch.
Auf dem Markt viele Menschen. Sie sprechen miteinander. Ich sehe zwei kleine Kinder an einen Pfahl gekettet.
Rechterhand ragt vom Hang her ein Teil des Felsens in den Hof. Er geht in eine Mauer über. Darin Türen. Vergitterte Fenster. Wachleute. Offensichtlich werden dort die Gefangenen verwahrt.
Ich schaue mich um. Die Wachen auf den Türmen mustern uns. Überall auf dem Platz Leute, die uns anschauen. Neuankömmlinge. Wir fallen auf. Wir werden wahrgenommen. Aber offensichtlich gibt es für niemanden ein Problem.
So weit zur Frage, ob man hier ein Bier trinken kann.
Vor uns liegt das Tor zur zweiten Ebene. Wir beschließen, zuerst dort besagtes zu Bier trinken.
Erlenheimtaverne
Die Erlenheimtaverne war in ihren besseren Tagen wohl mal eine Scheune. Jetzt stinkt es schon vor der Tür nach Rauch, Schweiß, verbranntem Bratenfett.
Die Tür quietscht. Das Licht im Inneren ist gedämpft. An den Tischen sitzen Leute. Händler vielleicht. Soldaten. Schurken. Wer weiß.
Gegenüber der Tür die Bar. Dahinter aufgedunsen und mit fleischigen Lippen der Wirt. Dreckige Schürze. Wischt gerade einen großen Bierhumpen aus.
Als Bedienung drei junge Frauen. Sie tragen merkwürdige, vorne offene Kittel. Fußschellen. Sie wirken verängstigt.
Am Tisch in der Ecke ein paar raue Gesellen. Harte Visagen. Bierkrüge. Auf dem Tisch liegt eine Fußschelle. Einer der Typen schlägt mit der Faust auf den Tisch. Lautes Lachen ohne jede Heiterkeit.
An der Wand ein Mann. Verängstigt.
Davor ein zweiter mit einem Messer.
Passiert schon nichts, sagt der Mann mit dem Messer. Stell dich nicht so an.
Er wirft das Messer. Es bleibt direkt neben dem Gesicht des anderen in der Holzwand stecken.
Siehst du. Du bist noch nicht verkauft. Wir passen schon auf dich auf.
Hinten, an der Ecke des Tresens steht ein großer, bulliger Ork. Langschwert an der Seite. Hält die Taverne gleichgültig im Blick.
Der Wirt sieht uns rumstehen und kommt. Seid gegrüßt, werte Gäste, ich bin Mahinwiner. Meines Zeichens Wirt dieses wunderschönen Gasthauses. Was kann ich für euch tun.
Wir suchen Arbeit.
Verstehe. Dann wollt ihr wohl bei den Knochenfrettchen anheuern.
Wir dachten eher an Kratulos.
Kratulos. Guter Mann. Der Wirt nickt. Hält hier alles in Schach. Aber als Gardisten werdet ihr nicht so oft hier rauskommen. Was trinkt ihr.
Bier.
Da kommt ihr ein paar Tage zu früh. Wir erwarten eine neue Lieferung. Aber keine Angst. Was wir im Augenblick auf Lager haben, ist auch gar nicht übel.
Ob es Nachschubprobleme gibt, sagt Quro.
Nein, sagt Mahinwiner. Aber wir arbeiten gerade einen neuen Braumeister ein. Ein wahres Genie, wie es heißt.
Quro sagt, ob dann hier vor Ort Bier gebraut wird.
Ja. Die Brauerei befindet sich direkt nebenan auf dem Nachbargelände. Nicht mehr lange. Dann wird das hier eine weithin bekannte Hochburg der Braukunst sein.
Mahinwiner deutet mit ausgebreiteten Händen die zukünftige Großartigkeit seines Schankraumes an.
Und woher kommt ihr, Wolfsmensch.
Aus dem Leichentuch, sagt Quro. Ich arbeite nur da, wo es gutes Bier gibt.
Gibt es denn jemanden, dem das anders geht. Mahinwiner geht unser Bier zapfen.
Wir setzen uns an einen Tisch nahe am Tresen. Schräg hinter den Ork. Von hier aus können wir den Schankraum überblicken. Sehen die Tür. Kriegen mit, was am Tresen passiert. Und das Wichtigste. Mauerwerk im Rücken.
In der Raumecke hinter dem Ork geht eine Tür nach draußen auf.
Eine Frau betritt den Raum.
Mir stockt der Atem. Wann habe ich zum letzten Mal eine so schöne Frau gesehen. Das eng anliegende Kleid. Die betont langsame Bewegung ihrer Hüften beim Gehen. Sie weiß um ihre Wirkung.
Sie neigt sich zum Ohr des Orks. Die beiden tuscheln.
Der Ork grinst.
Die Frau verlässt den Schankraum durch die Hintertür.
Vulm
Wir beobachten weiter. Wer kommt. Wer geht. Was passiert.
Da drüben spielen ein paar Männer Würfel. Wir hören das Klackern auf Holz.
Plötzlich verebbt das Spiel.
Betrug sagt eine laute Stimme. Das Geld kriege ich.
Hol´s dir doch, sagt eine andere Stimme.
Verdammt, du elender Betrüger.
Offensichtlich ist einer der beiden Männer ein Frettchen. Der andere… Naja, die Schurken, die hier halt so rumhängen.
Weitere Stimmen fallen ein. Die Lage wird hitzig.
Zwischen den Männern taucht eine Klinge auf.
Der bullige Ork löst sich geschmeidig vom Tresen. Mit drei Schritten ist er auf der anderen Seite des Raumes.
Er beugt sich über den Tisch mit den Streithähnen. Männer aus beiden Gruppen brüllen auf ihn ein.
Der Ork richtet sich auf.
….soll im Paraxa-Theater entschieden werden, dringt seine Stimme durch das Geschrei.
Mahinwiner, der Wirt eilt hinter seinem Tresen hervor.
Das Paraxa-Theater, sagt er. Meine Schaubühne. Die Gaststube ist vorübergehend geschlossen. Ich nehme jetzt hier die Wetteinsätze an.
Ramir springt auf.
Er rennt zum Wirt. Zerrt bereits auf dem Weg seine Geldbörse auf dem Gürtel. Schließt seine Wette ab. Mahinwiner trägt Ramirs Namen in eine kleine Kladde ein.
Scheiße. Kann man nicht in Ruhe sein Bier fertig trinken, sagt jemand ein paar Tische weiter. Er erhebt sich lustlos.
Der Saal leert sich.
Wir folgen den Menschen zu einem kleinen Amphitheater. Es besteht aus grob gezimmerten Bänken. Im Viereck angeordnet. Auf jeder Seite vier Sitzreihen. In der Mitte Sand.
Die beiden Streithähne stehen sich bereits gegenüber. Irgendein Sekundant klärt sie über die Regeln auf.
Ringsum stehen Wachleute. Sie wirken einigermaßen aufmerksam.
Ich vermute, dass es ein Kampf auf Leben und Tod werden wird. Die Schönheit, die Klarheit und die reine Energie, die im Augenblick des Todes aufzuleuchten pflegen, erquicken den Geist, wo immer wir ihnen begegnen. Ich setze mich freudig in die erste Reihe.
Die beiden Kombattanten stehen sich mit Messern gegenüber.
Das Frettchen entspannt. Grinst. Grüßt nachlässig ein paar bekannte Gesichter im Publikum.
Der andere Mann bleich. Bebend vor Angst. Schweiß rinnt über sein Gesicht.
Mahinwina tritt auf.
Mein hochverehrtes Publikum, sagt er. Oh, du edles Geschlecht all jener, die da Leben auf dieser ach so stolzen Feste. Lasset uns beiwohnen dem epischen Schauspiele welches dargeboten uns hier wird. Möge das Festival. Er macht eine Kunstpause. Beginnen.
Er verneigt sich tief und verlässt den Sandplatz.
Die Kombattanten stehen sich mit ihren Messern gegenüber.
Das Frettchen streckt den Arm mit dem Messer gerade nach vorne.
Der andere Mann knickt ein. Hält sich die Hände über den Bauch. Blutverschmierte Hände und Unterarme. Er sackt in sich zusammen. Fällt wie ein Sack zu Boden.
Das Frettchen wischt seinen Dolch mit einem Lappen ab.
Der Adjutant tritt herzu. Reicht dem Frettchen einige Münzen.
Frettchen nickt in Richtung des Gegners, der reglos in seiner Blutlache liegt.
So ein Idiot. Die hätte er mir einfach so geben können.
Er schnippst die Münzen in die Luft. Fängt sie auf. Steckt sie ein und verlässt den Platz.
Die Zuschauer stehen von ihren Bänken auf und gehen. Lustlose Blicke. Gemurre.
Scheiße, dass das immer so kurz ist.
Nächstes Mal sollen die die Vorstellung gefälligst n bisschen länger machen.
Der Tote liegt auf dem Gesicht in einer Pfütze aus Blut.
Ein Wachmann packt ihn bei den Stiefeln und zieht ihn vom Platz.

Bullwai
Bullwai springt auf und läuft zu dem Wachmann.
Er greift nach den Füßen des Toten. Er will helfen. Er kommt aber nicht ran, weil der Wachmann im Weg steht.
Der Wachmann bemerkt den Zwerg und mustert ihn.
Na. Neu hier, sagt er. Kannst gerne helfen. Der kommt da drüben in den Zwergenstall.
Bullwai lässt das Hosenbein des Toten los.
Kleiner Scherz, sagt der Wachmann. Komm. Pack mit an.
Jeder greift nach einem Bein des Toten. Sie zerren ihn hinter sich her.
Und, wo kommste her.
Aus dem Norden sagt Bullwai. Bergige Region.
Also weit gereist. Oder was.
Ja. War schon ne recht harte Tour. Gut was mitgemacht.
Sie erreichen das Gatter mit den Schweinehunden.
Da muss der rein. Pass auf deine Hände auf. Die reißen die dir sonst ab.
Ich kenn sowas sagt Bullwai. Wir hatten auch sowas bei uns.
Solche Schweinehunde, sagt der Wachmann. Wirklich. Ich dachte, die gibt´s nur hier bei uns.
Waren ja auch nicht solche Schweinehunde, sagt Bullwai. Das waren nur so ähnliche wie die. Er reibt sich etwas Dreck von der Nase. Also nicht genau die gleichen.
Ah, sagt der Wachmann und hebt eine Braue. Na, dann pack mal mit an.
Sie wuchten den Kadaver über die angespitzten Holzpfähle. Die Schweinehunde sind sofort quiekend, grunzend und knurrend über ihm.
Drüben bei den vergitterten Höhlen kreischen ein paar Sklaven. Frauen. Männer. Kinder.
Bullwai schaut rüber. Jemand hinter einem Eisengitter guckt ihn an. Ein großer mit hellen Haaren. Bullwai denkt, dass das vielleicht Arren ist.
Bullwai sagt zum Wachenmann, die Schweinehunde haben ja ganz schön Hunger. Ob die die nicht so oft füttern.
Der Wachmann sagt, die müssen scharf bleiben. Außerdem sieht Kratulos das nicht gern, wenn wir dauernd seine Leute verfüttern. Die Frettchen gewinnen langsam die Überhand. Undar sieht das auch nicht so gern, weil seine angebliche Macht angekratzt wird.
Der Wachmann sagt, ich denke, das wird richtig Ärger geben. Kratulos duldet keine Gewalt innerhalb des Lagers.
Von oben aus der Burg, oder was davon übrig ist, kommen Männer. Vorne ein Typ mit breiten Schultern. Bart. Vierschrötig. Dahinter anderthalb Hand Männer. Sie gehen in Richtung Taverne.
Der Wachmann sagt, alles klar, Bullwai. Ich muss jetzt zur Taverne. Kratos rechnet mit mir.
Ich komme mit, sagt Bullwai.
Quro
Quro hat sich nach der Darbietung im Paraxa-Theater allein auf den Rückweg gemacht. Er wundert sich, warum der Ork aus der Taverne nirgendwo ist. Vermutlich ist er in der Taverne geblieben.
Dann sieht er zwei Wolfsmenschen. Sie kommen aus einer Halle. Groß. Muskulös.
Sie sehen Quro ebenfalls.
Sie halten inne. Bleiben stehen. Wittern. Legen die Ohren an. Fletschen die Lefzen. Wahren den Sicherheitsabstand. Vorsichtig. Den Fremdling erst mal abschnuppern. Rudeltiere. Gleiche Rasse zwar aber fremdes Rudel.
Quros Instinkte sind hellwach. Er weiß, was er jetzt tut, wird Konsequenzen haben. In welche Richtung auch immer.
Quro mustert die Beiden. Wittert. Das Fell sträubt sich.
Dann nimmt er Kontakt auf. Körpersprache.
Die Anderen reagieren. Körpersprache.
Quro geht vorsichtig zu ihnen rüber.
Gleichzeitig sind Ramir und ich auf dem Weg zurück zur Taverne. Wir sehen das. Wir gehen etwas langsamer. Tun, als ober wir angeregt über die Darbietung reden. Vielleicht braucht Quro Hilfe.
Aber Quro braucht keine Hilfe.
Die zwei anderen Wolfsmenschen. Einer etwas kleiner. Fährtenleser. Der andere größer. Muskulöser. Säbel an der Seite. Jäger wohl.
Quro ist kräftiger als die beiden. Markiert erst mal den Alphawolf.
Der Kleinere sagt, da kommt ja der Nachschub. Gut, dass du kommst. Wir haben viele verloren. Willkommen im Rudel.
Der andere sagt, Misela wird dich einweisen. Dann bist du ein waschechtes Frettchen.
Der kleine sagt, wir holen die Schwachen und verkaufen sie an die Starken. So wie überall.
Quro sagt, wo kommt ihr ursprünglich her.
So wie du, sagt der Große. Keine Lust, immer nur Tiere jagen. Mal was Neues im Leben probieren. Komm mit. Wir stellen dich vor.
Und wie lange seid ihr schon hier.
Drei oder vier Monde, sagt der Kleine.
Seit der Nebel weg ist, sagt der Große.
Der Kleine sagt, ein paar Leute sind von den letzten Touren nicht zurückgekommen. Wir freuen uns über Verstärkung.
Und wo finde ich Misela, sagt Quro.
Hier. In der Frettchenhalle. Komm. Wir stellen dich vor.
Ich bin gerade erst angekommen, sagt Quro. Lasst mir noch ein bisschen Zeit. Erst Denken.
Was soll das Bruder. Denken. Ich sag´s nur einmal. Pass ja auf, dass du dich für die richtige Seite entscheidest.
Dann verschwinden die beiden zwischen den Häusern.
Quro geht weiter Richtung Taverne. Er sieht ein hohes Gebäude. Vorne dran zwei riesige Eisenplatten. Sie ragen wir gewaltige Zähne in den Himmel. Dazwischen ein hauchdünner Spalt. Die Platten sind rostrot.
Vor dem Gebäude zwei Statuen von Rost und Häma. An den Statuen hängen Überreste von Menschen. Köpfe. Organe. Ganze Leiber. Dieser Scheiß halt.
Die Leute gehen vorbei wie normal. Scheint keinen zu stören.
Taverne
Zur gleichen Zeit kommen Ramir und ich zurück in die Taverne.
Ramir rennt natürlich sofort zu Mahinwiner. Holt seinen Gewinn ab. Lässt sich aus der Kladde streichen. Kommt glücklich mit ein paar Kupfer in der Hand zu mir an den Tisch.
In der Tür taucht ein Mann auf. Melierte Haare. Hochgeklappter Kragen. Uniform oder so.
Er guckt Vulm an. Der, der gerade den anderen Typen abgestochen hat.
Vulm hebt sein Bier. Trinkt. Lacht. Erzählt seinen Kumpels, was für ein Idiot das war. Lässt sich einfach abstechen für ein paar Kupfer. Hätte ihm die lieber gleich geben sollen. Dann würde jetzt keine Witwe irgendwo rumheulen. Die dumme Sau ist selbst schuld.
Hinter dem Mann mit hochgeklapptem Kragen kommen Soldaten durch die Tür.
Hinter den Soldaten kommt Bullwai.
Der Mann mit Kragen sagt, Vulm. Was du getan hast, ist nicht gut. Das bringt Unordnung.
Vulm grinst. Sein Gesicht verschwindet im Bierkrug.
Der Kragen sagt, wenn wir uns alle so verhalten, dann geht über kurz oder lang die Zivilgesellschaft zugrunde.
Vulm haut den Krug auf den Tisch und rülpst. Kratulos, leck mich. Der Stärkere siegt. So ist das im Leben.
Glaubst du, Herzog Undar toleriert, dass du einfach seine Leute umbringst.
Einer von Vulms Leuten steht auf und baut sich vor Kratulos auf. Hey, hey, Mann. Komm. Mach ma langsam.
Kratulos kriegt einen roten Kopf und tritt auf den Mann zu. Sie müssen schielen, wenn sie sich in die Augen gucken wollen. Kratulos´ Männer umringen ihn.
Vulms Leute springen auf.
Alle schreien rum.
Die Lage eskaliert völlig.
Fünf Frettchen gegen acht Männer von Kratulos.
Kratulos hebt die Hand. Leute. Lasst uns das vernünftig regeln. Mein Kompromissvorschlag zur Güte. Zwanzig Peitschenhiebe für Vulm. Das soll für dieses Mal genügen.
Was. Hast du sie noch alle.
Sag mal ist der völlig bescheuert.
Von draußen kommt Lärm.
Jemand ruft, Misela kommt.
Leute erscheinen vor der Tür.
Kratulos dreht sich um. Plötzlich steht er zwischen zwei Fronten. Fünf Frettchen drinnen. Sieben oder acht Orks draußen vor der Tür. Quro sagt später, dass Misela auch noch fünf Wolfsmenschen dabei hatte.
Misela kommt rein.
Verhärmte Frau. Lederkleidung. Nieten.
Sie stellt sich betont entspannt vor Kratulos hin. Mustert ihn von oben bis unten.
Kratulos, sagt sie. Reg dich ab. Das war ein fairer Kampf.
Kratulos sieht sauer aus. Undar wird das gar nicht gefallen.
Undar, sagt Misela. Frag Undar, wer das hier am Laufen hält. Wir sind das. Die Frettchen. Dein Undar soll mal schön die Füße stillhalten.
Kratulos sagt, Undar wird sich rächen. Du wirst sehen.
Dann versucht er durch die Tür zu gehen. Da stehen Miselas Orks. Er wühlt sich zwischen ihren muskulösen Leibern hindurch. Sein Kragen verrutscht. Er macht dabei eine scheiß Figur.
Die Orks lassen ihn wühlen und grinsen.
Kratulos uns seine Männer ziehen ab.
Misela und ihre Männer auch.
Die Lage beruhigt sich.
Somaja-Schwestern
Nachdem Quro reingekommen ist, sitzen wir zu viert am Tisch. Wir versuchen die Lage zu diskutieren.
Wir finden keine Ruhe.
Hinter dem großen Ork am Tresen geht die Tür auf. Von draußen kommen drei Damen rein. Jede einzelne zum Reinbeißen. Warum müssen hier auch unbedingt immer solche Geschosse rumlaufen.
Die drei Damen setzen sich an unseren Tisch.
Ich denke ob das Nutten sind.
Eine Frau sagt, so eine gemischte Truppe wie euch sehen wir nicht oft.
Und wer seid ihr überhaupt, sagt Quro.
Wir sind die Somaja-Schwestern. Wir sind die Heilerinnen hier vor Ort.
Und was ist eure Motivation, sagt Quro, ich meine was wollt ihr von uns.
Die Heilerinnen sagen, schau an, das sitzt ja ein Elb.
Ramir setzt schnell den Bierkrug an.
Uns würde interessieren, was du besonders gut beherrschst, edler Elb.
Rarmir antwortet nicht.
Eine Schwester legt ihre zarte Hand auf seinen Arm. Was ist es, Elb, worin du besonders gut bist.
Bier trinken, sagt Ramir. Er setzt wieder den Krug an.
Die Schwester manipuliert Ramir durch ihr bezauberndes Lächeln. Ich sehe die Unruhe in seinem Gesicht. Ich denke, gleich wird er platzen und ihr stolz erzählen, was er alles besonders gut kann. Sinnlos mit dem Falchion rumfuchteln. Silberne Kerzenständer durch den Wald zerren. Stillschweigend die Gemeinschaftskasse abgreifen. Fremde Esel als seinen Besitz beanspruchen.
Die Schwester neben Ramir guckt zu Quro. Um auf deine Frage zu antworten, werter Wolfsmensch. Wir wollen wissen, ob ihr gesund seid. Wir mussten leider eine Aura der Krankheit bei euch feststellen.
Und das betrifft leider besonders euch, Herr Elb. Ihre Hand rutscht an Ramirs Arm hoch. Sie betastet seinen Bizeps. Ihr seid ein starker Kämpfer. Ihre Stimme bebt. Und dann auch noch ein Elb.
Die anderen beiden Schwestern wenden sich mir zu. Und wer bist du.
Sie versuchen auch mich zu manipulieren. Aber da sind sie an der falschen Adresse. Mit vier Erfolgen prallt ihr liebliches Gesäusel an mir ab. Ich bin ein Todesmagier, Girls, denke ich.
Ich brauche gar keine Magie, um einen Hauch eisiger Kälte über den Tisch kriechen zu lassen. Ein düsterer Schatten legt sich über unsere Runde.
Die beiden Schwestern erbleichen.
Sie tun, als wäre gar nichts Besonderes. Dann fangen sie ebenfalls an, Ramir zu umsäuseln. Ich überlege mir, wie ich ihn aus ihren Klauen retten kann.
Ich spüre, dass die drei tatsächlich magische Fähigkeiten haben. Wenn ich einen Zauber wirke, habe ich mich sofort offenbart. Das geht nicht.
Die drei Schwestern befingern Ramir. Er hat eine Entzündung. Er muss dringend bei ihnen vorbeikommen. Sie werden ihn behandeln.
Ramir japst. Ich. Will. Doch. Eigentlich. Nur. Mein. Bier. Trinken.
Die drei Damen erheben sich anmutig von ihren Plätzen. Bis nachher, Elb. Und wehen als mythische Lichtgestalten zur Tür hinaus.
Wir schauen uns an und atmen durch.
Ich frage mich, was die wirklich von uns wollten.
Erster Gedanke war, ob sie die Aufgabe haben, Neuankömmlinge abzutesten.
Zweiter Gedanke. Ob das nicht einfach nur Nutten sind,
Dritter Gedanke. Ob sie die Musterung für Frettchenanwärter durchführen.
Vielleicht machen die ja alles gleichzeitig.
Der Ork zwinkert zu uns rüber. Die sind wirklich gut. Wenn du mal Probleme hast, melde dich unbedingt bei ihnen. Kann ich nur empfehlen.
Hamidas
Mahinwiner, der Wirt, kommt an unseren Tisch. Kann ich noch irgendwas für euch tun.
Bier, sagen wir.
Bullwai sagt, ob man hier irgendwo übernachten kann, ohne ausgeraubt zu werden.
Mahinwiner hätte ein Zimmer. Klar. Wir können aber auch Hamidas fragen.
Wer ist denn Hamidas schon wieder.
Das ist der Ferrale hier. Der Rostbruder.
Ach, sagt Mahinwiner, wie es der Zufall will. Da kommt er ja gerade.
Ein Mann kommt zur Tür rein. Die Lebensjahre haben ihm nicht gut getan. Tränige Augen. Die Nase gesprenkelt mit geplatzten Adern. Leckt sich fortwährend die Lippen.
Dazu rotes Gewand. Fadenscheinig. Besudelt. Rostige Kette um den Hals. Bis fast auf den Boden. Bei jeden Schritt tritt er dagegen. Es klimpert.
Der Rostbruder tritt an den Tresen. Setzt sich auf einen Barhocker.
Der Ork rückt unauffällig einen Schritt von ihm ab.
Hamidas dreht sich auf dem Barhocker um. Schaut sich in der Gaststube um. Sieht uns. Steht auf. Kommt zu uns an den Tisch.
Er setzt sich ausgerechnet zu Ramir.
Was ich dir sagen wollte, sagt der Ferrale Hamidas. Er leckt sich die Lippen. Ein unangenehm säuerlicher Geruch breitet sich am Tisch aus.
Er knufft Ramir in die Schulter. Ich hab da gerade ein besonders süßes Stück junges Fleisch gefunden. Sehr, sehr lecker, sag ich dir.
Sein saurer Atem weht über den Tisch. Er legt seine Hand auf Ramirs Stuhllehne.
Du bist vom alten Volk, sagt Hamidas. Du verstehst solche Dinge viel besser als die meisten anderen. Ein sehr, sehr schönes Stück Fleisch.
Er beobachtet eine der jungen Kellnerinnen. Sie trippelt mit gefesselten Füßen zwischen den Tischen entlang und verteilt Bier.
Hamidas winkt sie heran. Er leckt sich die Lippen.
Die Kellnerin sieht ihn nicht. Oder sie traut sich nicht, ihn zu sehen.
Morgen, sagt Hamidas. Er lässt seine verschrumpelten Wurstfinger von der Stuhllehne auf Ramirs Schulter gleiten. Morgen wird es ein Fest geben. Die Junge, die frisch gekommen ist. Sie wird den Göttern dargeboten.
Ramir schaut ihn fragen an.
Geopfert, sagt Hamidas. Er strahlt übers ganze Gesicht. Geopfert. Er knetet Ramirs Schulter.
Er steht auf.
Beim Aufstehen fällt sein Stuhl um.
Er torkelt zu Tür und verschwindet nach draußen.
Mahinwiner bringt unser Bier.
Das mit Hamidas war übrigens nur ein kleiner Scherz. Er grinst verlegen. Kein vernünftiger Mensch würde bei dem Übernachten.
Ramir sagt, auf wessen Seite steht Hamidas.
Mahinwiner sagt, der ist völlig entrückt. Der steht auf gar keiner Seite. Wahrscheinlich weiß der nicht mal, dass es sowas wie Seiten gibt.
Dachzimmer
Wir beziehen das Zimmer. Kleine Dachstube. Holz überall. Einfach aber ordentlich.
Ramir sitzt im Schneidersitz auf dem Bett. Bullwai lümmelt auf einem Stuhl. Quro schlurft auf und ab. Ich lehne neben einer kleinen Dachluke.
Quro sagt, er will trotzdem bei dem Rostbruder schlafen. Er sagt, man sollte hier möglichst viele Parteien kennen lernen. Quro glaubt, dass der Rostbruder sehr viel mitkriegt. Gerade dann, wenn er als irre gilt.
Ich sage, der Rostbruder ist sogar die Wurzel der Scheiße hier. Er ist das kranke Mastermind. Er prägt die perverse Stimmung. Ohne ihn wären die Frettchen nicht hier. Auch wenn ich den genauen Zusammenhang nicht kenne.
Ramir findet das nicht.
Ramir findet, der Rostbruder hat keine Ahnung, was hier passiert.
Ramir sagt, dass wir uns bei den Frettchen einschreiben sollen. Wenn wir Frettchen sind, können wir die ganzen Typen gleichsam von innen gegeneinander aufhetzen. Das ist so fragil hier alles. Da braucht es nicht viel, und das ganze Ding fliegt in die Luft.
Ich sage, als Frettchennovize wirst du raus in die Wälder geschickt. Leute jagen. Da bist du erst mal wochenlang weg von der Bildfläche. Da hetzt du hier drinnen gar nichts auf.
Quro sagt, wir sollen bei dem Rostbruder übernachten. Wir anderen sagen, spinnst du. Aber er will unbedingt. Wir beschließen also, dass wir eine Flasche Wein besorgen und den Rostbruder unter irgend einem Vorwand besuchen. Dann gucken wir, wie der Abend verläuft. Das Zimmer im Gasthaus haben wir ja trotzdem noch.
Ramir quengelt weiter. Er will aber unbedingt zu den Frettchen. Er will die beiden Parteien spalten. Er will einen Bürgerkrieg anzetteln. Er will die ganze scheiß Burg hier abfackeln.
Ich finde das eigentlich ganz gut. Aber nicht als Frettchen. Wir müssen das cleverer anstellen. Aber ein Bürgerkrieg mit abfackeln oder in die Luft jagen scheint mir sehr angemessen.
Bullwai findet das nicht angemessen. Der Sozialzwerg findet, dass dann zu viele unschuldige Menschen sinnlos sterben.
Ich finde seine Bedenken unnötig und übertrieben.
Ramir findet das auch.
Yawim
Die Diskussion verläuft hitzig.
Ich lehne an der Dachluke.
Ich gucke aus der Dachluke.
Auf der mittlerweile dunklen Straße kommen zwei Gestalten auf die Taverne zu.
Ein untersetzter Größerer tappst schwerfällig wie ein Waldarbeiter.
Daneben geht Yawim.
Beide gehen zielstrebig auf das Gasthaus zu.
Dann verschwinden sie aus dem Blickfeld.
Unten im Schankraum geht die Tür auf und zu.
Wir hatten zuvor bereits häufiger über Yawim gesprochen.
Wir sind uns einig. Wir müssen uns sehr schnell um ihn kümmern.
Er kennt uns. Sobald er uns hier sieht, haben wir ein Problem. Er mag uns nicht. Er wird uns als Agenten enttarnen.
Er darf uns nicht sehen.
So lange Yawim im Schankraum ist, können wir also nicht raus. Der Rostbruder muss warten.
Immerhin haben wir einen Plan.
Sobald Yawim das Gasthaus verlässt, werden wir ihm unauffällig folgen.
Wir besuchen ihn. Erkundigen uns freundlich nach dem Rezept.
Er wird es uns wahrscheinlich nicht geben wollen.
Bullwai wird ihn dazu bringen, es uns trotzdem zu geben.
Dann entsorgen wir Yawim möglichst unauffällig.
Er könnte am Morgen tot im Bett liegen.
Er könnte kopfüber in ein Maischefass gefallen und ertrunken sein.
Es darf nur nicht wie Mord aussehen. Yawim ist eine Art Promi. Mordermittlungen an einem Promi können wir gerade nicht brauchen.
Wir sitzen schweigend in der Dachkammer.
Warten, dass Yawim endlich geht.
Gähnende Langeweile.
Bullwai rückt die Stühle gerade.

